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Bild: Pixabay 

Job verloren - Politikverdrossenheit steigt

25.08.2017 | 11:00 |  Cornelia Holzbauer (DiePresse.com)

Klappt der Berufseinstieg nicht, dann verlieren junge Menschen schnell das politische Interesse.

Bei Berufseinsteigern verringert sich das Interesse an Politik, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern aus der Schweiz und Dänemark, aufbauend auf Forschung durch das sozioökonomische Panel.

Der Jobverlust in den frühen Berufsjahren hat langfristige Folgen: Auch zehn Jahre danach sind die Betroffenen noch stärker politikverdrossen als andere – und zwar selbst dann, wenn sie wieder Arbeit gefunden haben.

Jugendarbeitslosigkeit fördert politisches Desinteresse

Das klare Ergebnis: Je älter Menschen sind, desto weniger wird ihr politisches Interesse durch einen Jobverlust beeinflusst. Wenn jemand seinen Arbeitsplatz jedoch bereits als Berufseinsteiger, also innerhalb der ersten vier Arbeitsjahre, verliert, sinkt sein politisches Interesse rapide. Besonders stark ist diese Politikverdrossenheit ausgeprägt, wenn die Betroffenen eher introvertiert sind und generell weniger mit Freunden und Bekannten kommunizieren.

Einstieg in politisches Leben fällt ohne Arbeit schwer

Die Wissenschaftler vermuten, dass Berufseinsteiger deshalb das Politikinteresse verlieren, weil sie gar nicht erst die Chance haben, welches aufzubauen. Das gilt vor allem für junge Leute, die direkt nach der Schulzeit beginnen, zu arbeiten. "Gerade in den ersten Berufsjahren entwickeln Menschen ein starkes politisches Interesse – durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz, aber auch durch den Einfluss der Gewerkschaften", sagt Politikwissenschaftler Patrick Emmenegger von der Universität St.Gallen, einer der Autoren. Fehlen diese Sozialisationsprozesse, so ziehen sich junge Menschen eher aus dem politischen Leben zurück, sagt Emmenegger.


Wer nicht wählt, kann auch nicht mitentscheiden

Menschen mit wenig politischem Interesse gehen auch seltener wählen. "Das kann bedeuten, dass diejenigen, die schon mindestens einmal arbeitslos waren und deswegen eher auf staatliche Unterstützung angewiesen sind als andere, eine schwache Stimme in der Politik haben", sagt Emmenegger. Die Studienautoren plädieren daher für eine Arbeitsmarktpolitik, die junge Menschen auch bei Arbeitslosigkeit in ihrer sozialen Integration unterstützt. Junge Menschen sollten auch bei Arbeitslosigkeit in ihrer sozialen Integration unterstützt werden, dafür plädieren die Studienautoren.

 

Mit der aktuellen Studie bauen bauen die Autoren auf eine Langzeitstudie des sozioökonomischen Panels SOEP in West- und Ostdeutschland auf, in deren Rahmen die Forscher 17.500 Personen zwischen 1984 und 2011 befragt hatten.

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