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Bild: Pixabay 

Akademiker stecken in prekären Jobs fest

23.08.2017 | 16:40 |  Cornelia Holzbauer (DiePresse.com)

Drei Viertel der Positionen an Unis und Hochschulen werden nicht mehr mit unbefristeten Verträgen vergeben. Eine Lösung könnten Lehrprofessuren sein.

Ein wachsender Teil der Lehre und Forschung an den Unis wird nicht mehr durch dauerhaft beschäftigtes akademisches Personal geleistet, sondern durch prekär Beschäftigte. Zu diesem Schluss kommt der Hochschulforscher Hans Pechar im Sammelband "Zukunft und Aufgaben der Hochschule", der am Mittwoch beim Forum Alpbach präsentiert wird.

Nur ein knappes Viertel der Beschäftigten betreibt Lehre und Forschung unter regulären Beschäftigungsbedingungen. Ein Großteil des akademischen Personals ist also prekär beschäfigt. "Nimmt man den Grundsatz der Einheit von Lehre und Forschung ernst, dürfte es das in diesem Ausmaß gar nicht geben", sagt der Hochschulforscher.

Das akademische Prekariat

Zum akademischen Prekariat zählt Pechar Personen mit befristetem Beschäftigungsverhältnis ohne realistische Aussicht auf Entfristung. Darunter fallen vor allem drei Gruppen: Lektoren, Mitarbeiter in über Drittmittel finanzierten Projekten sowie Universitätsassistenten nach dem neuen Uni-Kollektivvertrag. Letztere hätten anders als früher keine Chance mehr auf eine Entfristung ihres Arbeitsverhältnisses durch eine erfolgreiche Habilitation, sondern müssten auf einen Wechsel auf eine Laufbahnstelle hoffen - welche wiederum zu selten angeboten werde.

Massenhochschulen unter Druck

Woher kommt das wachsende akademische Prekariat? Pechar hat zwei Ansätze: Einerseits wachse der Druck auf "expandierende Massenhochschulsysteme". Die Hochschulen würden darauf mit Kostenreduktionen reagieren. "Eine der wirksamsten Sparmaßnahmen ist es, teures Lehrpersonal durch billigeres zu ersetzen. Am teuersten ist die Lehre durch unbefristetes Personal, vor allem die durch Professoren. Am billigsten ist es dagegen, befristetes Personal anzustellen, in Österreich sind das Lektoren.

Finanzierung über Drittmittel

Zweiter "Megatrend" ist laut Pechar der Wandel der Forschungsfinanzierung durch eine Verschiebung von über Grundmittel zu über Drittmittel finanzierter Forschung. Dies sei nicht per se negativ. "Probleme entstehen aber dann, wenn die Balance zwischen dieser Antragsforschung, die mit einer Qualifizierung von akademischem Nachwuchs Hand in Hand geht, und den aus dem Grundbudget finanziert stabilen Beschäftigungsmöglichkeiten verloren geht. Dann landet ein Teil der in Drittmittelprojekten qualifizierten Nachwuchsforscher in einer Sackgasse." Auch in Österreich ist das in den letzten Jahren passiert.

Lektoren sollten immer Externe sein

Nicht jede Nebenbeschäftigung ist gleich prekär: Zum Beispiel Personen, die außerhalb der Uni noch einen Job haben, sogenannte Externe. "Solche Fälle, bei denen das universitäre Lehrangebot durch praktische Erfahrungen ergänzt und bereichert wird, sollten das primäre Motiv für den Einsatz von Lektoren sein", sagt Pechar.

Prekäre Mitarbeiter sind billiger

Der Hochschulforscher übt Kritik: Natürlich haben Hochschulen ein Interesse an flexiblem Personal. Allerdings glaubt er, dass sie Mitarbeiter nur prekär beschäftigen, weil es billiger ist. Das ist besonders für diejenigen Forscher und Lehrenden ein Problem, die hauptberuflich an der Universität arbeiten. Sie stecken in ihren prekären Jobs fest, da sie auf diese angewiesen sind. Die Befristung wird für sie zu einer Dauerlösung.

Lösungen: Studenten weiterleiten oder Lehrprofessuren

Die naheliegendste Lösung wäre eine Erhöhung der Hochschulausgaben. Diese werden aber kaum so hoch ausfallen, um stabile Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen.

Pechar hat noch zwei weitere Ideen: Einerseits könnten Studentenströme von den Unis auf Fachhochschulen umgeleitet werden. Andererseits spricht er sich für die Einrichtung von Lehrprofessuren aus, die unterhalb der Professur ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis mit erhöhter Lehrverpflichtung vorsehen. Das Problem: Es existiert immer noch ein "Goldstandard" einer Professur, die Forschung und Lehre als Einheit sieht. Dabei existiere die Trennung de facto schon - durch die Postdocs in Drittmittelprojekten, die forschen, ohne zu lehren, und die Lektoren, bei denen dies umgekehrt sei - aber eben in prekären Verhältnissen.

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