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Bild: Pixabay 

"Unterbrich mich nicht!"

21.08.2017 | 12:12 |  Cornelia Holzbauer (DiePresse.com)

Manterrupting: Frauen werden häufiger unterbrochen als Männer. Woher das kommt und was gegen die Unruhestifter hilft.

Frauen werden von Männern häufiger unterbrochen als umgekehrt, das wurde in mehreren Studien bewiesen. Außerdem dominieren männliche Meetingteilnehmer Diskussionen in Besprechungen, wie Forscher der Brigham University zusammen mit der Princeton-Universität herausgefunden haben.

Manterrupting - "Unterbrich mich nicht!"

Die Unterbrechung von Frauen durch Männer ist inzwischen zu so einem üblichen Phänomen geworden, dass ein social media-taugliches Modewort dafür gefunden wurde. Dieses nennt sich Manterrupting - eine Konglomeration aus den Worten Man und Interrupting. Prominente Beispiele für klassisches Manterrupting finden sich unter anderem in der Politik. Der US-Wahlkampf 2016, bei dem Hillary Clinton nicht nur in einer Debatte von ihrem Gegenkandiaten Donald Trump unterbrochen wurde, gilt als exemplarisch für das Phänomen.

Eine App zeichnet Unterbrechungen auf

Diese TV-Duelle und weitere Youtube-Videos, in denen Frauen konstant von Männern unterbrochen werden, hat eine brasilianische Werbeagentur zum Anlass genommen, eine App herauszubringen, die Unterbrechungen von Frauen durch Männer zählt. Sie nennt sich Woman Interrupted und ist seit 2017 auf dem Markt. Die App nutzt das Smartphone-Mikrofon, um Stimmen aufzunehmen und zu erkennen. Die Entwickler arbeiten derzeit auch daran, eine Weltkarte zu erstellen, auf der zu sehen ist, in welchen Ländern das "Manterrupting"-Phänomen am häufigsten vorkommt. Das Ziel der Macher ist, Manterrupting als weltweites Problem anzuerkennen und dagegen vorzugehen.

Auch Frauen unterbrechen Frauen

Allerdings werden Frauen nicht nur von Männern häufiger unterbrochen. Auch Frauen unterbrechen andere Frauen, laut einer Studie, die vom Journal of Language and Social Psychology veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse: Frauen werden von beiden Geschlechtern regelmäßig beim Reden gestört. Hier wird deutlich, dass anscheinend nicht das Geschlecht des Unterbrechenden von Bedeutung ist, sondern das der Unterbrochenen: Frauen.

Maßnahmen gegen die Unruhestifter(innen)

Um dafür zu sorgen, dass Sie weniger unterbrochen werden, können Sie mehrere Schritte einleiten:

  • Ignorieren Sie die Unterbrechung und reden Sie einfach weiter: Das funktioniert allerdings nur, wenn Sie zum ersten Mal unterbrochen werden. Sollte es öfter passieren, greifen Sie auf weitere Maßnahmen zurück.
  • Wischen Sie die Unterbrechung mit einem kurzen Kommentar einfach weg: Indem Sie sagen: "Danke für den Einwurf, aber darauf komme ich sowieso noch zurück", können Sie den Unruhestifter in die Schranken weisen.
  • Sprechen Sie den Unterbrecher direkt an: Auch die gegenteilige Strategie kann helfen. Schauen Sie Ihrem Gegenüber fest in die Augen und erwähnen Sie, wie unhöflich und unprofessionell Sie es finden, einfach unterbrochen zu werden. Damit rechnet der Unruhestifter nicht und findet sich jetzt seinerseits in einer Erklärposition.
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