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Bild: Pixabay 

Forschen, führen – und darüber reden

06.08.2017 | 11:00 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Wissenschaftliche Kongresse zu veranstalten wertet den Lebenslauf eines Professors auf, bringt wertvolle Kontakte – und unter Umständen Geld für das Institut.

Die Forschung ist ebenso ein Herzstücke der Arbeit von Universitätsprofessoren wie die Wissensvermittlung. Und genau diese Wissensvermittlung kann auch ökonomisch bedeutend sein. Dann, wenn das Wissen über persönlichen und vor allem interdisziplinären Austausch diffundiere, sagt Gottfried Haber, als Universitätsprofessor an der Donau-Universität Krems unter anderem für den Bereich Wirtschafts-, Budget- und Finanzpolitik zuständig.

Wissenschaftliche Fachkonferenzen, sagt Haber, würden sich besonders dazu eignen, persönliche Kontakt anzubahnen und zu pflegen. Und genau das gehöre auch zum breiten Aufgabengebiet eines Universitäts-Professors: forschen, führen, Ideen produzieren und umsetzen und eben auch darüber reden.

Ein in letzterer Hinsicht interessantes Projekt betreibt das Austria Center Vienna (ACV). Mit dem Ambassadoren-Programm sollen österreichische Topwissenschaftler (besonders aus dem medizinischen Feld) eingeladen werden, im Rahmen ihrer Tätigkeit in internationalen wissenschaftlichen Verbänden Kongresse in Wien auszutragen. Unterstützung bei der Organisation kommt vom ACV selbst und zusätzlich vom Vienna Convention Bureau.

Neben dem Reputationsgewinn für die federführenden Professoren haben auch die Institute der Ambassadore etwas von einem Kongress im ACV: Sie erhalten zehn Prozent der Raummiete als finanzielle Mittel für ihre Universitäten.

Überhaupt sende das ACV starke wirtschaftliche Signale aus. Alexander Schnabl vom Institut für Höhere Studien (IHS) stellte in seiner Studie vor allem bemerkenswerte Beschäftigungseffekte fest. „Sie lagen in Österreich bei 3351 Vollzeitäquivalenten, das entspricht 4243 Personenjahren“, sagt Schnabl. Das entspreche rund einem Promille aller Beschäftigten in Österreich, sagt Schnabl: „Für ein vergleichsweise kleines Unternehmen ist das sehr viel.“

Wertvolle Kongresstouristen

Hoch sind auch die Sozialversicherungs- und Steuereffekte, die sich zuletzt auf 114,8 Millionen Euro und eine Wertschöpfung von 234 Millionen Euro beliefen. Diese Zahlen, sagt Schnabl, hingen auch damit zusammen, dass Wien als Veranstaltungsort ganzjährig Saison habe – und damit, dass Kongresstouristen täglich rund 538 Euro ausgeben, mehr als doppelt so viel wie Freizeittouristen.

[NQEB5]

(Print-Ausgabe, 05.08.2017)

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