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Cornelia Bartholner: jung, lernbegierig, mit großer Zukunft vor sich. / Bild: (c) Florens Kosicek 

Wirtschaftsprüferin mit 28 Jahren

06.08.2017 | 08:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Porträt. Sie ist die jüngste aktive Wirtschaftsprüferin in Österreich. In atemberaubendem Tempo legte Cornelia Bartholner Studium, Praxis und Prüfungen ab. Die sind in Zukunft überschaubarer.

Wunderkind war sie keines. Jedenfalls behauptet das Cornelia Bartholner (28) von sich. Eine ganz normale HAK-Maturantin war sie, mit gerade noch 18 Jahren mit der Schule fertig geworden. Studieren war klar, „etwas mit Rechnungswesen“, weil ihr das in der Schule gut gefallen hatte. Nur was genau, das wusste sie nicht.

Die Wirtschaftsuni war ihr zu überlaufen. Also inskribierte sie an der FH Wien, Unternehmensführung und Entrepreneurship, bilingual und ideal für alle, „die noch nicht wissen, was sie einmal machen wollen“. Als solche sah sie sich.

Im zweiten Jahr fragte sie einer ihrer Vortragenden, ob sie sich in seiner kleinen Steuerberatung etwas dazuverdienen wolle. Das ist nicht ungewöhnlich, viele Vortragende picken sich unter ihren Studenten die besten heraus und bieten ihnen Praktika an. Als HAK-Absolventin war sie vom Fleck weg für die Buchhaltung befähigt. Warum also nicht? So kam sie in die Steuerberatung und zu ihrem ersten Halbtagsjob.

Der zweite flog ihr zu, als sie noch ein anderer Lektor ansprach. Dieser war von Deloitte, einem der Big Four, aus der Wirtschaftsprüfung, Bereich Audit. Damit hatte sie sich noch nie auseinandergesetzt. „Aber das Angebot war so nett, das Gespräch so sympathisch und positiv . . .“ Warum also nicht?

Ihren Halbtagsjob bei der Steuerberatungskanzlei Wore wollte sie noch nicht aufgeben, „ich konnte dort noch viel lernen“. Also eine Halbe-halbe-Lösung, die halbe Woche Jahresabschlüsse erstellen, die andere Hälfte ebensolche prüfen. Niemals beides am gleichen Tag, sagt sie, „sonst wäre ich schizophren geworden“.

Die beiden Kanzleien spielten mit, schließlich wollten sie ihre Hoffnungsträgerin nicht vergraulen. Hatte die eine Prüfungssaison, gab ihr die andere gern frei und umgekehrt.

Prüfungstango

Mit 21 Jahren war der Bachelor geschafft, der Master (Financial Management & Controlling) von Anfang an berufsbegleitend angelegt. Einen Monat nach der Masterprüfung trat sie zur schriftlichen Steuerberaterprüfung an.

Halt. Stopp. Geht das überhaupt? Nach der alten Regelung muss ein Berufsanwärter drei Jahre Praxis belegen. Erst dann kann er zur ersten der beiden Berufsprüfungen, dem Steuerberater, antreten. Theoretisch kann man gleichzeitig auch den Wirtschaftsprüfer versuchen. Wegen der Fülle des Stoffs und der gefürchtet hohen Schwierigkeitsstufe wagt sich aber kaum jemand darüber.

Cornelia Bartholner hatte ihre drei Praxisjahre beisammen. Und sie war „grade so gut im Lernen drinnen“. Warum also nicht antreten? Bartholner bestand, wenig überraschend, schriftliche und mündliche Steuerberaterprüfung. Zwei Jahre später trat sie zur Wirtschaftsprüfer-Prüfung an. Mit 28 Jahren hatte sie beide in der Tasche, als eine von nur 39 Wirtschaftsprüfern, die 2016 beeidigt wurden. 19 davon waren Frauen.

Neues Berufsgesetz

In Zukunft wird das anders sein. Die Reihenfolge ist dann nicht mehr zwingend erst der Steuerberater, dann der Wirtschaftsprüfer. Die beiden Berufe stehen dann gleichrangig nebeneinander und können in beliebiger Reihenfolge und getrennt angepeilt werden. Auch beträgt die Wartezeit nur mehr 18 Monate, was einen zügigen Antritt wesentlich erleichtert. Noch heute bedauert Bartholner das Ausscheiden einer Kollegin, die sich nach dreijähriger Praxis nicht mehr zum Lernen aufraffen konnte. Sie ging der Steuerberatung verloren.

Wie geht es nun mit der jüngsten Wirtschaftsprüferin Österreichs weiter? Demnächst baut sie ihre Mehrstunden in einem neunwöchigen Abenteuerurlaub in Ecuador ab. Danach schlüpft sie bei Deloitte in einen üblichen All-in-Vertrag (die Steuerberatungskanzlei Wore gab sie schon früher auf. Alles gleichzeitig ging nicht.)

Und dann interessiert sie sich für Financial Advisory Consulting, weil viele Klienten sie unterjährig auch mit allgemeinen Fragen konsultieren. Man kann ja nie genug lernen.

Was von alledem hat ihr bisher am meisten gebracht? Die Antwort kommt unerwartet. Die Social Skills, sagt sie, die sie an der FH lernte: Teamarbeit, Gesprächsführung, Konfliktmanagement: „Weil man es immer mit Menschen zu tun hat.“

 

Zur Person

Während ihres FH-Studiums bekam Cornelia Bartholner (28) zwei Jobangebote: von der Steuerberatungskanzlei Wore und vom Audit-Bereich von Deloitte. So sammelte sie schon während der Ausbildung jene drei Jahre Praxis, die nach der alten Regelung für den Antritt zur ersten Berufsprüfung, zum Steuerberater, nötig waren. Zwei Jahre später absolvierte sie auch die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer und ist damit die jüngste Wirtschaftsprüferin Österreichs.

Nachsatz: Noch jünger, nämlich mit 27 Jahren, legte heuer Julia Newertal die Prüfungen zum Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab.
[NQEB7]

(Print-Ausgabe, 05.08.2017)

1 Kommentare
DerMilou
07.08.2017 19:15
0 0

Belanglosigkeit

des Beitrages. Ich erkenne, dass nichtssagende Tatsachen einen Artikel wert sind. Denn ob kurz oder lang studiert etc, sagt einfach gar nichts aus. Das gesamte Leben ist einer der Wertungsmaßstäbe....
Interessant die unzulässige Schlussfolgerung der Presse-Redakteurin: Aus einem schnell abgeschlossener Berufsausbildung wird auf Lernbegierigkeit und große Zukunft geschlossen....so etwas themaverfehltes!
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