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Gunther Reimoser, EY-Chef in Österreich. / Bild: (c) Stefan Seelig 

Der Mann mit dem Bauchladen

23.07.2017 | 12:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Porträt II. Seit Juli ist Gunther Reimoser Country Managing Partner von EY. Er muss ein kompliziertes Leistungspaket erklären, das historisch gewachsen ist. Und dann gibt es noch ein paar andere Herausforderungen.

Einst war EY (früher Ernst & Young) eine Wirtschaftstreuhandkanzlei: Steuerberater und Abschlussprüfer, wie es sich gehört. Dann war da noch die Unternehmensberatung, eine florierende Einheit. Doch Prüfung und Beratung waren zu eng vernetzt, sodass man, wie die Mitbewerber auch, im Jahr 2000 die Beratung verkaufen musste.

Damals war Gunther Reimoser (heute 45) vier Jahre an Bord. Als Wirtschaftsinformatiker war er ein Exot am richtigen Platz. Das große Thema der Zeit war, nicht nur den Finanzbereich, auch die IT zu prüfen: „Stimmt die IT nicht“, sagt er, „stimmen auch die Zahlen nicht.“ Reimoser baute eine IT-Prüfabteilung auf, bis ihn der Ruf aus dem Clevelander Büro ereilte, er möge dort ein neues System testen. Die Arbeit in den USA gefiel ihm. Als das Projekt beendet war, rief er „die Großkopferten“ an, er wäre im Haus und wolle noch bleiben. Ob man etwas für ihn hätte?

Man hatte. Es war die Zeit der Übernahme von Arthur Andersen. Der Fünfte im Bund der damaligen „Big Five“ war eben über den Enron-Skandal gestolpert und von Ernst & Young geschluckt worden. Seither gibt es nur mehr die „Big Four“.

Eine anstrengende Zeit, sagt Reimoser heute. Dass er viel gelernt und ein tragfähiges Kontaktnetz aufgebaut habe. Dass aber irgendwann seine Lernkurve vor Ort abnahm. Dass er wieder nach Wien zurückwollte, um die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer abzulegen. Das hatte er sich fix vorgenommen. Also kehrte er zurück.

Alles auf Wachstum

In Wien bauten alle längst wieder Unternehmensberatungen auf. Auch EY: erst ein paar Köpfe, dann immer mehr. „Wir hatten eine gute Wachstumsstory“, formuliert es Reimoser. Seit dem Zusammenschluss mit Contrast Management-Consulting 2016 arbeiten 200 Mitarbeiter in diesem Bereich.

Dann kam die Transaktionsberatung dazu. Reimoser hatte inzwischen in allen drei Bereichen gearbeitet, als Steuerberater, als Wirtschaftsprüfer und als Unternehmensberater. Nun wuchs er auch in die Transaktionsberatung hinein, leitete Digitalisierungsprojekte, änderte Geschäftsmodelle, passte Prozesse an.

Seit Juli hat er eine neue Aufgabe. Als Country Managing Partner will er der Öffentlichkeit die vier Bereiche nahebringen. „Wir sind keine reine Wirtschaftstreuhandkanzlei mehr“, sagt er, „aber wir werden noch so wahrgenommen.“

Dabei geht es um mehr als um das bloße Image. Selbst die alten Hasen täten sich schwer, die Breite des Angebots nachzuvollziehen. Obendrein stellten die globalen Megatrends, von Big Data bis Digitalisierung, auch seine Branche auf den Kopf. Die Herausforderung sei, einerseits den Wissenstransfer des gewaltigen Bauchladens zu orchestrieren, andererseits „den richtigen“ Nachwuchs anzuziehen.

Der Rest, winkt er ab, sei bloß operatives Geschäft. Und das sei vergleichsweise einfach.


[NPG1D]

(Print-Ausgabe, 22.07.2017)

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