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Bild: Pixabay 

AMS-Chef will Lehrstellenmarkt für Asylwerber öffnen

10.07.2017 | 12:51 |   (DiePresse.com)

Lehrstellen soll es für Asylwerber unter 30 Jahren geben, die eine hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit haben.

AMS-Vorstand Johannes Kopf will den Lehrstellenmarkt für junge Flüchtlinge, die auf ihren Asylbescheid warten, weiter öffnen. "Ich bin für eine generelle Öffnung des Lehrstellenmarktes für alle Asylwerber unter 30 Jahren, die eine hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit haben", sagte Kopf in einem "Kurier"-Interview. Aktuell seien das vor allem Syrer.

Während junge Flüchtlinge auf ihren Asylbescheid warten, dürfen sie derzeit nur mit Sonderbewilligung und nur dort, wo ein Fachkräftemangel herrscht, eine Lehre beginnen. Momentan gebe es solche Bewilligungen lediglich für 415 Asylwerber unter 25 Jahren, die meisten davon in Oberösterreich (169), gefolgt von Tirol (62) und Salzburg (43). Diese Lehrstellen mussten sich die Jugendlichen aber selbst oder mithilfe von NGOs und Freiwilligen suchen, das AMS ist für sie bisher nicht zuständig.

Lehre als Anreiz für Asylwerber und Unternehmen

Würden Flüchtlinge in der ein-, zweijährigen Wartezeit eine Lehre beginnen, könnten sie neben der Ausbildung auch eine Lehrlingsentschädigung von ein paar hundert Euro statt 40 Euro Taschengeld erhalten, schreibt der "Kurier". "Bekommen diese Flüchtlinge dann im zweiten oder sogar schon dritten Lehrjahr Asyl gewährt, verdienen sie schon deutlich mehr, in manchen Lehrberufen auch schon 1.000 Euro. Und sie haben den Anreiz, die Ausbildung fertig zu machen, anstatt irgendeine Hilfstätigkeit anzunehmen", so Kopf.

Dass Österreichern dadurch Lehrstellen weggenommen werden, glaubt er nicht: "Wir haben aktuell 1075 mehr freie Lehrstellen als vor einem Jahr und 133 weniger lehrstellensuchende Jugendliche." Von den Asylwerbern würden wegen des Bildungsniveaus und noch fehlender Sprachkenntnisse ohnehin nur "wenige hundert" für die Ausbildungsplätze infrage kommen.

Wird der Lehrstellenmarkt für junge Flüchtlinge geöffnet und das AMS für die Vermittlung zuständig, hätte das auch Vorteile für die heimischen Unternehmen: Das AMS würde sie laut Kopf dann durch Förderungen, Sprachkurse und Coachings unterstützen und mit Jugendlichen zusammenbringen, denn: Während 60 Prozent aller Asylberechtigten in Wien leben, sind die meisten Lehrstellen im Westen Österreichs zu finden. Würde die Regierung eine entsprechende Regelung finden, könnten einige Asylwerber laut Kopf schon im Herbst mit einer Ausbildung beginnen.

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