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Bild: Pixabay 

Helikopter-Management

06.07.2017 | 07:00 |  Michael Hirt (DiePresse.com)

Kolumne "Hirt on Management". Folge 50. Kann das funktionieren?

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Was ist Helikopter-Management und kann das funktionieren?

Michael Hirt antwortet:

Wir haben sie alle schon erlebt: Manager, die in unregelmäßigen Abständen bei ihren Mitarbeitern auftauchen, massiven Druck aufbauen, viel Staub aufwirbeln, alle verrückt machen, um dann wieder in die luftigen Höhen ihrer ledergepolsterten, holzgetäfeltem Vorstandsquartiere zu entschwinden.

Vom Kopfschütteln zur massiven Demotivation
Im besten Falle haben sie nur Kopfschütteln hinterlassen und die Mitarbeiter arbeiten genauso weiter wie vorher, im schlechtesten Falle haben sie wieder mal alle massiv demotiviert und verwirrt, insbesondere, weil es einfach kein erfreulicher Gedanke ist, auf einem Schiff zu arbeiten, das von der Wiedergeburt von Captain Ahab aus Moby Dick geführt und von diesem gerade zielsicher auf ein Riff navigiert wird.

Mit professionellem Management hat das gar nichts zu tun. Das ist nur oberflächliche Wichtigtuerei und ein Zeichen von Unprofessionalität und mangelnder Wertschätzung für die Mitarbeiter.

Unternehmertum vs. Management
Vor kurzem habe ich mit einem Paradeunternehmer aus einer deutsch-österreichischen Unternehmerdynastie über den Unterschied zwischen Management und Unternehmertum gesprochen. Wir waren uns einig, dass die Aufgabe des Unternehmers darin besteht, Marktchancen zu erkennen und eine Wertschöpfungskette herzustellen, um diese zu ergreifen. Die Optimierung dieser Wertschöpfungskette ist dann eine klassische Managementaufgabe, die viel Konsequenz, sowie langfristige und kontinuierliche Arbeit erfordert.

Die Mühen der Ebene
Das sind die Mühen der Ebene, die berühmt-berüchtigten, wöchentlichen Alignment- und Followup-Calls, nicht enden-wollende Serie von Strategieworkshops und die alljährlichen Marathons an Mitarbeitergesprächen.

Erkenne Dich selbst
Unserem Paradeunternehmer erschien das alles viel zu langweilig, dafür hatte er keine Geduld. Aber zum Glück hatte er sich selber durchschaut und ein paar richtige Manager eingesetzt, die, für ihn die von ihm entworfenen Wertschöpfungsketten optimieren, statt dass er selber, aus mangelnder Selbstreflexion und schlichter Arroganz, zum dysfunktionalem Helikopter-Manager mutiert.

Das Wichtigste in Kürze

Helikopter-Management hat mit professionellem Management nichts zu tun. Erkennen Sie sich selbst und holen Sie sich professionelle Hilfe ins Haus, anstatt zum dysfunktionalem Helikopter-Manager zu mutieren.

 

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 20. Juli 2017 zur Frage: Management by Harakiri. Sehenden Auges in den Abgrund.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

 

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

1 Kommentare
jelrayesat
06.07.2017 11:22
0 0

Großartig

Jeden Artikel möchte ich mir einrahmen und am Gang für die Kollegen gut sichtbar auf die Wand hängen - wie immer messerscharf analysiert und auf den Punkt gebracht.
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