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Bild: Pixabay 

Geisteswissenschaftler im Consulting? Eher nicht.

03.07.2017 | 15:28 |   (DiePresse.com)

Joblift analysierte Anforderungen an Stellen in der Beratungswirtschaft. Das Ergebnis: Nur ein Prozent aller Stellenanzeigen richten sich explizit an Quereinsteiger

135.000 Beraterstellen untersuchte die Plattform in den letzten zwei Jahren. Verglichen wurden jeweils das erste Quartal des Jahres 2016 sowie das erste Quartal des heurigen Jahres. Das Ergebnis: Im untersuchten Zeitraum 2017 wurden 3000 mehr (+116 Prozent) Jobs ausgeschrieben als noch im Jahr 2016.

Wirtschaft ja - Geisteswissenschaft nein

An den Zugangsvoraussetzungen allerdings änderte sich nichts: So wurden wirtschaftswissenschaftliche Abschlüsse etwa rund 93-mal häufiger verlangt als geisteswissenschaftliche. Die oftmals aufgestellte These, Unternehmensberatungen stellen zunehmend auch Quereinsteiger ein, um neue Potenziale zu entfalten, bestätigt sich also zumindest in den Stellenanzeigen kaum.

Es folgen Abschlüsse in (Wirtschafts-)Informatik (29.973 Erwähnungen) sowie (Wirtschafts-)Ingenieurwesen (16.247 Erwähnungen). Während naturwissenschaftliche Studiengänge immerhin noch 11.079 Mal genannt werden, werden Geisteswissenschaftler nur 343-mal ausdrücklich dazu aufgefordert, sich zu bewerben. Lediglich 1372 Anzeigen ermutigten wortwörtlich „Quereinsteiger“ aus wirtschaftsfremden Studiengängen dazu, eine Laufbahn in der Unternehmensberatung einzuschlagen.

Digitalisierung als Hauptfeld

Betrachtet man die Felder, mit denen sich die Beratungsindustrie den Jobbeschreibungen zufolge verstärkt beschäftigt, dann liegt die Digitalisierung vorne – insgesamt 6236 Ausschreibungen kündigen diese als zentralen Gegenstand der Tätigkeit an. Es folgt, eng damit verknüft, die Industrie 4.0 mit 3475, sowie die Automatisierung mit 2851 Nennungen in den Stellenanzeigen. Die Gloabilisierung scheint dagegen eine nachgeordnete Rolle zu spielen: Nur 1689 Anzeigen erwähnen diese in der Profilbeschreibung.

Innovativ dank kreativer Teamarbeit 

Joblift betrachtete ebenfalls die am stärksten nachgefragten Persönlichkeitseigenschaften. Diese sind jedoch nicht klassische Beraterkompetenzen wie Analysevermögen, sondern Teamgeist und Kommunikationstalent.

Die Kompetenzen entsprechen im Großen und Ganzen dem klassischen Anspruch an Berater, stetig neue Zusammenhänge bei wechselnden Auftraggebern zu beleuchten, dabei vollen Einsatz zu zeigen und Empfehlungen überzeugend kommunizieren zu können.

Die starke Wertschätzung von Teamfähigkeiten bringt jedoch auch einen Wandel des Berufsbilds zum Ausdruck: Beratungsfirmen können angesichts der zunehmend freien Verfügbarkeit von Informationen nicht mehr allein auf ihr Fachwissen setzen, sondern sind einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt, dem sie etwa durch kreative Teamarbeit begegnen können.

 

1 Kommentare
Mariee
05.07.2017 13:48
0 0

Warum nicht?

Dann beschweren sich die Leute über Fachkräftemangel, wenn die Hürden vorher schon aufgestellt sind, dass die Leute nicht reinkommen.
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