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Bild: Pixabay 

Frauen mit Gehalt zufriedener als Männer

27.06.2017 | 13:35 |  Charlotte Weber (DiePresse.com)

Wie glücklich sind österreichische Angestellte mit ihrem Einkommen? Ist Gehalt ein Tabuthema? Wie nehmen Männer den Paygap war? StepStone hat für eine Studie nachgefragt.

Die gute Nachricht zuerst: unzufrieden sind Österreichs Angestellte nicht. 81,9 Prozent geben an, mit ihrem derzeitigen Gehalt zufrieden zu sein. Auf den ersten Blick dennoch überraschend: Frauen sind – trotz Schlagworten wie Gehaltsschere – insgesamt zufriedener als Männer. So gibt ein Fünftel der weiblichen Befragten an, mit dem Gehalt glücklich zu sein, während es bei den Männern nur 14,3 Prozent sind.

Ob Arbeitnehmer mit ihrem Job zufrieden sind, hängt zu einem Großteil auch vom Gehalt ab. Doch wie glücklich sind österreichische Angestellte wirklich damit? Wie nehmen sie die viel diskutierte Gehaltsschere wahr und was halten sie von Gehaltstransparenz? Eine aktuelle Studie der Online-Jobbörse StepStone hat sich nun mit diesen und anderen Fragen beschäftigt. Dafür wurden 1011 Österreicher befragt, welche die Bevölkerung zwischen 20 und 55 Jahren mit höherer Bildung in einem Angestelltenverhältnis repräsentieren.

Berufserfahrene Männer eher zufrieden

Betrachtet man die Gehaltszufriedenheit näher, zeigt sich, dass Alter und Arbeitserfahrung diese sowohl bei Männern als auch bei Frauen beeinflussen. Während bei den 20- bis 29-Jährigen Frauen noch 81 Prozent mit ihrem Gehalt zumindest zufrieden sind, sind es bei den 50 bis 55-Jährigen nur noch 74 Prozent. Auf der anderen Seite sind Männer umso zufriedener mit ihrem Gehalt, je mehr Berufserfahrung sie haben. So sind bei den 20 bis 29-Jährigen Männern nur 75,5 Prozent zumindest zufrieden, bei den 50 bis 55-Jährigen 81,8 Prozent.

Die sinkende Zufriedenheit der Frauen über 50 begründet Gehaltsexperte Conrad Pramböck mit der beruflichen Neuorientierung in dieser Lebensphase. Bei den 20 bis 29-Jährigen seien Männer und Frauen in Bezug auf Karriere und Verdienst gleichgestellt, mit der Geburt des ersten Kindes würden Frauen dann oft beruflich kürzer treten und und erst um die 50 wieder voll ins Berufsleben einsteigen. Um Frust beim Wiedereinstieg zu vermeiden, sollte man sich schon vor dem ersten Kind die beruflichen Ziele und die dafür erforderlichen Schritte überlegen, rät Rudi Bauer, Geschäftsführer StepStone Österreich: „Dazu gehört auch, für sich selbst zu definieren, was Karriere für jede Einzelne bedeutet und welche finanziellen Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen.“

Gehaltsschere und Gehaltstransparenz

Egal, wie zufrieden Frauen mit ihrem Gehalt sind, sie verdienen in Österreich nach wie vor weniger als Männer, der Initiative Equal Pay Day zufolge nämlich um 17,3 Prozent. Dennoch gab die Hälfte der in der Studie befragten Männer (im Gegensatz zu 42,7 Prozent der Frauen) an, dass es in ihrem Unternehmen keine großen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Nur 13,7 Prozent (Frauen: 24,7 Prozent) erkennen die Gehaltsunterschiede an. Weitere 21,7 Prozent der Männer und 18,8 Prozent der Frauen geben an, es nicht zu wissen oder nicht beurteilen zu können.

Unabhängig vom eigenen Arbeitgeber stimmen 43,1 Prozent der Männer der Aussage zu, dass Frauen grundsätzlich für die gleiche Leistung weniger verdienen als Männer, bei den Frauen finden das 71,9 Prozent der Frauen. Für Frauen ist die Problematik der Gehaltsschere viel präsenter als für Männer.

Männer und Frauen sind sich nicht außerdem uneinig drüber, dass Gehaltstransparenz die Gehaltsschere schließen kann: Während knapp zwei Drittel der befragten Frauen klar für Transparenz sind, sind die Männer mit 54,6 Prozent etwas zurückhaltender. Wenig oder gar keine Zustimmung gibt es immerhin von einem Fünftel der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Befragten.

Der Gehaltsexperte appelliert an Frauen. selbst aktiv zu werden, raus aus der Opferrolle und ihrer Komfortzone zu kommen. Das bedeutet auch, den eigenen Marktwert realistisch abzuschätzen: „Den Jobmarkt regelmäßig scannen, sich mit Kollegen vergleichen und vielleicht auch einmal auf Stellen bewerben um zu sehen, ob man in die engere Auswahl kommt, können dabei helfen, den eigenen Marktwert abzuschätzen und so in eine aktivere Position zu kommen“, erklärt Bauer.

Frauen wollen eher fixes Gehalt

Bei der Frage nach fix oder variabel gibt es beinahe eine Zweidrittelmehrheit für das fixe Gehalt. So verzichten 60,5 Prozent der Befragten lieber auf eine leistungsorientierte Bezahlung mit variablem Anteil, immerhin 28,6 Prozent können sich sowohl ein fixes als auch ein variables Gehalt vorstellen. Nur jeder Zehnte bevorzugt die leistungsorientierte Bezahlung. Je größer das Unternehmen und die Personalverantwortung, desto mehr wünschen sich Arbeitnehmer variables Gehalt. Für Frauen geht Sicherheit vor (nur 7,7 Prozent wollen variables Gehalt), während Männer zu 14,5 Prozent dem leistungsabhängigen Gehalt eher zugetan sind. 64,4 Prozent der Frauen wollen ein Fixum, bei den Männern sind es nur 56,1 Prozent.

Gehalt ist kein Tabu

Wer denkt, dass die österreichischen Angestellten ihr Gehalt immer noch unter Verschluss halten, der irrt. Nicht einmal drei Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Gehalt ein absolutes Tabuthema ist. Männer (3,6 Prozent) sind jedoch insgesamt verschwiegener als Frauen (1,8 Prozent). Im Branchenvergleich sind die Bankangestellten übrigens am konservativsten: 8,2 Prozent sind immer noch der Meinung, dass ihr Gehalt niemanden etwas angeht.

Schummeln beim Gehalt

Doch auch wenn das Gehalt kein Tabu mehr ist, nehmen es die Befragten mit der Ehrlichkeit nicht immer ganz so genau. Rund ein Drittel der Befragten (31,8 Prozent) hat auf die Frage, was man denn so verdiene, schon einmal die Unwahrheit gesagt. Rund ein Fünftel der Befragten hingegen hat sich auch schon bescheidener gezeigt, als es ist, und weniger angegeben.

Je mehr Berufserfahrung, desto eher wird das Gehalt übrigens nach unten korrigiert, während es am Anfang der Karriere gerne geschönt wird. Noch nie die Unwahrheit gesagt haben 68,2 Prozent der Befragten, wobei Frauen (71,8 Prozent) ehrlicher sind als Männer (64,2 Prozent).

 

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Seine gesammelten Kolumnen finden Sie hier und im Buch "Karrierewege". Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

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