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Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Dafür steht man mit seinem Namen

24.06.2017 | 10:14 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Mit dem steigenden Innovationstempo könne der Gesetzgeber nicht mithalten. Umso wichtiger würden Unternehmenswerte, sagt Emmanuel Lulin, Chief Ethics Officer bei L'Oréal.

Die Formel ist so einfach, wie sie klingt: Das, was man mit dem eigenen Namen öffentlich unterschreiben würde, entspricht wahrscheinlich ethischen Anforderungen. Formuliert hat sie Emmanuel Lulin. Der Franzose ist Senior Vice-President und Chief Ethics Officer bei L'Oréal. Und, sagt er: Ethik werde immer wichtiger. „Denn das Tempo, mit dem wissenschaftliche und technische Innovationen entstehen, steigt und ist deutlich höher als das, in dem rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können.“ Weil das so ist, seien die Mitarbeiter bei ihren Entscheidungen stark auf die Unternehmenswerte angewiesen. Im Fall von L'Oréal sind das in erster Linie Mut, Integrität, Respekt und Transparenz.

Darüber hinaus fasste der französische Kosmetikhersteller bereits im Jahr 2000 seine Prinzipien im „Code of Business Ethics“ zusammen. Heuer wurde das Unternehmen mit weltweit rund 89.300 Mitarbeitern vom Ethisphere-Institut zum achten Mal als eine der „World's Most Ethical Companys“ ausgezeichnet.

Topmanager müssen dahinter stehen

Einen Ethik-Code zu entwickeln funktioniere nur, wenn die Topmanager dahinterstehen, sagt Lulin. „Es braucht starke Überzeugung. Und man muss sicherstellen, dass man nicht zweierlei Maß anwendet – sonst verliert man jede Glaubwürdigkeit.“ Rund 500 Mitarbeiter quer durch alle Bereiche arbeiteten damals an dem Papier. Sie nehmen noch heute eine besondere Rolle als Botschafter ein. Speziell gehört wurden die High Potentials: „Das sind die, die in zehn Jahren in der Verantwortung sind.“

Wichtig war, eine verständliche Sprache zu finden. Zudem übersetzten nicht Juristen, sondern Literaturwissenschaftler in mittlerweile 45 Sprachen. Lulin empfiehlt, den Code in alle im Unternehmen verwendeten Sprachen zu übersetzen – im Fall von L'Oréal heißt das auch in französische bzw. englische Braille-Schrift. Das sei, sagt er, ein Zeichen von Respekt und Fürsorge.

Apropos Respekt: Der Ethik- Code wird jedem neuen Mitarbeiter persönlich überreicht: „Das drückt die Wertschätzung aus“, sagt Lulin. Man fühle sich auch auf eine ganz andere Weise verpflichtet.
Einen Ethik-Code zu Papier zu bringen, sei die eine Sache. Die darin enthaltenen Werte zu leben, eine andere. „Walk the talk“ zähle, sagt Lulin, weshalb den Managern und Mitarbeitern einige Werkzeuge in die Hand gegeben wurden.

Hilfreiche Tools – digital, analog

Etwa Self-Assessment-Tools für die Manager in den einzelnen Niederlassungen, mit denen sie eine Rückmeldung bekommen, wie sehr sie die Unternehmenswerte einhalten. Das Ergebnis bleibt vertraulich, weil es ein Entwicklungstool und keine Beurteilungsmethode ist. Anders verhält es sich mit den Audit-Ergebnissen der externen Auditoren. Daneben tourt Lulin zu sämtlichen Niederlassungen, um Fragen und Probleme zu diskutieren. Und schließlich führte er den jährlichen „Ethics Day“ ein. Dabei können Mitarbeiter an Workshops teilnehmen und Ethikfragen mittels Live-Webchat direkt an ihren CEO, Jean-Paul Agon, und an ihren Country Manager stellen. Mehr als 4.800 Fragen wurden eingeschickt.

Denn über allem steht das Thema Information. Infos zu teilen kläre nicht nur Erwartungen, sondern sei auch die Voraussetzung für Vertrauen und die Basis, dass ein Ethik-Code auch umgesetzt werde. „Denn wer nur Compliance verlangt, gibt den Mitarbeitern eine ganz andere Botschaft: Nämlich, dass man ihren Gehorsam erwartet. Unser Ethikprogramm basiert auf Compliance und Werten und baut mehr auf Vertrauen und Überzeugung als auf bloßen Gehorsam.“

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