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Hermann und Thomas Neuburger sind Attribute wie „freundschaftlich“ und „herausragend“ wichtig. / Bild: Ákos Burg 

Arbeiten wie in einem Verein

25.06.2017 | 11:51 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Porträt. Hermann und Thomas Neuburger zeigen in ihrem Unternehmen im Mühlviertel und mit ihren Fleisch- und Fleischlosprodukten, wie Change-Management in der Praxis aussehen kann.

Wenn es um Change-Prozesse geht, hat Hermann Neuburger jede Menge Erfahrung. Als er 1986 das Familienunternehmen in Ulrichsberg im Mühlviertel von seinem Vater übernahm, wurde ihm rasch klar: Das breite Wurst- und Fleischangebot selbst herzustellen und in eigenen Filialen zu vertreiben ist nicht rentabel.

Also entschloss er sich zu einem radikalen Schritt. Er konzentrierte sich auf den Neuburger (den man dem Slogan gemäß nicht Leberkäse nennen soll), verpachtete das Detailgeschäft und beendete die Produktion der übrigen Wurstwaren. Vor diesem Risiko scheute er ebenso wenig zurück wie 1995, als er in eine neue Produktionshalle investierte, oder 2004, als er sich mit Rewe anlegte: Der Handelsriese war damals auf eine Preiserhöhung nicht eingestiegen und hatte den Neuburger ausgelistet.

Zwei Jahre später nahm er die Entscheidung wieder zurück.
Nun vollzog der 65-jährige Hermann Neuburger die nächste einschneidende Veränderung. Gemeinsam mit einem seiner vier Kinder, Thomas (28), gründete er die Marke Hermann Fleischlos: Rostbratwürstchen, Käsebratwurst, Gyros und Grillstreifen – ohne Fleisch – sind seit dem Vorjahr auf dem Markt. Hergestellt auf Kräuterseitling-Basis, wobei die Pilze ausschließlich aus der eigenen Produktion kommen und für die Zucht eine neue Halle entsteht.

Zwei-, dreimal ist genug

Gereift war die Idee, eine fleischlose Alternative anzubieten, schon vor Jahren in Hermann Neuburger, weil er mit der Tierhaltung zum Teil nicht einverstanden war und ist und weil er auch die gesundheitliche Komponente sieht. „Natürlich verführen auch wir die Menschen zum Fleischkonsum – aber zwei-, dreimal in der Woche sind genug.“
Umgekehrt, sagt Neuburger, „haben wir nie gesagt ,Fleisch ist schlecht‘. Im Gegenteil: Fleisch ist ein hochwertiges Lebensmittel.“

70 Mitarbeiter produzieren den Neuburger, 20 Hermann Fleischlos, und sie unterstützen sich auch gegenseitig, wenn es in der einen oder der anderen Produktion Engpässe gibt. „Sie haben denselben Pausenraum, dieselbe Garderobe – nur gehen die einen nach der Stiege links, die andern rechts“, sagt Thomas Neuburger.

Dass alle an einem Strang ziehen, hänge auch damit zusammen, dass Hermann und Thomas Neuburger auf Transparenz setzen und ihre Mitarbeiter auf dem Laufenden halten. „Die Mitarbeiter sind erwachsene, mündige Menschen“, sagt Hermann Neuburger. Insofern habe es im Haus auch keine Widerstände gegen die neuen Produkte gegeben, sagt er, weil er seine Beweggründe immer offengelegt und argumentiert habe.
Die beste Vorbereitung für ihre enge Zusammenarbeit, sind Vater und Sohn überzeugt, waren die zehn Jahre, in denen sie Supermoto-Rennen bestritten. „Da lernt man sich kennen.“

Als Führungskräfte sehen sich Hermann und Thomas Neuburger als „Dienstleister am Projekt“, die ein passendes Umfeld und Grundstrukturen schaffen und versuchen, die großen Probleme zu lösen. Die aber gleichzeitig bemüht sind, Entscheidungen zu delegieren. Daher denken sie auch möglichst wenig in Abteilungen. „Abteilungen teilen ab“, sagen sie. Die einzelnen Bereiche ineinanderfließen zu lassen sei zwar manchmal anstrengend, aber jedenfalls lohnend. „Das Ziel ist, dass wir wie in einem Verein arbeiten.“ Und das bedingt, dass die gegen- und wechselseitigen Erwartungen aller Beteiligten offenliegen. Entsprechend sind „freundschaftlich“ und „herausragend“ zwei der zentralen Neuburger-Werte.

Neues in bekannter Form

Das versuchen Hermann und Thomas Neuburger vorzuleben. Ehe er studierte und einige Zeit in München lebte, arbeitete Thomas schon als Jugendlicher immer wieder im Unternehmen mit. In der Produktion konnte man sich davon überzeugen, dass er anpacken kann. „Du wirst am Anfang abgetestet, aber nur so entsteht natürliche Autorität.“ Eine, die nicht aufgesetzt wirkt.

Überzeugungskraft ist jetzt in Sachen Hermann Fleischlos gefragt. Denn Konsumenten greifen gern zu den gewohnten Produkten. Daher werden die beiden nicht müde zu sagen: „Es ist ein vollkommen neues Lebensmittel – in einer bekannten Form.“

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