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Bild: (c) Weinberg-Clark Photography (Weinberg-Clark Photography) 

Scheitern für die Innovation

05.05.2017 | 15:31 |  Charlotte Weber (DiePresse.com)

Originelle Projekte beginnen mit der emotionalen Einstellung des Einzelnen. Führungskräfte sollten deshalb ein positives Umfeld im Unternehmen fördern.

Wie führen Sie Ihr Unternehmen? Weisen Sie an oder inspirieren Sie mit Fragen? Geben Sie Ihrem Mitarbeitern Freiräume, um neue Herangehensweisen auszuprobieren? Wie gehen Sie mit Fehlern um? Belohnen Sie jemanden, der ein Risiko eingeht? Google-Innovationsmanager Frederik Pferdt rät Führungskräften, sich handlungsfreudig zu zeigen.

Für Pferdt kann jedes Unternehmen und jede Privatperson kreativ denken und handeln. Die einzige Bedingung: Innovation müsse erlaubt werden, erzwingen könne man sie nicht. „Innovation ist kein Prozess oder ein Event im Unternehmen, sondern eine emotionale Einstellung einer Person“, sagt Pferdt. Zu oft werde mehr Energie in Entschuldigungen investiert anstatt ideenreich zu denken und zu handeln. Doch innovative Verhaltensmuster können erlernt werden.

Der Deutsche lebt seit 2011 in den USA und betreut als "Chief Innovation Evangelist" Innovationsprozesse bei Google im Silicon Valley. Er entwickelte dafür das „"Creative Skills for Innovation Lab", in dem jährlich über 500 Google-Teams das „10x-Denken“ trainieren. Dabei geht es darum, das große Bild im Blick zu haben anstatt sich in Kleinigkeiten zu verlieren. Dieser Denkansatz ist neben Kunden- und Nutzer-Orientierung sowie Experimentierfreude zentraler Bestandteil der Innovationskultur von Google.

Aus Fehlern lernen

Unternehmen sollten demnach auf vielseitige Teams setzen, da diese gegenüber homogenen Gruppen in Bezug auf Innovationsfähigkeit und Leistung deutlich im Vorteil seien. Grund dafür seien vor allem die unterschiedlichen Hintergründe und Erfahrungen, die zu vielfältigeren Ideen und somit zu originelleren Lösungen führten.

In den vergangenen drei Jahren hat Google mit 280 Teams untersucht, was ein erfolgreiches, innovatives Team von einem weniger einfallsreichen Team unterscheidet. Entscheidend sei die emotionale Sicherheit, erklärte Pferdt bei seinem Vortrag anlässlich des Houska-Forschungsförderungspreises der B&C Privatstiftung am Donnerstagabend in Wien. Denn nur ohne Ängste, Unsicherheiten und anderen negativen Emotionen können Mitarbeiter experimentieren, Risiken eingehen und Fehler machen – und daraus lernen.

Um Mitarbeiter darin zu unterstützen, auf ihre eigene Kreativität zu vertrauen und ihre Ideen umzusetzen, sollte die Chefetage daher eine Arbeitsumgebung schaffen, in der täglich im Sinne von neuem Denken und Innovation gehandelt wird, erklärt Pferd, der auch an der Stanford University unterrichtet. Es gehe vor allem darum, eine "Kultur des Ausprobierens und des Scheiterns" zu ermöglichen, empfiehlt der Manager: „Und als Führungsperson sollte man da gleich den Anfang machen.“

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