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Bild: Pixabay 

Wenn FH-Master weiterstudieren wollen

10.04.2017 | 13:41 |  Erika Pichler (Die Presse)

Durchgängigkeit. Das Doktoratsstudium für Absolventen von Fachhochschulen zu öffnen ist eine Forderung, die zwar bereits gesetzlich verwirklicht wurde, in der Praxis aber nicht immer gelebt wird.

Das Doktoratsstudium soll vor allem Jungwissenschaftler hervorbringen: Laut Universitätsgesetz (UG 2002) dient es unter anderem „der Heranbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf der Grundlage von Diplom- und Masterstudien“. Auch Absolventen eines FH-Masterstudiums steht es daher frei, bestimmte Doktoratsstudien an einer Universität zu beginnen. Seit dem Studienjahr 2001/2, haben laut Wissenschaftsministerium österreichweit rund 440 FH-Absolventen ein Doktoratsstudium abgeschlossen. Durch 30 verschiedene Verordnungen wurde festgelegt, welche FH-Masterabschlüsse zu welchen Uni-Doktoratsstudien berechtigen.

Aktuell ist zudem ein Verordnungsentwurf des Wissenschaftsministers in Begutachtung, durch den die 30 Verordnungen in einer einzigen zusammengefasst würden – in einer tabellarischen Auflistung aller FH-Studiengänge mit Hinweis auf die entsprechenden Doktoratsstudien der Universitäten. Das System würde dadurch übersichtlicher, die Durchlässigkeit um ein Stück vorangetrieben.

Frage der Uni-Ressourcen

In der Realität machen FH-Absolventen aber oft die Erfahrung, dass es bei Universitätsprofessoren nicht gerade Begeisterungsstürme auslöst, wenn sie sich mit Ideen für Dissertationen bei ihnen melden. Im dem Buch „Perspektiven und Herausforderungen der österreichischen Fachhochschulen“ (Verlag Österreich 2016) des FH-Experten Elmar Schüll werden zur Durchlässigkeit von FH-Absolventen zum Doktoratsstudium an Universitäten die Ergebnisse eine Befragung von Hochschullehrenden vorgestellt. Sie zeigen auf, dass die Problematik vor allem eine Frage der Betreuungskapazität sein dürfte.

70 Prozent der Universitätsangestellten stimmen der These zu, dass mehr Ressourcen an Österreichs Universitäten für die Betreuung von FH-Studierenden eine höhere Durchlässigkeit zum Doktorats- bzw. Ph.-D.-Studium ermöglichen würden. „Gute Betreuung hat ihren Preis. Das gilt für alle akademischen Ebenen“, sagt auch der Bildungsforscher Werner Hauser, der als Professor an der FH Joanneum und an der Universität Klagenfurt die Praxis kennt. „Eine Öffnung der Betreuergruppe – zum Beispiel für Emeriti, Honorarprofessoren oder Privatdozenten – wäre für die Entkrampfung der angespannten Personalsituation sicher hilfreich.“

Vorbehalte und wenig Service

Sonst geht es nach Hausers Auffassung jedoch vor allem darum, Vorbehalte gegenüber FH-Masterabsolventen, die ein Doktoratsstudium anstreben, abzubauen und den wissenschaftlichen Ambitionen dieser Gruppe offen und vorbehaltslos gegenüberzutreten. „Teilweise höre ich von Studierenden oder Absolventen, dass sie es an inländischen Unis im Doktoratsstudium nicht eben leicht haben oder hatten, aber an anerkannten ausländischen Unis überhaupt keine Widerstände zu gewärtigen hatten“, sagt Hauser. Diese Erfahrung sei vermutlich auch den sehr unterschiedlichen Hochschulkulturen geschuldet. „Der FH-Bereich lebt den Serviceaspekt sehr stark; an den Unis herrscht in der Regel ein anderer Zugang, der ein hohes Maß an administrativer Selbstorganisationsfähigkeit der Studierenden voraussetzt. Da gibt es teilweise kulturelle Anpassungsschwierigkeiten. Viele ausländische Unis servicieren ihre Studierenden ähnlich umfassend wie Fachhochschulen, und deshalb funktioniert dort vieles besser.“

Hausers pragmatisches Fazit: „Wenn sich die Unis nicht umfassend für Fachhochschulabsolventen in Doktoratsprogrammen öffnen, werden die Fachhochschulen zu Recht darauf drängen, eigene Doktoratsprogramme zu etablieren. Viele – wenngleich bei Weitem nicht alle – Fachhochschulen hätten bereits jetzt das Zeug dazu“, meint der Experte. Den Fachhochschulen selbst die Betreuung ihrer Absolventen im Doktoratsstudium zu überantworten sei im Rahmen von Kooperationsabkommen zwischen Fachhochschulen und Universitäten prinzipiell möglich, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium.

Kooperationen als Alternative

So könnten etwa auch Universitätsabsolventen durch Lehrende einer FH betreut werden, sofern eine qualitätsvolle Betreuung durch wissenschaftlichen Mitarbeiter mit Lehrbefugnis (in der Regel habilitierte Lehrende) sichergestellt sei. „Diese Kooperationsmöglichkeiten werden tendenziell allerdings wenig genutzt“, räumt Ministeriumspressesprecherin Vera Pürerfellner ein. In Planung sei daher ein weitreichenderes Modell. „Es geht hierbei um die weitere Förderung von Kooperationen, sodass zum Beispiel das Curriculum sowie Betreuungsmodalitäten von FH und Universität gemeinsam vereinbart werden. Das Promotionsrecht verbleibt bei der Universität, doch durch die Schaffung gemeinsamer Richtlinien wird eine Kooperation gezielter gefördert.“ Dieses Kooperationsmodell gehe damit auch auf die unterschiedlichen Aufgabenprofile der Hochschulsektoren ein.

Eine Übersicht über die Verordnungen für den Übergang von FH- auf Doktoratsstudien findet sich unter www.studienplattform.at/alle-anders-alle-gleich.

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