Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
Bild: (c) Joerg Lipskoch 

„Betriebswirtschaftslehre muss sich neu erfinden“

09.04.2017 | 17:00 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Geschichte. Péter Horváth, Doyen des Controllings und Gründer von Horváth & Partners, wurde kürzlich 80 Jahre alt. Er schaut auf die Veränderungen im Consulting-Geschäft und wagt einen Blick, was auf die Branche noch zukommt.

Consulting sei heute viel professioneller als damals, sagt Péter Horváth. Mit damals meint er 1981, als er mit zwei Kollegen den Grundstein für Horváth & Partners legte. In zweierlei Hinsicht: „Erstens ist das Handwerk viel komplexer geworden: Wie entdecke und kläre ich ein Problem?“ Zweitens seien die Instrumente anspruchsvoller, was sich – nicht nur – in seinem Lieblingsgebiet Controlling am Thema Business Analytics zeige.
Noch drei große Veränderungen sieht Horváth, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte: „Die Manager sind schlauer geworden.“ Das habe, sagt er, ohne überheblich zu sein, auch damit zu tun, dass viele ehemalige Consultants in den Unternehmen mitarbeiten. Daneben nennt Horváth die Internationalisierung und die Ganzheitlichkeit. Unter Letzterer versteht er die Vernetztheit innerhalb der Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinaus.

Allrounder gesucht

Österreich, sagt Horváth, der 1956 aus Ungarn geflüchtet war, sei insofern ein spezielles Pflaster für Consulting-Unternehmen, weil der Mittelstand oft wenig Erfahrung mit Consultants hätte. Da brauche es eben viel soziale Kompetenz, um ins Gespräch zu kommen. Und hier würden eher Allrounder mit umfassendem Wissen benötigt als Fachspezialisten.
Horváth, mittlerweile emeritierter Professor der Universität Stuttgart, der davor den ersten Lehrstuhl für Controlling in Deutschland an der TU Darmstadt aufgebaut hatte, kennt die Wirtschaft von ihrer praktischen und von der theoretischen Seite. Seine Erwartung an die Zukunft des Consultings lautet: Die Digitalisierung, die kleine Unternehmen genauso wie große Konzerne betrifft, mache es nötig, „dass sich die Betriebswirtschaftslehre neu erfindet“. Denn, sagt Horváth, das digitalisierte Umfeld brauche neue Kennzahlen. Größen wie die auf Stückzahlen bezogene Produktivität hätten ausgedient. Heute und noch stärker in der Zukunft würden Schnelligkeit, Flexibilität oder Passgenauigkeit der Produkte zählen.

Planung oft zu starr

Daneben werde man sich noch stärker mit interantional aufgestellten Unternehmensnetzwerken befassen müssen und der Frage, wie sie zu steuern sind. Und, sagt Horváth, „wir müssen weg von den starren, langfristigen Planungen. Consultants müssen sich damit befassen, wie sich noch flexibler und schneller planen lässt.“

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com