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Bild: Pixabay 

Das perfekte Begleitschreiben

28.03.2017 | 10:38 |  Conrad Pramböck (DiePresse.com)

Kolumne "Karrierewege". Der häufigste Grund, warum sich Bewerber nicht mit der Hürde eines guten Begleitschreibens befassen, ist der Glaube: Es liest ohnehin niemand. Tatsächlich werden die meisten Begleittexte nicht gelesen, weil sie einfach schlecht verfasst sind.

Manche Bewerber nehmen das Jobinterview gedanklich schon vorweg und schreiben seitenweise über ihre bisherige Berufserfahrung, ihre Erfolge und Motivationen. Das alles ist möglicherweise interessant. Aber bitte erzählen Sie diese Geschichten nur auf Nachfrage beim persönlichen Interview. Allein der Anblick eines mehrseitigen Anschreibens führt bei den meisten Headhuntern und Personalmanagern dazu, es ungelesen zur Seite zu legen.

Andere Kandidaten verzichten ganz auf ausschweifende Formulierungen und kommen gleich zum Punkt: „Bitte lesen Sie meinen Lebenslauf im Attachment!“ Keine Anrede, keine freundlichen Grüße, nichts. Vermutlich sind das jene Menschen, die auch keine Weihnachtsgeschenke verpacken.

Für meinen Geschmack hat ein gutes Anschreiben folgenden Aufbau:

1. Eine persönliche Anrede mit dem konkreten Namen des Empfängers, also zum Beispiel: „Sehr geehrte Frau Schneider“. Nur in Notfällen verwenden Sie „Sehr geehrte Damen und Herren“.

2. Im ersten Satz - und auch im Betreff - sagen Sie, was Sie wollen. Viele verwenden den Klassiker: „Hiermit bewerbe ich mich für die Position des Key Account Managers im Bereich XY.“

3. Der nächste Absatz ist besonders wichtig: Hier beschreiben Sie sich selbst in zwei bis drei Sätzen. Dabei verwenden Sie keinen blumigen Marketingsprech, der Ihre tollen Erfolge selbstlobend anpreist. Stattdessen lassen in klaren Worten die Fakten zu Ihrem Verantwortungsbereich und Ihrer bisherigen Tätigkeit sprechen. Das Wichtige dabei ist: In diesem Absatz schreiben Sie nur über jene Qualifikationen, die Ihrem Gegenüber klar machen, dass Sie die beste Bewerberin für den neuen Job sind. Alles andere, das Sie nicht als Traumkandidaten für die neue Position qualifiziert, lassen Sie unerwähnt.

4. Nun folgt ein kurzer Absatz über Ihre Motivation. Sie schreiben, was Sie am neuen Unternehmen und an diesem Job so anziehend finden. Sie erwähnen das Beste, was Sie über Firma und Position sagen können, und sagen, dass Ihnen genau diese Punkte auf Ihrer Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung besonders wichtig sind.

5. Sie schließen mit einem „Call for Action“ und bitten um Vereinbarung eines persönlichen Gesprächstermins unter der Telefonnummer: 01 – 234 56 78.

Grundsätzlich gilt: Je kürzer und knackiger Ihr Anschreiben ist, desto höher sind die Chancen, dass es auch gelesen wird und Sie damit die einzige Hürde überwinden, die es zu nehmen gilt: Der nächste Schritt ist nämlich Ihr persönliches Vorstellungsgespräch.

 

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Seine gesammelten Kolumnen finden Sie hier und im Buch "Karrierewege". Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

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