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Trainee
Bild: Pixabay 

Die Guten, Bösen und Hässlichen

25.03.2017 | 12:00 |  Von Andrea Lehky (Die Presse)

Traineeship. Von außen ist es gar nicht so leicht erkennbar, ob man ein echtes und faires Traineeship, ein verstecktes Assessment-Center oder ein getarntes Praktikum vor sich hat.

Woran erkennt man ein gutes Traineeprogramm? Für Maximilian Bauer, Sprecher des Interessennetzwerks Traineenet, liegt die Antwort auf der Hand. „Erstens erkennt man es an der Dauer: mindestens zwölf bis 18 Monate.“

Dabei zähle nicht, möglichst viele Bereiche zu durchlaufen, sondern genug Zeit zu haben, sich in jeden gut einzuarbeiten: „Drei Monate pro Bereich sind genau richtig. Weniger nur in Ausnahmefällen.“ Auch für jene, die ihre berufliche Richtung schon genau wissen, sollten „artfremde“ Bereiche dabei sein. So werde die künftige Marketingleiterin mit Produktion und Produkten vertraut und der Techniker mit dem Vertrieb. Unerwartet werden Traineeships nur selten für Finanzleute angeboten: Dabei sollten auch sie die hemdsärmeligen Bereiche des Unternehmens kennenlernen.

Zweites Qualitätskriterium: Das Programm müsse deutliche Elemente der Personalentwicklung beinhalten, also Trainings, Seminare, Coachings und Mentoren: „Da ein Traineeship kein Job ist, den man erledigt. Sondern man sich entwickeln soll.“ Idealerweise in Richtung Führungskraft, deren Onboarding dem Unternehmen einiges wert ist.

Kleine und mittlere Unternehmen im Nachteil

Schade für KMU: Aufgrund ihrer Ressourcen sind hier Konzerne im Vorteil. Bei ihnen hapert es allerdings manchmal an der Beweglichkeit: „Manche Trainees entwickeln sich in unerwartete Fachrichtungen.“ Daher lohne es sich nachzufragen, wie das Unternehmen mit solchen „Unberechenbaren“ umgehe.

Drittes Qualitätskriterium: die Wertigkeit. Man wisse ja, seufzt Bauer, dass nicht alles ein Traineeship ist, was sich als solches bezeichnet. Finger weg, wenn man den Verdacht habe, ein verstecktes Assessment-Center vor sich zu haben („Schnupperangebote“ machen erkennbar, dass hier noch gesiebt wird) oder als Praktikant missbraucht zu werden (deutlich niedrigere Entlohnung, fehlende Entwicklungsmaßnahmen).
Viertes Kriterium: die Bleibequote früherer Jahrgänge. Sind nach fünf Jahren weniger als 70 Prozent an Bord, ist etwas faul.

Wie viel Geld drinnen ist

„Keinesfalls unter 2000 Euro Monatsbrutto“, sagt Bauer, „eher in Richtung 2500 Euro.“ Genauer schlüsselt das Georg Jurceka auf, Kompensationsexperte bei Deloitte: „Im Großen und Ganzen entspricht das Jahresbrutto eines Managementtrainees dem üblichen Akademikereinstiegsgehalt, also zwischen 32.600 bis 36.500 Euro. Nur Techniker liegen darüber.“ Wo innerhalb dieser Spanne man einsteigt, hängt weniger von der Branche ab als von der Wertigkeit des Programms im Unternehmen.

Wichtiges Detail: Meist handelt es sich um All-in-Vereinbarungen, in denen sämtliche Überstunden inkludiert sind. Hier sollten Trainees nicht kleinlich sein, schließlich investiert auch das Unternehmen einiges in ihre persönliche Weiterbildung.

Bonus möglich, aber nicht wahrscheinlich

Handy und Laptop obendrauf sind möglich, aber nicht Standard. Mit einem Dienstwagen kann nur rechnen, wer schon jetzt vertriebsnahe unterwegs ist.

Sehr vereinzelt nehmen Trainees auch an Bonusprogrammen teil. Allerdings gehen sie kaum über fünf bis zehn Prozent des Jahresbruttos hinaus.

Auf einen Blick

Gute Traineeships haben vier Merkmale: Sie dauern zwölf bis 18 Monate, beinhalten Personalentwicklung (Kurse, Trainings), haben einen hohen Stellenwert im Unternehmen, und etwa 70 Prozent der früheren Trainees sind auch fünf Jahre später noch an Bord. Das Jahresbrutto liegt zwischen 32.600 und 36.500 Euro.

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