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Kevin Chang: Kein Hotelwissen. Trotzdem beworben.
Kevin Chang: Kein Hotelwissen. Trotzdem beworben. / Bild: Akos Burg  

Denen die ganze Welt offensteht

08.03.2017 | 14:34 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Berufseinstieg Tourismus. Wer glaubt, Tourismus gelernt haben zu müssen, um Tourismus machen zu können, der irrt.

Marmor. Teppiche. Kronleuchter. Und Kaiser Franz Joseph schaut herab. Das berühmte Hotel Imperial ist der Arbeitsplatz von Kevin Chang (25). Er steht jetzt am Ende eines 18-monatigen Traineeprogramms, das ihn durch alle Bereiche des Luxus- und Prominentenhotels führt. Halt, nicht durch alle Bereiche: nur durch jene, die ihn interessieren. "Food and Beverage", sagt der junge Österreicher, "darauf konzentriere ich mich." Begonnen hat er, wie es sich gehört, ganz unten: als Tellerwäscher. Stewarding heißt das im Fachjargon und bezeichnet jenen Bereich, der das Equipment für die Küche bereitstellt, also Geschirr, Besteck und Gläser.

Keine Sorge, allzu lang musste Chang nicht Geschirr waschen. Nach ein paar Wochen war Schluss damit, und er bekam seine erste Führungsaufgabe: die Abwäscher zu koordinieren. Rasch ging es weiter: im Caf und in der Bar, wo er Niki Lauda, Mario Barth oder Wolfgang Schüssel so manchen Kaffee servierte. Dann weiter in die Boutique: Dort verkaufte er Torten, bis er in die Administration wechselte. Dann war das Controlling angesagt, in seinem Fall die Kostenkontrolle über Speisen und Getränke. Zuletzt ging s in die Personal abteilung, in der er für die Küche rekrutierte und in die rechtlichen Themen eintauchte. Musste Chang eine Hotelfach-
schule absolvieren, um in den Olymp der heimischen Luxushotellerie aufzusteigen? Fremdenverkehr studieren? Nichts von alldem. Der Wiener mit chinesischen Wurzeln schloss ein Gymnasium ab, branchenfern sogar im Technikzweig. Nach dem Bundesheer ging er nach England und studierte Management an der Warwick School of Business. Nach zwei Jahren pausierte er für ein Ganztagspraktikum bei Microsoft in London: "Die Firma hätte mir gut gefallen. Aber die Arbeit war nicht meines. Zu viel Schreibtisch, zu computerlastig."

Bloß kein Schreibtischjob. Über eine Facharbeit zum Thema "Design in Business" kam er mit der Starwood Gruppe in Kontakt (zu ihr gehört auch das Wiener Hotel Imperial). Dort lernte er das "Vita Futura"-Programm für junge Managementeinsteiger kennen. Er bewarb sich. So einfach war das.

Bald ist seine Traineezeit schon wieder zu Ende. Wie es dann weitergeht, weiß er. Gemeinsam mit seinem Generaldirektor wird er den Bereich Food and Beverage führen und ihn mittelfristig vielleicht übernehmen. Oder er könnte ins Ausland gehen ("Asien würde mich ansprechen") und sich in anderen Häusern der Gruppe nach oben arbeiten. Viele verfolgen das Ziel, eines Tages als Generaldirektor ein Hotel irgendwo in der Welt zu führen. Oder, wenn er genug vom Reisen hat, könnte er ein Restaurant eröffnen, wo es ihm gefällt. Möglichkeiten gibt es genug.

Es müssen keine fünf Sterne sein. Wer es lieber familiär mag, findet den Einstieg noch leichter. So wie die Vorarlbergerin Jaqueline Ritsch (22). Gerade mit ihrem Studium in Neuen Medien fertig geworden, macht sie mit dem weiter, was sie schon immer getan hat: in der Hotellerie jobben. Zehn bis zwölf Euro Stundenlohn bringt Apr s-Ski, dazu Trinkgeld und freie Stundeneinteilung so ließ es sich studieren. Wir wollen nicht verheimlichen: Jedes Wochenende zu arbeiten kann hart sein.

Als frischgebackene Bachelor wollte es Ritsch ruhiger angehen. Sie bat ihre "Chefi täten", die Geschäftsführer des Hotels Zimba in Schruns, in die Rezeption wechseln zu dürfen: "Jetzt habe ich einen Bürojob. Ich steche um 12.30 Uhr ein und um 21.30 Uhr aus. Am Vormittag fahre ich Ski oder mache private Sachen. Am Abend gehen sich immer noch Treffen mit Freunden oder Kinobesuche aus. Davor ist noch nichts los." In früheren Jahren, so hörte sie, gab es Hoteliers, die sich nicht um Dienstpläne scherten. Heute, ist sie überzeugt, "machen es alle so, wie es sich gehört". Weil nur Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, den Gästen dasselbe vermitteln können. Wichtig dafür: klar zu sagen, was man tun will, wie viele Stunden man leisten kann, und wann die Uni Vorrang hat. Ritsch jedenfalls hat Pläne: Sie deponierte bereits, dass sie noch einen Master machen wolle.

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