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Diskussionsrunde im Rahmen der Uniport-Initiative „Naturtalente“, die High Potentials und potenzielle Arbeitgeber miteinander in Kontakt bringt.
Diskussionsrunde im Rahmen der Uniport-Initiative „Naturtalente“, die High Potentials und potenzielle Arbeitgeber miteinander in Kontakt bringt. / Bild: Akos Burg 

Nicht im stillen Kämmerlein, sondern vernetzt

04.03.2017 | 10:00 |  Michael Köttritsch und Elisabeth Stuppnig (Die Presse)

Round Table. Die personalisierte Medizin wird den Arbeitsmarkt für Mediziner, Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker stark verändern: Studierende sollten heute schon über neue Berufsbilder nachdenken.

Üblicherweise ist die Reaktion verhalten, wenn vom gläsernen Menschen die Rede ist. Anders, wenn es um personalisierte Medizin geht – also um die richtige Therapie zur richtigen Zeit, die individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt ist. Je weiter die (Gen-)Diagnostik geht und je mehr Daten über einen Patienten zur Verfügung stehen, desto treffsicherer können Therapien gestaltet und Nebenwirkungen eingeschätzt werden. Da die Medizin aber noch zu wenig über den Patienten weiß, liegen die Ansprechraten von Medikamenten derzeit bei 50 bis 60 Prozent.

Was diese Entwicklung der personalisierten Medizin für Unternehmen, Mitarbeiter und benötigte Kompetenzen bedeutet, diskutierten die Pharmaziestudentinnen Julia Bräuer und Jana Gurinova, Gordon Loewe (Director Human Resources & Communications Roche Diagnostics), Annemaria Mally (Head of HR Services, Boehringer-Ingelheim), Claudia Valenta (Professorin an der Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien) und Michael Walzek (Director Human Resources Roche Austria) im Rahmen eines Round-Table-Gesprächs.

Allein und im Team. Einerseits werde es weiterhin großartige Forscher brauchen, andererseits werde Forschung immer mehr auch zur Teamaufgabe. Das bedeute fachübergreifende und internationale Zusammenarbeit. Ähnliches gelte auch für den universitären Bereich. Der zeitliche Aufwand, Kooperationspartner zu finden und vernetzt zu arbeiten, sei aber nicht zu unterschätzen.

Mehr Fantasie. Vorbei seien auch die Zeiten starrer Berufsbilder. Studierende sollten sich Gedanken über alternative Wege machen. Wer Pharmazie studiere, habe meist einen Job in der Apotheke vor Augen. Kaum ein Mediziner überlege die Möglichkeit, mit seiner Ausbildung bei einem Pharma-Unternehmen einzusteigen. Diese scheinbar atypischen Möglichkeiten werden wichtiger werden.

Erfahrung sammeln. Einen Eindruck darüber können Praktika geben. Abzuraten sei grundsätzlich von Einmonatspraktika, weil sie weder den Praktikanten noch den Unternehmen nützen. Besser wäre die Dauer von drei bis sechs Monaten. Auch Projekte von Universitäten und Unternehmen, bei denen sich das gemeinsame Arbeiten auf wenige Besprechungen reduziere, könnten kaum Einblick in das echte Arbeitsleben geben.

Eigenverantwortung. Es gehe schon während des Studiums darum, an die eigene Karriere zu denken und sich auf rasch verändernde Formen der Zusammenarbeit einzustellen, agil und flexibel zu sein.

Interdisziplinär. Noch bedeutender werde der interdisziplinäre Austausch: Ein exzellentes Beispiel sei die Kombination aus Informatik und Naturwissenschaften. Wer darüber hinaus mit Big Data etwas anfangen könne, dem stünden viele Wege offen.

Soziale Kompetenz. Pharmazeuten, die nach einiger Zeit in der Apotheke in die Pharma-Industrie wechseln möchten, werden mit offenen Armen empfangen, da sie in der Apotheke den Kundenkontakt gelernt haben und hohe soziale Kompetenz mitbringen.

Leidenschaft. Doch die fundierte wissenschaftliche Ausbildung, die in Österreich durchaus vermittelt werde, reiche nicht. Wichtig seien Persönlichkeit, Zielstrebigkeit und Leidenschaft für das, was man tut. Dahinter steckt die Empfehlung an Studierende und Absolventen, frühzeitig in sich hineinzuhören und zu fragen: Was mache ich gern? Wo liegen meine Begabungen? Wo möchte ich hin? Um Energie dort zu investieren, wo die eigenen Stärken liegen. Auch wenn das Schulsystem in die andere Richtung konditioniere: Denn man hört selten, was man gut gemacht hat. Man sieht nur rot angezeichnet, was schlecht gelaufen ist.

Das Round-Table-Gespräch fand im Rahmen der Initiative „Naturtalente” der Karriereplattform Uniport statt. Dieses Programm, das „Die Presse“ als Medienpartner begleitet, fördert den Austausch von exzellenten Studierenden aus dem Bereich der Naturwissenschaften und Informatik der Universität Wien mit potenziellen Arbeitgebern aus Industrie und Wirtschaft.

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