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Wo geht es beruflich und jobmäßig lang? Bei aller Autonomie – Familie und Freunde reden immer mit.
Wo geht es beruflich und jobmäßig lang? Bei aller Autonomie – Familie und Freunde reden immer mit. / Bild: Rocketdrive/Marin Goleminov 

Berufs- und Jobwahl sind Teamsport

03.03.2017 | 12:22 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Karriere. Die Meinung von Familie und Freunden hat großen Einfluss darauf, welche Berufe wir ergreifen und welche Jobangebote wir annehmen. Das dürfen auch Unternehmen bedenken.

Stimmt schon: Zum Bewerbungsgespräch kommen die Kandidaten meist allein. Immerhin müssen sie später ja auch eigenständig arbeiten – auch wenn sie in ein Team eingebettet sind.
Die Entscheidung für einen Beruf und speziell für ein Jobangebot aber ist „Teamsport“, wie es Paul Eiselsberg vom Meinungsforschungsinstitut Imas beschreibt. Diese Entscheidung sei hochemotional.

Geht es um die Berufsentscheidung, sagen 69 Prozent der Befragten über 16-Jährigen, die direkt oder indirekt geäußerte Meinung ihrer Familie habe massiven Einfluss gehabt. 55 Prozent sagen, auch die Meinung der Freunde sei ausschlaggebend gewesen. Weniger Gewicht haben professionelle Berufsberater (42) und Lehrer (35 Prozent). Interessanterweise ist diese Gewichtung bei Lehrlingen, Maturanten und Studenten annähernd gleich.

„Das Wichtigste im Leben ist die Wahl des Berufes“, soll der französische Physiker und Philosoph Blaise Pascal gesagt haben. Nachsatz: „Der Zufall entscheidet darüber.“ Sofern man es als Zufall sieht, in welches soziale Umfeld man hineingeboren ist, stimmt das.

Auf die Peergroup ist Verlass

Was für die Berufswahl gilt, trifft auch auf die Jobwahl zu. Vor allem fünf Eigenschaften sollte der ideale Arbeitgeber erfüllen: Er sollte einen sicheren Arbeitsplatz, ein gutes Betriebsklima, verantwortungsvollen und ehrlichen Umgang mit den Mitarbeitern, gute Gehälter und eine gute wirtschaftliche Position bieten. Lehrlinge legen zudem auf gute Bezahlung, abwechslungsreiche Arbeit und Aufstiegschancen besonderen Wert. Maturanten sind berufliche Weiterbildung sowie systematisches Karrieremanagement überdurchschnittlich wichtig.

Bei der Entscheidung, welcher Arbeitgeber diese Anforderungen konkret am besten erfüllen kann, haben die Peergroups entscheidenden Einfluss: Freunde empfehlen Arbeitgeber oder raten ab. Auch die Informationen aus den sozialen Netzwerken haben hohe Relevanz. Bewertungsplattformen wie beispielsweise kununu.at – und damit den Einträgen ihrer Peers – trauten Arbeitssuchende deutlich mehr als den Texten auf den Internetseiten der Unternehmen, sagt Jürgen Pfeiler, Leiter Personal und Sparkassen Versicherung und Employer-Branding-Experte.

Für die Unternehmen heiße das, die Jobsuchenden auch über diese (Um-)Wege zu erreichen. Fast noch wichtiger: jene Werte auch zu leben, von denen man im Netz oder auf Hochglanzbroschüren erzählt. Wenn sie sich als Worthülsen entpuppten, werde das früher oder später thematisiert und schade der Arbeitgebermarke, sagt Pfeiler. Im schlimmsten Fall könne das zu einem Shitstorm führen. Das heiße, dass Unternehmen sowohl ihre Vorzüge als auch ihre Ecken und Kanten kommunizieren sollen. Und noch wichtiger: Diese Eigen- und Besonderheiten auch umzusetzen.
Da Berufs- und Jobwahl Teamsport sind, liegt es an den Unternehmen und Branchen, noch stärker über Berufe und Jobchancen aufzuklären. Und zwar nicht nur die Kandidaten selbst, sondern auch den (Groß-)Eltern neue bzw. andere Berufsbilder näherzubringen. Denn sie empfehlen vor allem das, was sie aus eigenem Erleben kennen. Das gilt speziell für Lehrberufe.

Talente entdecken

Eine Vorreiterrolle hat das Talentcenter (www.talentcenter.at) in der Steiermark übernommen: 13- bis 15-Jährige haben dort die Möglichkeit, ihre Neigungen, Talente und Potenziale auszutesten. Demnächst soll es auch Maturanten und Berufseinsteiger angeboten werden. 5000 Jugendliche will man damit mittelfristig pro Jahr erreichen, die im Anschluss an die dreistündige Testung einen individuellen Talentreport erhalten.

Tipp: Noch bis Sonntag findet in der Wiener Stadthalle die Berufs- und Studienmesse BeSt statt, bei der auch „Die Presse“ mit einem Stand und in Workshops vertreten ist.

1 Kommentare
Lenoo
05.04.2017 09:14
0 0

Sportlich

Ich frage mich manchmal auch, ob die Leute auch über ihre Heimatstadt bzw. über den Ort, in denen sie aufgewachsen sind, nach neuen Jobmöglichkeiten Ausschau halten. Ein paar Freunde pendeln mit dem Zug ständig von Augsburg nach München und zurück und verlieren dabei knapp 2-3 Stunden am Tag. Aber bei der Jobsuche sollte man ruhig in andere Regionen schauen, wenn in der eigenen Stadt keine entsprechenden Angebote vorhanden sind. Das Frankenland ist beispielsweise nicht nur für sein Bier bekannt, sondern bietet hier unter https://www.fraenkischer-jobanzeiger.de/ auch sehr viele attraktive Jobs. Dort wollte ich einst mal hinziehen, weil die Ruhe auf dem Land einfach angenehmer ist.
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