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Bild: Pixabay 

Sparsamkeit als Managementfehler

02.03.2017 | 07:00 |  Michael Hirt (DiePresse.com)

Kolumne "Hirt on Management". Folge 41. Ein Bisschen was geht immer.

In unserer Rubrik "Hirt on Management" beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker, alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage:

Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem Sparsamkeit sehr wichtig genommen wird. Obwohl es uns wirtschaftlich sehr gut geht, kontrolliert unser CEO und Hauptgesellschafter täglich persönlich über das ERP, auch kleinere Ausgaben und spricht Mitarbeiter auf ihm unnötig erscheinende Ausgaben an. Was halten Sie davon?

Michael Hirt antwortet:

Wenn dem CEO das Unternehmen gehört, dann ist es natürlich sein gutes Recht, darauf zu achten, dass mit seinem Geld sorgfältig umgegangen wird.

Andererseits muss man aber auch die Frage stellen, ob er hier wirklich seine Zeit optimal einsetzt. Nehmen wir mal an, dass diese detailversessene Ausgabenkontrolle, 10 Minuten pro Tag seiner Zeit kostet, das ist aufs Jahr betrachtet eine ganze Arbeitswoche, die er stattdessen mit wichtigen Kunden, strategischen Projekten oder seiner Familie verbringen könnte.

Außerdem ist dieser übertriebene Kostenfokus für viele Mitarbeiter demotivierend und richtet auch die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf Sparsamkeit, anstatt auf das Eingehen intelligenter Risiken zur Ergreifung von Chancen.

Der Volksmund sagt "Zeit ist Geld", das ist aber falsch. Zeit ist unendlich wertvoller als Geld. ich kann dieses Jahr ein schlechtes Geschäftsjahr haben und nächstes Jahr dafür doppelt so viel verdienen. Aber wenn ich 1 Minute verschwende, kann ich diese nie wieder aufholen.

Im Geschäftsleben ist Geschwindigkeit wichtiger als Geld. Wenn ich z.B. ein Ziel in zwei Monaten, statt in sechs Monaten erreiche, dann kann mir das, trotz der möglicherweise höheren Kosten, einen entscheidenden Vorteil gegenüber meinem Wettbewerb bringen und letztendlich sogar dazu führen, dass ich einen Wettbewerber komplett aus der Bahn werfe.

Wer hier aus falsch verstandener Sparsamkeit oder um noch ein paar Euro heraus zu verhandeln, eine wichtige Entscheidung verzögert oder nicht durchführt, begeht einen schweren Managementfehler. Er ist "penny wise, but pound foolish", hat sich also ein paar Pennies gespart, dafür aber viele Pounds in den Sand gesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

Jeder Unternehmer weiß, dass man sich nicht erfolgreich sparen kann, sondern in Erfolg investieren muss, das Erfolg das Ergebnis von intelligenten Investitionen in Hardware und Software, aber vor allem in Brainware, also in die eigene Kompetenz und die Kompetenz der Mitarbeiter ist.

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

 

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 16. März 2017 zur Frage: Paranoia als Managementkompetenz

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

 

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

 

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