Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
Thomas Hoffmann im Hochsicherheitstrakt des Unternehmens, dem SOC (Security Operation Center).
Thomas Hoffmann im Hochsicherheitstrakt des Unternehmens, dem SOC (Security Operation Center). / Bild: (c) Stanislav Jenis 

Anti-Terror-Einheit des Internets

26.02.2017 | 08:00 |  Elisabeth Stuppnig (Die Presse)

Porträt. Die Mitarbeiter von Thomas Hoffmann versuchen, Hackern das Handwerk zu legen: Im Hochsicherheitstrakt von RadarServices in Wien werden Cyberattacken abgewehrt.

Dicke Mauern, Sicherheitstüren und Videoüberwachung. Im Inneren Monitore über Monitore, IT-Experten, die konzentriert ihre Bildschirme im Blick haben. Und das – wenn vom Kunden gewünscht – auch im 24/7-Schichtdienst.

Thomas Hoffmann, einer der beiden Geschäftsführer und Gründer von RadarServices, steht im SOC, dem Security Operation Center, das das Herz des Wiener Cyber-Security-Unternehmens bildet. Hier werden hochsensible Daten internationaler und nationaler Unternehmen überwacht und Angriffe abgewehrt.

Dass er einmal ein IT-Unternehmen führen würde, daran hatte der WU-Absolvent zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn nicht gedacht: „Weder habe ich Technik studiert, noch konnte ich programmieren.“ Geträumt hatte der 51-jährige Thomas Hoffmann hingegen seit seiner Kindheit in der Obersteiermark davon, die Welt zu bereisen. Am liebsten als Diplomat.

Der Zufall wollte, dass ihm ein Bekannter einen Job in der Softwarefirma CMS anbot. Er übernahm bald die Geschäftsführung und gründete parallel dazu den Internetserviceprovider Eunet. Als Gesellschafter verkaufte er mit 27 Jahren Webspaces und Mail-Adressen. Denn eines konnte er: leidenschaftlich reden – und damit Kunden begeistern. Und er reiste: nach Asien und Amerika, um dort die Märkte zu erkunden. Denn, sagt er, „ein IT-Unternehmen muss global agieren. Du musst die Grenzen im Kopf wegschaufeln und den weltweiten Markt angehen.“

Nachdem er CMS und Eunet verkauft hatte und beim Softwareriesen IBM weitere Management- und Verkaufserfahrung gesammelt hatte, tat er den nächsten Schritt: Er gründete im Jahr 2011 mit Harald Reisinger und zwei weiteren Partnern RadarServices.

Mittlerweile ist das Sicherheitsunternehmen mit Servicestellen in Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Emiraten vertreten. Kunden sind meist global aufgestellte Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern, deren Schutzbedarf hoch und deren Daten für Hacker interessant und wertvoll seien.

Streng vertraulich

Wer die Kunden von RadarServices sind, bleibt geheim. Verraten könne Hoffmann nur, dass beispielsweise Red Bull einer davon sei.
Geheimhaltung gehört zum Geschäft. Denn niemand könne sich darauf verlassen, was mit seinen Daten passiere, ist Hoffmann wichtig zu betonen. Das sei der Grund, weshalb der dreifache Vater Facebook nicht nutze: Um zu verhindern, dass US-amerikanische Behörden ohne richterliche Anordnung Zugriff auf seine Daten hätten.

RadarServices sei das einzige Unternehmen in Europa, das IT Security Monitoring und Risk Detection anbiete, sagt er. Also aus Milliarden Datensätzen jene herausziehe, die Schaden verursachen können, Schwachstellen aufdecke und beurteile, was welches Risiko bedeute und was nicht.

Zuständig sind dafür IT-Spezialisten aus 14 Ländern. Darunter Mitarbeiter aus Afghanistan, Italien und Deutschland. Im Unternehmen arbeiten auch Österreicher und ein russischer Lichtwellentechniker. Wer hier an Computernerds denkt, die an ihren Bildschirmen kleben, irrt nicht ganz. „Aschenbecher-Schlümpfe“ gebe es genug in der Branche, witzelt Hoffmann. Allerdings sind diese weniger geworden. Schließlich sei es mittlerweile cool, in der IT zu arbeiten. Er selbst hätte im Unternehmen einige „Superbrains“, die in ihrer eigenen Welt leben. Wichtig ist ihm, „jeden so zu lassen, wie er ist. Und sei er noch so schrullig.“

Drei wichtige Merkmale

Weisheit, Gelassenheit und Humor. Diese drei Merkmale würden ihn selbst kennzeichnen, sagt Hoffmann. Im Gegensatz zum SOC gilt in den Büros die Open-door-Politik, das Du-Wort gilt überall.

Wichtig ist ihm, dass die IT-Profis eigenverantwortlich arbeiten. Das heiße aber nicht, dass hier das „One Man Show“-Prinzip gelte. Im Gegenteil: Teambuilding ist ihm ein Anliegen. Nicht zufällig gibt es eine „Recreational Area“ mit Kochgelegenheit und regelmäßig angesetztem „Quartalsbier“. Denn das habe der jüngste Spross aus einer Familie mit sechs Kindern gelernt: „Nichts schaffst du ohne dein Team.“

 

Zur Person

Thomas Hoffmann (51) ist Geschäftsführer Sales & Marketing und Gründer von RadarServices. Er gründete zudem Euenet Österreich und Eunet International und war Vorstand der CSM Security Management. Als Berater stieg er bei SurfControl ein und übernahm die Position des Geschäftsführers Central Europe. Zuletzt war er Sales Leader Austria für Security Services und Software Support bei IBM Österreich. Hoffmann studierte Internationale BWL an der WU Wien und in Montreal.

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com