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Bild: Rocketdrive/Marin Goleminov 

Mit wenigen Klicks zum neuen Job

28.02.2017 | 07:00 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Karriereseiten. Viele Unternehmen schreiben auf ihrer eigenen Website offene Stellen aus. Doch ein bloßes „Wir stellen ein“ reicht heute nicht mehr aus.

Einen Job anzunehmen ist wie ein Auto zu kaufen – keine Angelegenheit für die Ewigkeit. Und doch eine Entscheidung, bei der es um viel geht: um eine Investition in die eigene Zukunft. Dieses Bild zeichnet Steffen Braun, Gründer und Geschäftsführer des Software-Anbieters Talention. Daher wollen die Jobsucher eines: möglichst viel Information übersichtlich und rasch greifbar auf der Website des betreffenden Unternehmens.
Viele Unternehmen haben das verstanden. Sie präsentieren im Netz nicht nur ihre Produkte und Dienstleistungen, sondern auch sich selbst und ihre Arbeitgebermarke. Doch schöne Bilder, bewegende Videos und ansprechende Texte allein genügen nicht, um an die besten Mitarbeiter zu gelangen.
Denn vielen Branchen erleben heute andere Rahmenbedingungen als zu der Zeit, in der die Websites konzeptioniert wurden. „Wir haben eine Entwicklung vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt“, sagt Braun. Das zeige sich im Fachkräftemangel und im Ringen um gute Lehrlinge – also in dem, was unter „War for Talents“ verstanden wird: Da reiche es eben nicht mehr, einen Job auszuschreiben, um dann sicher sein zu können, aus einer Unmenge an Bewerbungen auswählen zu können, sagt Braun.

Prozess muss benutzerfreundlich sein

Viele Karriereseiten der Unternehmenswebsites aber würden noch Prozesse aus der „alten“ Zeit verwenden. „Heute geht kein Kandidat mehr durch lange Fragebögen und ein Bewerbungsprozedere, bei dem er sich per Mail registrieren und ein Profil anlegen muss, um später ,aussagekräftige‘ Unterlagen an das Unternehmen zu schicken.“ Kurz: „Der Bewerbungsprozess muss benutzerfreundlich sein“, sagt Braun.
Entsprechend soll, sagt Andreas Augustin, Leiter der Entwicklung bei Styria Digital Services, die Seite Fakten liefern, soft und frisch wirken und Lust machen weiterzulesen. Wie das aussehen kann, erklärt er am Beispiel der Employer-Branding-Seite seines eigenen Unternehmens. Es müsse schnell klar werden: Wer sind wir? Also Zahlen zeigen, die eigene Relevanz darstellen. Was sind die Vorteile, hier zu arbeiten? Etwa die selbstbestimmte Arbeitsweise, die Räumlichkeiten, Leistungen neben dem Gehalt und alles, was die Employer Value Proposition ausmacht. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es? Was spielt sich zusätzlich zur Arbeit in dem Unternehmen ab? Denn die Unternehmenskultur ist zu einem wichtigen Entscheidungskriterium geworden.
Und ganz wichtig: Wer sind die Menschen im Unternehmen? Augustin empfiehlt, Bilder einzelner Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen zu zeigen und zu Wort kommen zu lassen. Auch Videos sind empfehlenswert – aber angesichts des höheren Aufwands kein Muss.
Das alles solle so einfach wie möglich dargestellt werden. Am besten in Form eines „Onepagers“ – einer Seite mit allen Informationen: strukturiert, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen. Alles auf einer Seite zu haben, erspare es den Usern, sich durch Menüs zu klicken und viele einzelne Seiten zu laden. Denn: Mittlerweile nutzen 65 Prozent der User die Seiten mobil.
Die Seiten sollten daher auf allen Endgeräten empfangbar sein. Doch vor allem kleinere und mittlere Unternehmen hätten oft nicht die Ressourcen, um sich eine entsprechende Homepage leisten zu können, sagt Markus Zink, Head of Jobs and HR bei der Internetplattform willhaben.at. Diese KMU würden dann auf der Suche nach Toptalenten völlig chancenlos sein.

Wie sich die Unbekannten helfen

Zink rät Unternehmen daher auf Plattformen wie willhaben.at, kununu.at, karriere.at, xing.com oder ähnlichen Unternehmensprofile anzulegen. Davon profitieren vor allem Unternehmen, die man als Arbeitgeber nicht explizit suchen würde. Denn sie werden dadurch automatisch von den Suchmaschinen höher gereiht und liefern gut aufbereitete und vergleichbare Information. Letztlich möchte man auch über ein kleines Unternehmen, bei dem man gern arbeiten möchte, möglichst viel wissen.
Übrigens, noch ein kleiner Hinweis für Bewerber: Es klingt nach einer sprachlichen Spitzfindigkeit und deutet möglicherweise doch auf mehr: Ein Unternehmen, sagt Steffen Braun, das die einschlägige Rubrik „Jobs“ nennt, hat wahrscheinlich einen anderen Zugang zum Thema als ein Unternehmen, das die Rubrik „Karriere“ nennt.

Auf einen Blick

Karriereseiten auf den Unternehmenswebsites sind mittlerweile ein wichtiges Werkzeug, die Arbeitgebermarke zu präsentieren. Für Kandidaten sollte rasch erkennbar werden, was das Unternehmen bieten kann – ohne mit der Tür ins Haus zu fallen.
Der deutsche Software-Anbieter Talention hat einige Punkte zusammengefasst, die gute Karriereseiten auszeichnen:
► Die Seite zeigt, warum es besser ist, hier zu arbeiten als beim Konkurrenzunternehmen.
► Die eigenen Mitarbeiter können sich mit der eigenen Seite identifizieren – auch weil sie als Beispiel für erfolgreiche Mitarbeiter selbst abgebildet sind.
► Die Seite ist authentisch und modern gestaltet.
► Die Seite ist von allen (Mobil-)Endgeräten abrufbar und suchmaschinenoptimiert
► Der Bewerbungsprozess ist benutzerfreundlich und möglichst barrierefrei gestaltet.

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