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Bild: Pixabay 

Die Show ist vorbei

20.02.2017 | 15:30 |  Maria Pruckner (DiePresse.com)

Management im Kopf: Folge 39. Komplexität meistern. Über Hirngespinste, Eigenverantwortung, Eigendynamiken und das Ende selbstherrlicher Führungskräfte.

Eine Orientierungshilfe für gute Aussichten. In ihrer Kolumne „Management im Kopf“ führt Maria Pruckner in die System Sciences als wichtigste Leitwissenschaft für das Problemlösen und Managen im 21. Jahrhundert ein.

„Sieh dir an, wie diese Wand gemalt ist“, wies der hochbetagte Aufsichtsrat fasziniert auf eine weiße Wand, „sie wechselt die Farbe. Manchmal ist sie weiß, dann wird sie grau und dann geht es über in ein schwaches Ahorngelb. Und dort, an dieser Stelle, da treten Gesichter hervor. Das musst du dir ansehen. Je länger man hinsieht, umso mehr verschiedene Gesichter kommen hervor. Hochinteressante Gesichter! Sieh dir das an. Was für ein großartiger Maler, der diese Wand gemalt hat!“

Wer war dieser Maler?

Der alte Herr lag seit Tagen in einer Klinik, konnte sich nicht bewegen und dort nur diese weiße Wand sehen. Bis in seine Achtziger hatte er selbst hervorragend gemalt. Der Maler, den er so bewundert hat, das war sein eigenes Gehirn, das hochinteressante Gesichter an der Wand gesehen hat.

Gebeamte Wirklichkeit

Es ist mit der Wirklichkeit so: Wir machen sie mit dem Kopf. Und als hätten wir einen Beamer eingebaut, projizieren wir sie hinaus in die Welt. Die Welt außerhalb seiner Haut erscheint einem nur so, als hätte sie nichts mit einem selbst zu tun. Es hängt von einem selbst ab, wie man sie sieht und man ist selbst dafür verantwortlich.

Die Macht der Phantasie

„Na ja“, sagte ich zum meinem alten Herrn, „du bist ja selbst ein großartiger Maler…“ „Ja schon“, schwächte er ab, „aber dem, der diese Wand gemalt hat, dem kann ich nicht das Wasser reichen.“ Er war also davon überzeugt, dass ein anderer für die Gesichter verantwortlich war, die er an der Wand gesehen hat.

Innenwelten

Man kann über die Senilität alter Menschen lächeln, oder sich fürchten vor der Demenz. Man kann sich aber auch bewusst machen, dass das Innenleben eines Menschen von Geburt an massiv prägt, was er als äußeres Geschehen erlebt. Dann wird man die Quelle von Problemen zuerst bei sich selbst suchen und nicht bei anderen.

Dem Leben ins Auge schauen

Es ist nicht so, dass die Wirklichkeit ins Auge hineinkommt. Sie kommt viel eher aus ihm heraus, genauer aus dem Gehirn. Das verblüfft auch große Wissenschaftler. Doch allein schon Träume beweisen, dass wir keine Augen brauchen, um etwas zu sehen, und das ist nicht der einzige Beweis.

Angst vor der Realität

Natürlich kann man sich einbilden, dass für alles, was um einen herum vorgeht, nur seine Umgebung verantwortlich ist. Sich an ein überholtes Weltbild zu klammern, hilft, sich großartig vorzukommen. Dahinter steckt eine große Angst vor der Realität, die Menschen schlimm zurichten kann. Calm down, Mr. President…

Postheroisches Management

Superhelden, deren Glanz viel weniger von ihrer eigenen Intelligenz und viel mehr von ihren Statussymbolen ausgeht, sind ein antiquiertes Modell des vergangenen Jahrhunderts. Als eine der Konsequenzen aus den Systemwissenschaften ging 1994 mit Dirk Baecker das Postheroische Management hervor.

Die Schule der Bescheidenheit

Mit den Systemwissenschaften wurde hinreichend klar, dass kein einziger Erfolg kausal auf irgendeine einzelne Person, wenn auch Führungskraft zurückgeführt werden kann, sondern immer auf das Zusammenwirken von allen Personen und Faktoren eines ganzen Systems und seiner Eigendynamiken (=Selbstorganisation).

Die alte Mähr

Früher sprach man nicht von Eigendynamiken, sondern von Göttern, Geistern, Magie oder vom Schicksal. Heute weiß man es besser, bloß herumgesprochen hat es sich noch nicht weit genug. Wenn sich etwa Mitarbeiter ihre Prozesse selbst organisieren, hat das noch nichts mit Selbstorganisation im Sinne von Eigendynamiken zu tun.

Kommunikation geht von Natur aus schief

Apropos herumgesprochen: Ebenso wenig spricht sich herum, dass Kommunikation von Natur aus nicht funktioniert. Alles ist so gebaut, dass sie per se nicht klappen kann. Es sind eine Menge Hürden zu überwinden, damit die Verständigung gelingt. Dazu muss man die Hürden kennen und wissen, wie man sie nimmt.

Anforderungen an Führungskräfte

Führungskräfte, die die Gesetze der Eigendynamik von Systemen und die eigendynamische Funktionsweise der Kommunikation von Mensch und Maschine kennen und nutzen, können auch in einer hoch komplexen und dynamischen Welt nachhaltig erfolgreich führen. Andernfalls kann man nur mehr oder weniger Glück haben.

Die größte Hürde

Systeme sind zwar offen für den Austausch von Energie und Materie, aber verschlossen für den Austausch von Information. Transportieren kann man nur Signale, Daten, Zeichen. Aber die Erkenntnis, wie sie zu deuten sind und welche Bedeutung sie haben, was zu tun und zu lassen ist, die kann man weder versenden noch empfangen.

Hier ist der Beweis

আপনি বুঝতে পারেন কেন যোগাযোগের মজ্জাগতভাবে অ কর্মপরিবেশের যার অধীনে তারা সফল হতে পারে এবং কি প্রভাব নিজস্ব গতিবিদ্যা উপর রয়েছে, আমার বই সঙ্গে সেরা কাজ: ব্যবস্থাপনা জটিলতা - তথ্য.

Was bedeutet das?

Wenn Sie verstehen möchten, weshalb Kommunikation von Natur aus nicht gelingen kann, unter welchen Voraussetzungen dennoch erfolgreiche Verständigung möglich ist und welche Bedeutung das für Eigendynamiken hat, lesen Sie am besten mein Buch: Komplexität im Management – InFormation.

Sprache enthält keine Information

Den bengalischen Text oben hat mir Google als Übersetzung des Absatzes darunter ausgeworfen. So manchem meiner Leser kommen aber auch meine Aussagen hier auf Deutsch kaum anders vor als dieser Text. No na! Man muss mein Leben gelebt haben, um von jedem Wort wissen zu können, wie ich es meine. Oder mit mir reden.

Konflikte sind total Bio

Klappt die Kommunikation nicht, entstehen daraus allemal Konflikte. Es muss einem nur klar sein, dass sie von Natur aus in die Kommunikation einprogrammiert sind. Konflikte sind echte Bio-Produkte. Da ist nichts Künstliches dabei, auch nichts Fehlerhaftes. Sie sind natürlich und normal, und dazu da, sie zu lösen.

Es gibt nur einen Fehler

Es gibt in Sachen Kommunikation nur einen Fehler: Zu glauben, man höre, was ein anderer sagt und lese, was ein anderer schrieb. Alle, die Bengalisch beherrschen, mögen sich nun bitte ausgenommen wissen. Alle anderen frage ich: Weshalb konnten Sie den bengalischen Text oben nicht lesen? Nie Bengalisch gelernt, hm?

Kommunikation hat System

Gelungene Kommunikation basiert auf einem einfachen System. Das geht so: Kommunikation will nicht, dass wir einfach nur hören, sehen, fühlen, usw. Sie will, dass wir lernen, von der und über die Welt, von den anderen und über die anderen. Sie will nicht, dass wir der Welt und anderen so begegnen als würden wir sie schon kennen.

Hunger nach Erkenntnis

Das Gehirn hungert nach Lernen und Erkenntnis. Es versorgt uns mit Glückshormonen, wenn wir dazulernen. Es macht uns bedrückt und müde, wenn wir etwas nicht begreifen. Es sucht nach Unterschieden, mag das Monotone nicht, so wie das Gehirn meines alten Herrn die weiße Wand nicht mochte und deshalb Bilder erfand.

Die Show ist vorbei

Die Zeiten, in denen Erkenntnis wenig Wert hatte, ein bisschen Show und ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl reichten, um erfolgreich zu sein, sind endgültig vorbei. Ebenso die, in denen es eine Schande war, etwas nicht zu wissen. Peinlich, ja gefährlich ist heute nur noch, wer sich einbildet, auf alles die richtige Antwort zu haben.

Führen wird Lernen und Lehren sein

Erfolgreiche Führungskräfte der Zukunft werden Systemexperten sein. Sie werden täglich mehr lernen als mitteilen. Sie werden in Räumen mit Wänden voll von großen professionellen System-Modellen arbeiten, mit deren Hilfe sie mit ihren Mitarbeitern und Kunden die entscheidenden Zusammenhänge suchen und lösen.

Es wird viel leiser werden

Auch erfolgreiche Mitarbeiter der Zukunft werden täglich mehr lernen, und bei weitem nicht mehr so viele Botschaften versenden wie heute. Das Arbeiten wird viel leiser werden, weil sie viel genauer überlegen werden, wie man komplexe Verhältnisse klug meistern kann. Auch sie werden Lernende und Lehrende sein.

Wir werden viel mehr Zeit haben

Lernen wird als Hauptelement in jede Arbeit integriert sein, weil komplexe Systeme lernende Systeme sind und es nur darauf ankommt, was(!) in ihnen gelernt wird. Und wo zur richtigen Zeit das Passende gelernt wird, wird man viel mehr Zeit für das Schöne im Leben haben, weil man dann viel, viel weniger Probleme haben wird.

 

Maria Pruckner entwickelt seit 1992 verlässliche kybernetische System-Modelle und Denkwerkzeuge für den professionellen Umgang mit hoher Komplexität und Dynamik. Als Beraterin, Trainerin und Coach auf diesem Gebiet gehört sie weltweit zu den am längsten dienenden Problemlösern in der Praxis. Sie arbeitet stark vernetzt mit international führenden Experten aus Wissenschaft und Praxis. Im Rahmen ihres Unternehmens in Wien stattet und bildet sie Führungskräfte sowie interne und externe Experten aus, die in Unternehmen und Institutionen komplexe Situationen professionell meistern müssen.

Wie geht es Ihnen mit dem Meistern von Komplexität?
Schreiben Sie Ihre wichtigste Frage an Maria Pruckner.
Sie wird darauf eingehen.

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