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Alles neu in der frisch eröffneten Zentrale: Christian Prangl vor einem seiner kleineren Teleskopkräne.
Alles neu in der frisch eröffneten Zentrale: Christian Prangl vor einem seiner kleineren Teleskopkräne. / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Der Herr der großen Kräne

19.02.2017 | 08:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Porträt. In Christian Prangls Brust schlagen zwei Herzen. Das eine für das gleichnamige Familienunternehmen, das er 2014 nach dem Tod seines Vaters übernahm. Das andere für Hollywood.

Einmal zur Oscar-Verleihung! Schon als Kind träumte Christian Prangl (43) davon. Als junger WU-Student und Center-of-Excellence-Teilnehmer bewarb er sich für den einzigen verfügbaren Platz in einem Austauschprogramm mit Los Angeles. Er bekam ihn. Seine Eltern – Vater Josef hatte 1965 in Wien-Simmering den Prangl-Kranverleih gegründet – besuchten ihn in LA, man gönnte sich ein Dinner in Wolfgang Pucks Spago. „Mein Vater war sehr kommunikativ“, erinnert sich Prangl jun., „er bat so lange, mit Puck als Landsmann persönlich sprechen zu können, bis der tatsächlich aus der Küche kam. Dann fragte ihn mein Vater, ob er mich bei der Oscar-Gala hineinbringen könnte.“

Puck, wie jedes Jahr für das Catering der Gala zuständig, versprach es. Prangl jun. solle sich nur am nächsten Morgen mit Pucks Assistentin kurzschließen. Was er auch tat – täglich, wochenlang, in beharrlichen Besuchen und Telefonaten, bis er am Ende tatsächlich einen All-in-Pass für die Gala in Händen hielt. Prangl jun. verstand die Lektion: „Trau dich. Gib nicht auf. Bleib dran. Das habe ich von meinem Vater gelernt.“

Ganz so einfach war es dann doch nicht. Der hoffnungsfrohe Hollywood-Fan hatte nun zwar seinen Pass, stand am Gala-Abend aber nicht auf der Akkreditierungsliste. Die Securities verweigerten ihm den Zutritt. Gerade, als er frustriert wieder abziehen wollte, kam Puck vorbei und winkte ihn beiläufig durch. Zweite Lektion: „Du kannst noch so hartnäckig sein, du brauchst auch Glück.“

Generationenwechsel

Im Jahr 2000, nach dem WU-Abschluss (in seiner Diplomarbeit ging es um Spielfilmvermarktung), trat Prangl ins väterliche Unternehmen ein. Im Marketing: „Da fängt jeder an. Man lernt das Geschäft und kann nicht viel kaputt machen.“ Ein breiter Spagat, vom Hollywood-Traum (Prangl wirkte in einigen Produktionen auch als Statist mit) zur Kranvermietung. Er wischt das weg: „Es macht mich stolz und glücklich, das Lebenswerk meines Vaters fortzuführen und zu meinem zu machen.“

Mit dem Vater teilte er sich auch das Büro: „Da habe ich viel mitbekommen. Beruflich wie menschlich.“ Vater und Sohn waren sich einig: Ein Generationenwechsel aus dem Lehrbuch, mit präzisem Übergabedatum und hartem Schnitt, war nichts für sie: „Mein Vater kam aus einem kleinen Dorf in der Steiermark. Er war ursprünglich Lehrer und baute die Firma über Jahrzehnte auf. Da soll er doch nicht von einem Tag zum anderen das Gefühl haben, dass er nicht mehr erwünscht ist.“ Bis zu seinem Tod 2014, erzählt Prangl, war der Vater oft im Betrieb, sprach mit, entschied mit, „war dabei“. Er starb mit 87 Jahren.

Der Sohn nahm derweil operative und strategische Projekte in Angriff. Ein neues ERP-System musste her: „Ein Husarenritt. Wir sind nicht so groß, dass wir eine eigene Truppe abstellen konnten. Das musste neben dem Tagesgeschäft passieren.“

Dann wurde umstrukturiert. Für den Neo-Chef steht der Verkauf im Vordergrund. Anstelle von früher 16 Spartenleitern, deren mannigfaltige Aufgaben von einer Person kaum mehr zu bewältigen waren, vertreiben heute fünf Regionalvertriebs- und ein Transportleiter das Portfolio gemeinsam mit ihren Außendienst-Teams. Technik und Innendienst decken nun Fachexperten ab. Der Maschinenpark wurde zusammengefasst und wird heute vom jeweiligen Standort zum Einsatzort in ganz Europa dirigiert. „Die Geräte sind unser mobiles Vermögen“, sagt Prangl, „jetzt optimieren wir die Auslastung und wissen genau, welches Gerät sich wie rechnet.“ Auf seinen neuen 1000-Tonnen-Teleskopkran ist er besonders stolz: „Den gibt es nur viermal in Europa.“

Zurück nach Wien

Im Jänner übersiedelte die Firmenzentrale von Brunn am Gebirge nach Wien-Inzersdorf. Dafür wurden extra die Auf- und Abfahrten im Bereich der Laxenburger Straße für die überbreiten Schwertransporte angepasst. Von einer Fläche von 67.000 Quadratmetern ließ Prangl 51.000 Quadratmeter verbauen, mit Hallen, Büro- und Werkstattflächen. Genug Platz für eine künftige Expansion hat er noch. Wer Prangl kennt, weiß: Er wird ihn brauchen.

 

Auf einen Blick

Christian Prangl (43) ist Geschäftsführer des international tätigen Familienunternehmens Prangl, das auf Kranverleih, Schwertransporte, Arbeitsbühnen und Schwerlastverbringungen spezialisiert ist. Die Gesellschaft wurde 1965 von Vater Josef Prangl gegründet, der 2014 verstarb. Sie ist neben Österreich auch in Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Slowakei vertreten. 2016 erwirtschaftete Prangl mit 650 Mitarbeitern (500 davon in Österreich) einen Umsatz von 93,2 Millionen Euro.

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