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Bild: Pixabay 

Topmanagement mit Luft nach oben

10.02.2017 | 12:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Studie. Vorstand und Aufsichtsrat sind sich einig: Die Arbeit wird mehr. Beim Thema Digitalisierung klafft allerdings eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Sie brauchen mehr Spezialwissen. Müssen sich intensiver auf Sitzungen vorbereiten. Haben auch abseits davon mehr Aufwand zu stemmen. Müssen sich stärker mit dem Unternehmensumfeld beschäftigen.

In diesen Punkten ist sich der überwiegende Teil der für die Kienbaum „Corporate Governance 4.0“-Studie befragten 58 heimischen Vorstände und Aufsichtsräte einig. Mit überraschender Ehrlichkeit bekennen beide (!) Seiten, dass der eigene Aufsichtsrat effizienter arbeiten könnte: Würde er sich besser auf die Sitzungen vorbereiten, würde er nicht so groß und schwerfällig sein, würde er prozessorientierter denken und würde er mehr Unterstützung von Unternehmen bekommen.

Digital fit – theoretisch

Beide wissen, dass ihr Topthema die galoppierende Digitalisierung sein sollte. Die Vorstände sprechen davon, sich stärker auf die kreative Seite konzentrieren und Visionen erarbeiten zu wollen, die Aufsichtsräte sehen ihre wichtigste Aufgabe im Besetzen strategisch relevanter Positionen. Beide fühlen sich digital „vollumfänglich“ fit, privat wie beruflich sicher im Umgang mit modernen Technologien und bestens vernetzt. Das gilt für Aufsichtsräte noch stärker als für Vorstände. Nur drei Prozent geben zu, gegenüber Digitaltechnologien noch zu fremdeln.

Auch im Absichern dieser Kompetenzen sieht man kein Problem: Das erfolge durch Schulungen und indem man Digital Natives in die Gremien hineinwachsen lasse. Letzteres ist nur ein frommer Wunsch, den tatsächlich nur vier Prozent der österreichischen Befragten umgesetzt haben. In Deutschland, wo die Befragung parallel durchgeführt wurde, sind es elf Prozent.

Darf's ein bisserl mehr sein?

Und noch ein großes Aber: Ungeachtet der euphorischen Selbsteinschätzung ergab genaueres Nachfragen, dass sich beide Gremien tatsächlich nur „wenig“ mit digitalen Geschäftsmodellen oder IT-Infrastruktur befassen. In Deutschland wiederum steht das seit Langem auf der Agenda.

Beim letzten Thema, der Vergütung, gibt es ein Bekenntnis zu den erfolgsunabhängigen Komponenten. Bei den erfolgsabhängigen scheiden sich die Geister. Je nach Interessenslage will man die finanzielle Unternehmensentwicklung, strategische Aspekte, Frauenförderung bzw. das Schaffen familienfreundlicher Rahmenbedingungen honorieren.

Auf einen Blick

Vorstände und Aufsichtsräte stimmen in der Kienbaum-Studie „Corporate Governance 4.0“ darin überein, dass ihr Aufwand hinsichtlich des Erwerbs von Spezialwissen, Sitzungen und deren Vorbereitung sowie Beschäftigung mit dem Unternehmensumfeld steigt. Beide Seiten geben die Digitalisierung als ihr Topthema an und fühlen sich persönlich bestens dafür gerüstet. Auf Nachfrage beschäftigen sie sich allerdings tatsächlich nur „wenig“ damit.

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