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Schöner Schein, doch nichts dahinter: Nicht einmal in seinem Fachgebiet geht das Wissen eines Blenders in die Tiefe.
Schöner Schein, doch nichts dahinter: Nicht einmal in seinem Fachgebiet geht das Wissen eines Blenders in die Tiefe. / Bild: Pixabay 

Woran man einen Blender erkennt

13.02.2017 | 07:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Recruiting. Blender wären gern toll, verraten sich aber durch ihre Durchschnittlichkeit. Tief drinnen haben sie den täglichen Kampf, Schritt zu halten, schon lang aufgegeben.

Zufällig kannte er seine Gegenkandidatin: eine bildschöne junge Aufsteigerin, charmant und eloquent, aber leider nichts dahinter. Sie hatte noch keine ihrer Ideen auf den Boden gebracht. Er selbst war das Gegenteil: konsequent, ausdauernd und umsetzungsstark, genau was das Unternehmen brauchte. Doch er wusste, neben ihrer schillernden Attraktivität verblasste er. Wie sollte er beim Personalchef punkten, ohne schlecht über sie zu reden?
Es war ganz einfach. Als ihm der Personalchef die obligatorische Frage stellte, warum er sich denn für ihn entscheiden solle, antwortete er ganz ruhig: „Weil ich kein Blender bin.“ Der Personalchef, selbst im Zweifel über die schillernde Gegenkandidatin, verstand. Er gab ihm den Job.

Stillstand aus Überforderung

Fast bekommt man Mitleid, wenn man die deutsche Profilerin Suzanne Grieger-Langer nach ihrer Definition eines Blenders fragt. „Er ist aus der Zeit gefallen“, beschreibt sie, „er stagniert schon lang in seiner persönlichen Reife oder seinen fachlichen Fähigkeiten. Aber das kann er sich nicht eingestehen.“
Grieger-Langer zieht Vergleiche mit der Biologie. Im Krisenfall seien viele Organismen imstande, sich einzukapseln und so ganze Eiszeiten zu überstehen. Manche verlieren irgendwann die Lust, die ständigen Veränderungen von Mutter Natur mitzumachen. Sie bleiben einfach in ihrer Kapsel.
Genauso geht es unseren Blendern. Auch sie gestehen sich nicht ein, längst die Schotten dicht gemacht und sich nicht weiterentwickelt zu haben. Sie glauben tatsächlich, noch zu glänzen. Sie lügen, aber sie halten es für die Wahrheit. Das gewiefte Gegenüber durchschaut sie dennoch.

► Durchschnitt. Blender geben sich kosmopolitisch, sind aber zutiefst provinziell. Das zeigt sich in Sprache, Aussehen und Persönlichkeit. Und in ihren Trophäen: ein Selfie mit dem Bürgermeister, eine Kontaktliste voller Nichtentscheider – was ist das schon wert? Auch die Frage nach ihrem Vorbild entlarvt sie: „Blender haben Mainstream-Vorbilder“, sagt Grieger-Langer. Je weniger das Vorbild aus der Masse ragt, desto größer wirkt man selbst daneben.

Mitreden ohne Ahnung. Kaum ein Gebiet, bei dem ein Blender nicht ungefragt seinen Senf dazugibt. Doch selbst in seinem Fachgebiet reicht sein Wissen nicht in die Tiefe. Bohrt man nach, weicht er blitzschnell aus.

An ihren Taten sollt ihr sie messen. Ein Blender kombiniert Geltungsdrang mit Arbeitsscheu. Wenn er etwas beiträgt, tut er es für sich, nicht für das Team.

Veränderungsschwach. Veränderungen, die seinen Bezugsrahmen übersteigen, kann ein Blender nicht konservieren. Er beginnt täglich wieder bei Adam und Eva.

Sag mir, was ich tun soll. Zitat eines angehenden CEO in einem Bewerbungsgespräch: „Wenn Sie mir die Befugnisse nicht verschaffen, kann ich das nicht machen.“ Dass er nach Befugnissen oder gar nach Anleitung fragt, passt ins Psychogramm des anstrengungs- und konfliktscheuen Blenders. Natürlich streitet er auch nicht offen, sondern stichelt hinterrücks.

Entscheidungsangst. Muss ein Blender entscheiden, holt er unangemessen viele Meinungen ein. Er weiß von Anfang an, was schiefgehen wird und warum ein Kampf verloren ist – Ideen, auf die ein Performer niemals kommen würde. Der zieht mutig in die Schlacht.

Ich bin doch nicht schuld. Klappt dann tatsächlich etwas nicht, haben das jedenfalls andere verbockt, idealerweise jene, die der Blender zuvor um ihre Meinung gefragt hat. Wobei er den Ausgang der Sache immer schon ahnte, aber keine schlechte Stimmung machen wollte. Selbstreflexion ist seine Stärke nicht.

Im Recruiting wird mangels anderer Kandidaten trotz bestehender Zweifel oft der Blender eingestellt. Das rächt sich: Über kurz oder lang zieht er das Team und dessen Leistungsfähigkeit hinunter. Und weil die erste Liga nicht gern mit der zweiten spielt, wird sie als Erste gehen.

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