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Egal, wie gut das Buch ist: Erst die professionelle Vermarktung entscheidet darüber, ob es ein Erfolg wird.
Egal, wie gut das Buch ist: Erst die professionelle Vermarktung entscheidet darüber, ob es ein Erfolg wird. / Bild: Pixabay 

Was bringt es noch, ein Buch zu schreiben?

12.02.2017 | 09:00 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Nebenberufsautoren. Wöchentlich erscheinen neue Werke, in denen sich allerlei Experten ihre Weisheiten von der Seele schreiben. Die erfolgreichen Bücher sind nicht Selbstzweck, sondern Vehikel für andere, sorgfältig durchdachte Intentionen.

Es begann vor gut zehn Jahren. Plötzlich sah man in den Buchhandlungen überall Bücher, die von mehr oder weniger prominenten Managern oder anderen Experten verfasst worden waren, um sich auch literarisch zu verewigen. Ein wenig Eitelkeit mag dahinterstecken, doch oft ist das Motiv beinhartes Kalkül. So ein Buch kann immer noch ein großartiges Verkaufsvehikel sein, wenn es möglichst viele der folgenden Voraussetzungen erfüllt:

► Der Autor ist bekannt oder aktuell in den Medien.
► Er hat auf diesem Gebiet tatsächlich etwas zu sagen.
► Titel und Thema reißen vom Hocker, die vertretene These ist provokant und polarisiert.
► Der Autor ist ein Selbstvermarktungsgenie.

Fakt ist: Die zu erwartenden Einkünfte (die Tantiemen betragen im Schnitt zehn Prozent des Verkaufspreises) lohnen die Mühe kaum. Wohl aber die Umwegrentabilität. Wenn der Personalberater und Diepresse.com-Kolumnist Conrad Pramböck ein neues Buch schreibt, bewirbt er es höchstpersönlich mit Lesungen in Buchhandlungen, vor seinen Studenten an der Universität oder vor geladenen Gästen im Café. Das bringt ihm Einladungen zu (idealerweise bezahlten) Vorträgen, wo er wiederum potenzielle Kunden und Kandidaten kennenlernt, denen er sein Buch in die Hand drücken kann. Kleine Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft.

Oder Seniors4Success-Gründer Leopold Stieger: Im Handel gehen seine Bücher zum Thema Vorbereitung auf die Pension unter. Bietet er sie aber Personalchefs an, reißen die sie ihm aus der Hand. Damit haben sie ein nettes Abschiedsgeschenk für ihre Pensionäre und bestellen mit etwas Glück auch gleich ein vorbereitendes Seminar.

Manchmal sind tatsächlich idealistische Motive die Treiber. Ex-Herold Geschäftsführer Thomas Friess, beruflich in der digitalen Welt zu Hause, warnt vor ebendieser in einem (atypisch in Romanform verfassten) NSA-Krimi. Dort zeigt er die Folgen des sorglos-gutgläubigen Umgangs mit persönlichen Daten auf.

Gemeinsame Klammer dieser drei Beispiele: Das Buch ist nicht Selbstzweck, sondern Vehikel für eine andere, sorgfältig durchdachte Intention.

Eigen- oder Fremdverlag?

Erste Wahl ist immer ein wohlbeleumundeter Buchverlag, zu dessen Programm das geplante Werk passt. Die Vorabrecherche lohnt sich schon, um sich die Enttäuschung zu ersparen.

Auch das Prozedere erinnert an eine Blindbewerbung. Man sendet Lebenslauf, Konzept und Textprobe ein und hofft auf Wohlwollen und Gefallen. Was noch nicht viel heißt: Erst wenn das komplette Werk vorliegt, wird ein Vertrag geschlossen. Wem der Verlag mehr als 2000 Exemplare Startauflage zutraut, der gilt auf dem kleinen heimischen Markt schon als vielversprechend.

Entscheidend ist, so viel Marketing wie möglich auszuhandeln. Hier zeigt sich, wie sehr der Verlag an seinen Autor glaubt. Im Minimalfall preist er seine „Waschzettel“ – kleinformatige Flyer mit Cover und Basisinfos zum Buch – als Mittel der Wahl an. Damit ist nicht viel getan. Effektiver ist professionelle Öffentlichkeits- und Medienarbeit, dazu Buchpräsentationen und Lesungen, von denen Videos für YouTube mitgeschnitten werden. Natürlich wird das Werk nicht nur im Handel, sondern auch bei Amazon, Morawa und Co. gelistet und als eBook angeboten.

Beißt kein Verlag an, bleibt immer noch der Eigenverlag. Hier geht man online durch das Bestellmenü, wählt Layout, Format und Auflage aus und listet auch selbst bei Amazon. Weil einem die eigenen Grammatik- und Tippfehler nie auffallen, lohnen sich die Mehrkosten für ein Lektorat. So weit, so gut. Doch Eigenverlage haben einen gewichtigen Nachteil: Ist dieser Weg einmal beschritten, hat man bei klassischen Buchverlagen keine Chance mehr.

6 Kommentare
Schreibfluss
17.02.2017 11:42
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Eigenverlag ist schon lange nicht mehr eine unüberwindbare Hürde für einen Verlagsvertrag

Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu, aber nicht darin, dass der Eigenverlag zwangsläufig bedeutet, keine Chance mehr auf einen Verlagsvertrag zu haben. Aber ... die Qualität des Buches im Eigenverlag muss stimmen, so wie von Ihnen beschrieben die Rechtschreibung, aber auch der Inhalt.
Noch vor zehn Jahren während meines Studiums des Kreativen Schreibens stimmte es: Einmal Eigenverlag, immer Eigenverlag. Aber seither hat sich die Verlagswelt stark verändert. In meiner Schreibschule Schreibfluss (www.schreibfluss.com) kann ich seit einigen Jahren sehen, dass viele Wege zu einem veröffentlichten Roman führen - und zu einem Verlagsvertrag. Auch der Weg über den Eigenverlag. Ich selbst habe mein Buch zuerst online im Eigenverlag sehr erfolgreich herausgebracht, dann im Kleinstverlag und nun im letzten Jahr ist es bei Weltbild erschienen.
Ich möchte keine Missverständnisse aufkommen lassen: Ich reden nicht von einem einfachen Weg, Bestseller Autor zu werden. Im Gegenteil. Aber wer sich die Mühe macht, sein Handwerk lernt, ein spannendes, veröffentlichungsreifes Buch schreibt und dazu auch noch die Freude und Fähigkeiten für das Verlegen und das Marketing hat, der kann auch den Weg über den Eigenverlag in Betracht ziehen.
Viele Grüße,
Jurenka Jurk von Schreibfuss - der Romanschule, www.schreibfluss.com
Schreibfluss
17.02.2017 11:42
0 0

Eigenverlag ist schon lange nicht mehr eine unüberwindbare Hürde für einen Verlagsvertrag

Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu, aber nicht darin, dass der Eigenverlag zwangsläufig bedeutet, keine Chance mehr auf einen Verlagsvertrag zu haben. Aber ... die Qualität des Buches im Eigenverlag muss stimmen, so wie von Ihnen beschrieben die Rechtschreibung, aber auch der Inhalt.
Noch vor zehn Jahren während meines Studiums des Kreativen Schreibens stimmte es: Einmal Eigenverlag, immer Eigenverlag. Aber seither hat sich die Verlagswelt stark verändert. In meiner Schreibschule Schreibfluss (www.schreibfluss.com) kann ich seit einigen Jahren sehen, dass viele Wege zu einem veröffentlichten Roman führen - und zu einem Verlagsvertrag. Auch der Weg über den Eigenverlag. Ich selbst habe mein Buch zuerst online im Eigenverlag sehr erfolgreich herausgebracht, dann im Kleinstverlag und nun im letzten Jahr ist es bei Weltbild erschienen.
Ich möchte keine Missverständnisse aufkommen lassen: Ich reden nicht von einem einfachen Weg, Bestseller Autor zu werden. Im Gegenteil. Aber wer sich die Mühe macht, sein Handwerk lernt, ein spannendes, veröffentlichungsreifes Buch schreibt und dazu auch noch die Freude und Fähigkeiten für das Verlegen und das Marketing hat, der kann auch den Weg über den Eigenverlag in Betracht ziehen.
Viele Grüße,
Jurenka Jurk von Schreibfuss - der Romanschule, www.schreibfluss.com
Manfred Greisinger
15.02.2017 14:28
0 0

EROS des Buchschreibens - statt bloß EUROS in den Pupillen

Sehr geehrte Frau Red. Lehky,
spannende Story, die Sie veröffentlicht haben.
Also, wenn´s nach Effizienz-Faktoren geht, sind wir rasch fertig! - Wer die von Ihnen aufgelisteten Voraussetzungen nicht erfüllt, möge erst gar nicht mit dem Buchschreiben beginnen…
Okay. Und nun Durchatmen. Mit weniger Effizienzorientierung, aber umso mehr Herzblut. Im letzten Jahr durfte ich fast 20 Buchschreibbegeisterte am Weg zu ihrem 1. Buch begleiten. Und gemeinsam mit meiner Autoren-Kollegin Sabine Knoll habe ich mich dem Buch & der Schreibgruppe unter gleichnamigem Titel gewidmet „Buchschwanger – in 9 Monaten zum eigenen Buch!“ – Nach dem Premierenerfolg im Vorjahr läuft die heurige, wieder ausgebuchte Gruppe ab 19. Februar. Fixtermin für die Präsentation der entstehenden Bücher: 11. 11.
Ein Buch zu machen, ist mehr, weit mehr als auf einen möglichst großen Verkaufserfolg zu schielen. Ein Buchprojekt äußert sich zunächst als Sehnsucht, als „Herz-Flimmern“. Da will etwas in Ihnen formuliert und zum Ausdruck gebracht werden. Egal, ob wer in Ihrem Umfeld das gut findet oder nicht. Schreiben ist mein Leben & LebensINHALT geworden. In 25 Jahren sind in meiner Edition Stoareich www.stoareich.at bisher 23 eigene Bücher entstanden (aktuell: "WortSCHATZ") – ich liebe jedes einzelne – und das tun auch tausende Leser/-innen. Auch wenn´s niemals wen infolge von Provokationen & Polarisierungen „vom Hocker gerissen“ hat …
Gevater
15.02.2017 11:13
0 0

"Eigenverlage haben einen gewichtigen Nachteil: Ist dieser Weg einmal beschritten, hat man bei klassischen Buchverlagen keine Chance mehr"

Die Darstellung entspricht im Großen und Ganzen der Realität, wenn man es aus der Sicht der Verlage sieht. Für einen Verlag ist ein Buch naturgemäß ein wirtschaftliches Projekt, dass sich rechnen muss.
Aus der Sicht von Menschen, die für etwas brennen, schaut es anders aus. Die wollen etwas in die Welt setzen, weil sie davon überzeugt sind. Davon kann ein Verlag nicht leben. Drum gibt es die Möglichkeit der Veröffentlichung über Service-Verlage oder im Eigenverlag.
Wenn der Inhalt stimmt und die Sache wirtschaftlich vertretbar ist, wird kein klassischer Buchverlag eine Autorin/einen Autor, der schon auf diesem Weg publiziert haben, ablehnen. Siehe hier: <http://www.selfpublisherbibel.de/selfpublishing-bestseller-der-7-tag-wird-verfilmt/>.
Im Falle der Veröffentlichung im Serviceverlag übernimmt man als Autorin/Autor das finanzielle Risiko für Lektorat, Grafik und Illustration. Aus eigener Erfahrung <https://www.mymorawa.com/self-publishing/gestaltung/publizieren/?books/ID48432/Wie-aus-Arbeit-Freude-wird> weiss ich, dass Leserinnen und Leser keinen wirklichen Unterschied machen, wenn der Inhalt stimmt. Die Werbetrommel muss man, wenn man an Publikum kommen will, im Wesentlichen selbst machen. Ein allfälliger Unterschied zwischen klassischem Verlag und Serviceverlag ist marginal. Der große Vorteil im Service-Verlag: man ist schneller auf dem Markt. Die Produktionszyklen des Verlagswesens führen zu Verzögerungen. Von der notwendigen Zeit zur Verlagssuche ganz zu schweigen.
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