Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
 

Schöner streiten: Die eine Wahrheit gibt es nicht

27.02.2017 | 07:00 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Folge 5/9: Sind sie ein Wahrheitsdenker? Oder ein Landkartendenker?

Stellen Sie sich ein Meeting vor, in dem alle dieselbe Präsentation sehen. Dem einen ist sie zu unkreativ. Der andere kann sich nicht vorstellen, wie sich das umsetzen lässt. Der Dritte bemängelt den Stil der Präsentation: drei Gehirne, drei Deutungen.

Doch das ist den wenigsten bewusst. Jeder denkt, seine Wirklichkeit ist die einzig Wahre. Damit sind alle anderen automatisch falsch.

Aristoteles nannte das den Satz vom Widerspruch: Man will die vermeintlich falsche Aussage sofort bekämpfen („Sie müssen doch einsehen, …“). Das Gegenüber sieht das natürlich genauso („Jetzt bleiben Sie doch realistisch...“) – und schon sind wir mitten im schönsten Konflikt.

Es gibt zwei menschliche Grundtendenzen:

  • Wahrheitsdenker glauben, dass es eine objektive Wahrheit gibt.
  • Landkartendenker haben gelernt, dass jeder Mensch seine individuelle Wahrheit, seine Landkarte hat. Doch die Landkarte ist niemals die Landschaft, sondern nur eine mögliche Vorstellung davon.

 

Morgen in "Schöner streiten": Ich bin konsequent – du bist stur

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus dem Buch „Psychologisches Konfliktmanagement“ von Werner Schienle und Andreas Steinborn (Springer Verlag 2016).

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com