Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
 

Schöner streiten: Verwechseln Sie nicht die Landkarte mit der Landschaft

24.02.2017 | 13:29 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Folge 4/9: Über das irritierend unterschiedliche Paarungsverhalten von US-Soldaten und britischen Ladys.

Im Zweiten Weltkrieg waren in England viele amerikanische GIs stationiert. Natürlich wollten sie mit den jungen Engländerinnen anbandeln. Auch diese waren durchaus interessiert. Trotzdem gab es gravierende Missverständnisse. Beide (!) Seiten bezichtigten einander bald kompromittierender sexueller Direktheit. Den Grund beschreibt Kommunikationsguru Paul Watzlawick mit dem unterschiedlichen Werbungsverhalten dies- und jenseits des Atlantiks.

In den USA küsst man schnell, lässt sich dann aber viel Zeit bis zum ersten Sex. In Großbritannien wiederum dauert es lange bis zum ersten Kuss, aber dann geht es schnell zur Sache. So waren die britischen Ladys vom ersten, harmlos gemeinten Kuss der GIs völlig überrumpelt. Sie interpretierten ihn als dreist und viel zu früh vorgebrachten Wunsch, schleunigst ins Bett zu steigen.

Die Damen hatten nun zwei Möglichkeiten: entweder sich entrüstet und enttäuscht abzuwenden (was die GIs nicht nachvollziehen konnten) oder die vermeintliche Aufforderung zu akzeptieren und die armen GIs ins Bett zu zerren - was denen wiederum zu schnell ging.

Das Beispiel zeigt, dass es keine eine, unumstößliche Wahrheit gibt. Beide Seiten hatten innerhalb ihres kulturellen Kontextes recht.

Dabei ist die Kultur, in der wir sozialisiert wurden, nicht nicht unsere einzige Referenz. Jeder von uns bastelt ständig an seiner privaten Wirklichkeit. Die ist das Ergebnis angeborener Anlagen und erlebter Erfahrungen, aus denen sich schließlich Werte, Präferenzen und Haltungen entwickeln.

Fragen Sie einmal Ihre Freunde, nach welchen Kriterien sie beim Autokauf entscheiden. So viele Freunde Sie fragen, so viele unterschiedliche Antworten werden Sie bekommen. Dabei ist die einzig richtige Methode doch Ihre ;-)

 

Am Montag in "Schöner streiten": Die eine Wahrheit gibt es nicht

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus dem Buch „Psychologisches Konfliktmanagement“ von Werner Schienle und Andreas Steinborn (Springer Verlag 2016).

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com