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Jung, dynamisch, pessimistisch und verunsichert

01.02.2017 | 12:44 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Studie. Sie sind nach 1982 geboren, haben einen akademischen Abschluss und das Glück einer Vollzeitanstellung. Dennoch fühlen sich die Millennials bedroht, sehnen sich nach Sicherheit und Langfristigkeit.

Sie sind die Generation Hoffnung und stehen jetzt gerade in den Startlöchern ihrer Karriere. Oder besser: Dort sollten sie stehen. Denn von Mut und Zuversicht ist bei den unter 35-jährigen, akademisch Ausgebildeten, und den Segnungen einer Festanstellung Ausgestatteten kaum die Rede, wie die jüngste, inzwischen sechste Millennial Survey von Deloitte beweist.

8000 Befragte aus 30 Ländern zeichnen dasselbe Bild: Angst vor Krieg, Terror, wirtschaftlicher und politischer Instabilität macht pessimistisch und skeptisch, deutlich ausgeprägter als bei der gleichlautenden Umfrage im vergangenen Jahr.

► 56 Prozent rechnen mit Terrorismus, Krieg und politischen Spannungen.

► Nur ein Drittel glaubt an eine wirtschaftliche oder politische Verbesserung in ihrem Land.

► Ebenfalls nur ein Drittel der Befragten aus den entwickelten Ländern rechnet sich Chancen aus, eines Tages im Vergleich zu ihren Eltern besser dazustehen und „glücklicher“ zu sein.

Bitte eine Dauerstelle

Die eigenen Jobchancen sind dabei noch ein vergleichsweise positiv besetztes Feld. Hier haben die Millennials wenigstens das Gefühl, etwas bewirken zu können. Überall sonst empfinden sie sich als ohnmächtige Zuschauer.
Auch hier überwiegt der Wunsch nach mehr Sicherheit. Konkret nach einer „sicheren“ Anstellung, am liebsten fix und in Vollzeit. Das ist kein Widerspruch zur vielzitierten Forderung nach mehr Flexibilität: Wer die Millennials langfristig halten will, muss ihnen ausreichend persönliche Freiheiten zugestehen. Mit denen, die sie schon bisher bekommen, scheint das Gros der Befragten ohnehin zufrieden zu sein: 84 Prozent erkennen an, was ihnen ihr Arbeitgeber bietet.
Mehr Sicherheitsbedürfnis zeigt sich auch in sinkender Wechselwilligkeit. Wollten vergangenes Jahr noch 44 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre die Firma wechseln, sind es jetzt nur mehr 38 Prozent. Wollten zuletzt noch 27 Prozent länger als fünf Jahre im aktuellen Job bleiben, sind es jetzt 31 Prozent.

Angst vor der digitalen Welt

Obwohl die Befragten gut ausgebildet sind, sehen sie ihren Arbeitsmarktwert von Automatisierung bedroht. 44 Prozent befürchten ein Erodieren der Nachfrage nach ihren Fähigkeiten. Mehr als die Hälfte, 51 Prozent, stellen sich auf Umschulung ein. (2016 erwarteten das erst 40 Prozent.) 53 Prozent gehen davon aus, dass ihr Arbeitsplatz „steril, unpersönlich und unmenschlicher“ wird (2016: 37 Prozent).
Nur jene, die sich explizit fit für die Digitalisierung fühlen, sehen in ihr Möglichkeiten für „mehr wertbringende und kreative Tätigkeiten.“ Das Gros ist skeptisch.
Ungebrochen hoch ist das Bedürfnis der Millennials, sich sozial zu engagieren. Die Umfrage legt den Schluss nahe, dass jene, die sich im Job sozial engagieren können, das ihrem Arbeitgeber mit mehr Loyalität danken. Auch scheint es ihrem Seelenheil gutzutun. Diese Befragten sind generell optimistischer und positiver gegenüber der Wirtschaft eingestellt als sozial Gleichgültige.
Detail: Wer sein Engagement bei Protesten auslebt, fühlt sich „mächtig“. Tatsächlich mehr bewirkt allerdings, wer bei kleinen lokalen Initiativen mitarbeitet. 

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