Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
„Führung darf Eigeninitiativen nicht blockieren“, sagt Evva-Geschäftsleiterin Nicole Ehrlich-Adám.
„Führung darf Eigeninitiativen nicht blockieren“, sagt Evva-Geschäftsleiterin Nicole Ehrlich-Adám. / Bild: (c) Stanislav Jenis 

Dynamik verlangt Gedankenfreiheit

29.01.2017 | 13:00 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Porträt. Nicole Ehrlich-Adám leitet gemeinsam mit ihrem Ehemann den Zutritts- und Schließsystemhersteller Evva. Was ihr wichtig ist: Freiräume zu geben – aber auch Orientierung.

London, New York, Berlin, Wien und natürlich Paris. Durch diese fünf Städte führen die beiden fiktiven Protagonisten, Lilly und Max, in den „Globetrotter Kids“-Büchern Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Diese speziellen Reiseführer funktionierten „spielerisch, ohne etwas vorzugeben“, sagt Nicole Ehrlich-Adám in ihrer Rolle als Autorin: „Und sie geben Orientierung.“
Was das mit ihrer Rolle als Verantwortliche für Human Resources und Organisationsentwicklung beim auf Zutritts- und Schließsysteme spezialisierten Familienunternehmen Evva zu tun hat?
Mehr als es auf den ersten Blick scheint. Denn diese Gedankenfreiheit ist auch einer der Werte, die in ihrem Unternehmen großgeschrieben wird. „Wer dynamisch in die Zukunft gehen will, der muss begeistern, innovativ und kreativ sein“, sagt die 49-jährige Wienerin. Und das setze eben Mut und auch Gedankenfreiheit voraus.

Auch Profis brauchen Struktur

Gepaart ist die Gedankenfreiheit im Evva-Verständnis mit einem anderen Wert: der Professionalität. Das bedeutet Planung und Struktur. Denn, sagt die studierte Handelswissenschaftlerin, die Gedankenfreiheit brauche auch Grenzen, die Halt und Orientierung geben.
Auch die anderen beiden Werte, die am Sitz des Unternehmens in Wien-Meidling sowohl in den Produktions- als auch in den Büroräumen affichiert sind, sind als Paar zu lesen: Zum einen das Familienunternehmen, das für nachhaltigen, langfristigen wirtschaftlichen Erfolg steht, und zum anderen die Menschen, von denen Wertschätzung, Respekt, Fairness, Offenheit, ehrliche Kommunikation erwartet wird und die genau damit auch rechnen dürfen.
All das spiegle sich im Führungsmodell, das auf sachlicher Klarheit, Wissen und Vertrauen basiert und in dem jede Führungskraft geschult werde, und im entsprechenden Führungsverständnis wider. „Führung darf“, lautet Ehrlich-Adáms Credo, „Eigeninitiative nicht blockieren.“
Sie schreibt damit auch in gewisser Weise die Haltung der Familie und der Familientradition fort. Ihr Ehemann Stefan, mit dem sie gemeinsam die Geschäftsleitung bildet und der als Geschäftsführer firmiert, leitet das 1919 gegründete Familienunternehmen bereits in siebenter Generation.
Sie selbst ist 1987 bei Evva – das Akronym setzt sich aus Erfindungs-Versuchs-Verwertungs-Anstalt zusammen – eingestiegen. Zunächst war sie im Vertrieb tätig, später übernahm sie die Koordination zwischen der Zentrale in Wien und den mittlerweile zehn eigenen Niederlassungen im Ausland. Das sei eine herausfordernde Aufgabe, die unterschiedlichen Kulturen auf einen Nenner zu bringen.
Und wahrscheinlich auch eine gute Vorbereitung auf den jüngsten Job als Verantwortliche für Human Resources und Organisationsentwicklung für die rund 750 Mitarbeiter.
Auch die Themen Berufsausbildung und -orientierung sind ihr ein Anliegen. Ersteres, indem sie sechs Lehrlinge in den Bereichen Werkzeugbautechnik, Betriebselektrik, Mechatronik und Maschinenbau ausbildet. Mit dem Ziel, jedes Jahr zwei Lehrlinge aufzunehmen. Doch es sei gar nicht so einfach, die richtigen Kandidaten zu finden. Überhaupt – unabhängig von den Lehrlingen – habe sie den Eindruck, dass Bewerber aus den Nachbarländern motivierter und auch besser qualifiziert sind. Zweiteres, die Berufsorientierung, fördert sie indirekt durch ihre finanzielle Beteiligung an der Plattform watchado.com, die breitflächig Information zu Berufen und darüber hinaus auch Jobempfehlungen liefert.

Geht es auch ohne Führung?

Human Resources steht zwar auf Ehrlich-Adáms Visitenkarte. Mit dieser Begrifflichkeit aber hat sie keine rechte Freude: Menschen als Ressource zu sehen, mache sie nicht glücklich. Ebenso das Wort Mitarbeiter: „Es geht um Menschen“, sagt sie. „Und die verdienen immer, wertschätzend und fair behandelt zu werden.“ Ihre Suche nach neuen Bezeichnungen ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
Doch nicht nur diese Begrifflichkeiten beschäftigen sie. Wenn es um das Thema Führung geht, dann wälzt sie eine sehr grundsätzliche Frage: „Braucht es Führung überhaupt?“

 

Zur Person

Nicole Ehrlich-Adám (49) bildet gemeinsam mit ihrem Ehemann Stefan die Geschäftsleitung des auf Zutritts- und Schließsysteme spezialisierten Familienunternehmens. Von den insgesamt rund 750 Mitarbeitern sind 460 in Wien-Meidling beschäftigt. Ehrlich-Adám war ab 1987 zunächst im Vertrieb tätig, später für die Koordination zwischen der Zentrale in Wien und den ausländischen Niederlassungen verantwortlich, ehe sie die Personalagenden übernahm.

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com