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Die Werkvertragsfalle

25.01.2017 | 15:00 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Die Semesterferien nahen. Für alle, die jobben: Lasst euch nicht linken!

„Wir machen das ganz einfach“, klopft der Ladenbesitzer der Studentin auf die Schulter. Keine Anstellung, sondern ein formloser Werkvertrag, das spare ihm und ihr den lästigen Behördenkram. Sie bekomme ihre zehn Euro pro Stunde einfach bar auf die Hand. Gleich nächste Woche könne sie im Geschäft anfangen, ab jetzt jeden Freitag und Samstag.

Zehn Euro pro Stunde sind viel für eine Erstsemestrige. Sie schätzt sich glücklich, denn es war nicht leicht, einen Job zu finden, der sich mit ihren Vorlesungen vereinbaren lässt. So schlägt die junge Frau ein, nicht ahnend, dass sie über den Tisch gezogen wurde. Gleich in mehrerlei Hinsicht:

Vertragsfehler

Ein Werkvertrag verpflichtet zur Herstellung eines Werkes nach eigenem Plan, eigenem Risiko und eigenen Betriebsmitteln. Am Ende steht ein „angreifbarer“ Erfolg. Nichts davon trifft zu, wenn die Studentin zweimal die Woche in einem Geschäft weisungsgebunden fremde Ware verkauft. Das erfüllt die rechtlichen Voraussetzungen für ein Dienstverhältnis. Doch dafür müsste der Händler einen steuerlichen Arbeitgeberanteil zahlen. Er müsste sie zur Gebietskrankenkasse anmelden, sie kranken-, unfall-, pensions- und arbeitslosenversichern und ihr obendrein fünf Wochen bezahlten Urlaub jährlich geben, weiters 14 Monatsgehälter und (nach bestandener Probezeit) sechs Wochen Kündigungsfrist. Damit ist das Interesse des Händler klar: sich alle diese Mehrkosten zu sparen.

Selbstversicherung und -versteuerung

Die Studentin wiederum muss sich in der Variante Werkvertrag selbst versichern und ihre Einkünfte selbst versteuern. Übersteigen diese 425,70 Euro monatlich (aktuelle Geringfügigkeitsgrenze), verliert sie für diesen Monat die Familienbeihilfe. Die macht bei Über-19-Jährigen derzeit 162 Euro monatlich aus. Mehrere Monate zurückzahlen zu müssen kann böse ins Geld gehen!

Auch ein Problem: Fällt unserer Studentin in der Variante Werkvertrag eine Kiste auf den Fuß, ist sie nicht einmal unfallversichert.

Alternative

Als Alternative bietet sich ein Freier Dienstvertrag an, wo unsere Studentin ihre Arbeitskraft ohne feste Bindung zur Verfügung stellt. Hier ist sie wenigstens kranken-, unfall-, pensions- und arbeitslosenversichert. Sie hat aber keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und muss wie im Falle des Werkvertrags ihr Einkommen selbst versteuern. Immerhin sammelt sie damit sogar Pensionsmonate.

Fazit: Es lohnt sich, sofort hellhörig zu werden, wenn potenzielle Arbeitgeber einen Werkvertrag vorschlagen.

1 Kommentare
Stevo4992
27.01.2017 10:19
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Fehler, bitte korrigieren

Als Student, der neben dem Studium arbeitet, kenne ich mich mit den Regelungen zur Familienbeihilfe und zur Geringfügigkeit recht gut aus.

Was in dem Artikel auf jeden Fall nicht stimmt, ist, dass man die Familienbeihilfe verliert, wenn man über die Geringfügigkeitsgrenze verdient. Die Regelung ist so, dass man nach Abzug der Sozialversicherung bis 10 000 € IM JAHR dazuverdienen darf. Verdient man über diese Grenze, hat man lediglich zurückzuzahlen, was über der Grenze lag. Eine monatliche Abrechnung gibt es bei der Familienbeihilfe nicht.

Das Einzige, das passiert, wenn man über die Geringfügikeitsgrenze in einem Monat verdient, ist, dass man die Sozialversicherung zahlen muss ( ~14% des Bruttogehaltes).
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