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Wird auch in der Pension in der Wirtschaft verankert bleiben: Franz Brosch, Noch-Geschäftsführer von Wanzl Ungarn.
Wird auch in der Pension in der Wirtschaft verankert bleiben: Franz Brosch, Noch-Geschäftsführer von Wanzl Ungarn. / Bild: Akos Burg 

Keine Lust auf Taubenfüttern im Park

20.01.2017 | 15:07 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Porträt. Planlos in der Pension zu verschwinden garantiert rasches Abbauen. Es geht auch anders. Der geordnete Rückzug von Ex-Wanzl-Geschäftsführer Franz Brosch begann zehn Jahre davor.

Als junger TGM-Maturant hatte Franz Brosch (heute 64) ein Schlüsselerlebnis. Ein Kollege verweigerte bei seinem damaligen Arbeitgeber eine Weiterbildung mit den Worten: „Was soll ich noch lernen, ich bin doch schon 40.“ Das habe sich bei ihm eingeprägt, sagt Brosch: „Ich dachte mir, das ist ein armer Mensch. Genauso könnte er sich jetzt schon eingraben.“
Der junge Elektronikingenieur wusste: So werde ich das nicht machen. Ich will dazulernen, ein Leben lang. Brosch beobachtete und fand heraus: Wer mit 75 Jahren noch rege ist, ist gesünder, lebt länger und hat mehr davon. Sein Ziel: „Ich will erst mit 65 Jahren in Pension gehen. Ich bin richtig stolz, zu dieser seltenen Spezies in Österreich zu gehören.“
Das hinderte ihn nicht, seinen Rückzug wie jedes Langfristprojekt zu planen. 2007, zehn Jahre vor dem Tag X, begann er darüber nachzudenken. Damals war er unangefochtener Geschäftsführer von Wanzl Österreich, der Landesniederlassung des weltweit tätigen deutschen Familienunternehmens für Geschäftsausstattung und Ladenbau. Hinter Brosch lag ein stetiger Aufstieg vom Techniker zum Produktionsleiter und weiter zum mehrmaligen Geschäftsführer.
Bei Wanzl lief alles gut, es gab keinen äußeren Anlass: „Nur meine eigene Lebensplanung. Und das Interesse, dass das Unternehmen gesund weiterlaufen soll.“
Als Erstes brauchte er dazu einen verlässlichen Nachfolger. Brosch begann ihn zu suchen, ohne Not, weshalb er in Ruhe auf den Idealkandidaten warten konnte. 2011 fand er ihn in Bernd Sallmutter. Der fädelte sich über ein Testprojekt in die Firma ein. Der Geschäftsbereich für den individuellen Ladenbau war damals „ausbaufähig“. Er wurde vom Geschäftsbereich für Standard-Geschäftsausstattung separiert, dann wurde eine eigene Gesellschaft gegründet und dem Hoffnungsträger als Spielwiese überlassen. Brosch selbst wachte als Ko-Geschäftsführer darüber.
Der Plan funktionierte. So gut, dass der Ladenbau heute mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmacht. Brosch widmete sich derweil strategischen Projekten: dem Neubau der Vösendorfer Zentrale und dem Auslagern des Hotelbereichs, „der besser zu einer anderen Firma passt“.

„Look South“

2016, nachdem er beide Gesellschaften wieder vereint und formell übergeben hatte, schied er als Geschäftsführer von Wanzl Österreich aus. Um sofort von den deutschen Eigentümern den nächsten Auftrag zu bekommen: sich um die ungarische Tochtergesellschaft zu kümmern. Dort war der alte Geschäftsführer gegangen, ohne einen Nachfolger zu installieren.
Sprachprobleme? „Kein Thema. Ich gehe nach den Zahlen. Die sprechen in jeder Sprache zu mir.“ Sein Leben lang, erzählt er, folge er dem Grundsatz „Look South“: Am Ende zählt nur, was in der Bilanz ganz unten steht – das Ergebnis.
Wanzl Ungarn auf Schiene zu bringen betrachtet er als gemächlichen Halbtagsjob. Die zweite Wochenhälfte stellt Brosch die Weichen, um auch nach der offiziellen Pensionierung bei seinen zahllosen Kontakten nicht in Vergessenheit zu geraten. Oft beklagen in Ehren Verabschiedete, mit dem Wegfallen des Firmennamens auf der Visitenkarte blitzartig in Vergessenheit zu geraten. Brosch sorgt vor: Er wird in Organisationen wie der Deutschen Handelskammer oder dem Forum Einkauf, in denen er seit Jahrzehnten Mitglied ist, weiterhin aktiv sein.

Plane den (Un-)Ruhestand

Fest verankert bleibt er in der Wirtschaft auch durch sein Engagement als Aufsichtsrat, etwa beim Energieanbieter Open Energy. Dieser führte gerade eine Crowdfunding-Runde durch: „Acht bis zehn Jahre will ich das noch machen. Ich gehe doch nicht Taubenfüttern in den Park!“
Dem Beruflichen habe er damit genug Raum zugewiesen, findet er. Seine übrige Kapazität wird er ab Juni, wenn er offiziell in Pension geht, mit „aktiver Zukunftsplanung“ füllen, wie er es nennt: „Ich frage mich immer, was mir Spaß macht. Ich denke, man muss viele Hobbys pflegen: Ich habe meine Familie, Sport, Reisen, meine Teleskope, mein kleines Boot vor Kroatien. Jedes Hobby hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Fällt eines aus, werden es die anderen auffangen.“

 

Zur Person

Franz Brosch (64), früherer Geschäftsführer von Wanzl Österreich (von 1999 bis 2016), leitet heute die ungarische Tochtergesellschaft Wanzl Magyarorszàg. Daneben ist er im Aufsichtsrat des Energieanbieters Open Energy und etwa in der Deutschen Handelskammer und dem Forum Einkauf aktiv. Seine Laufbahn führte den Elektronikingenieur von Schrack über diverse Bereichsleitungen bei Kodak Wien in die Geschäftsführung von Ofotert Ungarn, Danka Österreich und Foto Corner.

 

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