Strolz' Motivationsschreiben im Headhunter-Check

10.01.2017 | 17:30 |  Michael Köttritsch (DiePresse.com)

Headhunter analysieren das Motivationsschreiben, mit dem sich Neos-Chef Matthias Strolz um eine Verlängerung seines Mandats als Parteivorsitzender bewirbt.

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Mit dem Motivationsschreiben ist es so eine Sache: Die Arbeitgeber wollen mehr über die potenziellen Mitarbeiter erfahren. Und die Bewerber haben ihre Mühe, nicht bloß Platitüden aneinanderzureihen.

Schon lange hat das Motivationsschreiben nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekommen wie heute. Die verdankt es Matthias Strolz, der sich so für eine Verlängerung seines Mandats als Neos-Chef beworben hat.

"Die Presse" hat Executive Searcher, Headhunter und Personalexperten gebeten, sich das Motivationsschreiben durch ihre Brille genauer anzusehen. (Strolz' Motivationsschreiben im Wortlaut, so wie es der Politiker auf seiner Facebook-Seite gepostet hat, finden Sie unten.)

Kurz, konkret, kreativ, überraschend, menschlich

"Interessant, dass auch Politiker beginnen, sich formal zu bewerben. Nicht ganz überraschend, dass es die Neos sind", sagt Günther Tengel, Geschäftsführender Gesellschafter von Amrop Jenewein. Und er weist auf den Zweck eines Motivationsschreibens hin: Es solle ein Ziel haben und einen Weg aufzeigen. "Kurz und konkret. Kreativ, überraschend und menschlich. Um sich zu unterscheiden und Neugierde zu erwecken." Und es solle erklären, warum gerade dieser Bewerber und nicht ein anderer zum Zug kommen soll.

In dieser Hinsicht, sagt Florens Eblinger, Geschäftsführer der Personalberatung Eblinger und Partner, punkte Strolz sympathisch: "Zunächst nimmt er die Verlängerung seiner Funktion nicht als selbstverständlich an – sondern bewirbt sich offenbar offiziell dafür." Darüber hinaus rücke er das gesamte Team stark in den Fokus und spreche alle relevanten Adressaten mit einem "wir" an.

Sehr gut! - Und doch fehlen einige Punkte

Geschickt bringe Strolz die wesentlichen politischen Begriffe ins Spiel und stelle die Erfolge der vergangenen Jahre dar. "Gesamtbeurteilung für eine politische Funktion: Sehr gut!", sagt Eblinger.

Was Eblinger in Strolz' Motivationsschreiben allerdings vermisst, sind die „ganz persönlichen Skills“. Etwa: „…ich bringe Engagement und Leidenschaft für unsere Themen und Zielorientierung auch für die nächsten Jahre mit. Ich sehe mich als starken Teamplayer, der dazu bereit ist, die nötige Verantwortung zu übernehmen……“ Daneben auch noch Werte und den Fokus auf Fairness, Europa, Transparenz, Wirtschaft und die Führung des Neos-Teams.

Ähnlich lautet auch Tengels Fazit: "Strolz’ Motivationsschreiben zeigt das Ziel und einen Weg auf, vermeidet aber allzu Konkretes. Da kommt halt wieder der Politiker durch…“

Einige inhaltliche Verbesserungsvorschläge liefert auch Gabriele Lehner, CEO von Lehner Executive Partners: Sie würde vor allem im ersten und dritten Absatz eine Konzentration auf die positiven Punkte vorschlagen. Denn: "Je mehr Positives in einem Motviatonsschreiben drinnen steht, desto positiver wird der Verfasser bewertet."

Im zweiten Absatz, sagt Lehner, könnte Strolz durchaus konkreter sein. Und zum Schluss, sagt sie, sollte Strolz  noch stärker herausarbeiten, warum er es sein sollte, mit dem an der Spitze es bei den Neos weitergehen sollte.

Strolz ein bisschen altmodisch?

Generell kritisch sieht Michael Schaumann, Managing Partner beim Executive Searcher Stanton Chase, das Motivationsschreiben. Sie seien bei Headhuntern bei der Suche nach Führungskräften sehr aus der Mode gekommen. "Ich muss zugeben, keine Motivationsschreiben zu lesen, genauso wenig wie Zeugnisse", sagt Schaumann. Das gelte aber nur für den Führungskräftebereich, bei Einsteigern sei das etwas anderes. "Wir Headhunter sind da ein schlechter Barometer, weil sich bei uns ja Kandidaten eigentlich nicht bewerben, sondern wir eben selber headhunten."

Was zähle sei der Lebenslauf ("da steht ja eh alles drinnen") und dann natürlich das persönliche Gespräch. Jeder Profi kann aus einem Curriculum Vitae (CV) beinahe alles herauslesen. "Warum sollte ein Bewerber, der blumiger oder pointierter schreibt, der bessere Kandidat sein?", fragt Schaumann. Außer es handle sich um eine journalistische Aufgabe...

Zudem verleitet das Motivationsschreiben zur übertriebenen Selbstdarstellung, zu Flosklen. "Und das ist leider auch Herrn Strolz passiert, wobei man gerade beim Motivationsschreiben nicht zu dick auftragen sollte", sagt Schaumann. Beim vorliegenden Motivationsschreiben falle zudem auf, dass nicht klar sei, wer sich hier nun bewerbe? "Neos, Herr Strolz oder ist Herr Strolz gleichzusetzen mit Neos?"

Alles nur kein Musterbeispiel

Für den Zweck der politischen Werbung reiche "dieses manchmal etwas flapsig formulierte Motivationsschreiben" vielleicht aus, aber zu einem Bewerbungsgespräch würde man damit bei uns nicht eingeladen werden. "Ein Motivationsschreiben mit „ich bewerbe mich“ zu beginnen und „vamos“ zu beenden ist nicht legitim - in diesem politischen Bewerbungsspaß natürlich ok."

Somit habe Strolz seine Sache "schon ganz ok" gemacht und "als Gag gut hingekriegt". Allerdings, sagt Schaumann: "Sein Schreiben wird aber bei Bewerbungstipp-Büchern nicht als Musterbeispiel angeführt werden."

Das Motivationsschreiben von Matthias Strolz im Wortlaut

Ich bewerbe mich.

Wir haben mit unserer #Bewegung beherzter Bürgerinnen und Bürger in den ersten vier Jahren viel erreicht. Wir haben beim Eintritt in den Nationalrat 2013 gleichsam „das Unmögliche“ möglich gemacht – durch unsere Entschlossenheit, unseren Einsatz, unsere sachliche Leidenschaft, unser Können und unsere Beharrlichkeit. Ein wichtiges Signal für #Aufbruch in unserem Land, das in seiner Entwicklung immer stärker von Stillstand, machtpolitischer Blockade und verkrusteten Strukturen gehemmt wird.

Wir haben in den folgenden drei Jahren wichtige Themen gesetzt und vorangetrieben – das Etablieren eines neuen #Stils (positiv, partizipativ, wertschätzend) und Erfolge für die Bürgerinnen und Bürger in harten, faktischen Themen: erste Beschränkungen bei #Luxuspensionen, mündige Schulen für mündige Menschen - #Schulautonomie als Kernthema der Bildungsreform, mehr #Unternehmergeist & Erleichterungen für #Startups, Untersuchungsausschuss als Minderheitenrecht & Hypo-Aufklärung …

#ÖsterreichGehtAnders: Österreich steht an einem Wendepunkt seiner Geschichte. Das rot-schwarze Machtkartell zerbricht. Die Bürgerinnen und Bürger haben es in der Hand. Zwei Veränderungsfelder machen sich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Einerseits eine neo-nationalistische Kraft, die auf Abschottung und autoritäres Politikverständnis setzt; andererseits ein Feld, das von NEOS mit angeführt Österreich als ein weltoffenes Land im Herzen Europas sieht, einer liberalen Grundhaltung verpflichtet und zu entschlossenen Reformen bereit, um unser Land enkelfit zu machen.

NEOS ist gereift und für den nächsten Schritt bereit. Für die wertebasierte #Erneuerung, die wir uns wünschen, brauchen wir einen noch größeren Hebel als bisher. Ich möchte NEOS gemeinsam mit den vielen mutigen Mitstreiter_innen in die nächste Bundesregierung führen. Ich bewerbe mich dafür um weitere drei Jahre als Vorsitzender dieser großartigen Bewegung engagierter Bürgerinnen und Bürger. Vamos!

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare
ornitho
11.01.2017 09:16
0 0

populistisch, nicht nur das Schreiben

Herr Strolz ist ein Populist, wie sich auch in seinem Schreiben zeigt. Er bringt Themen, aber keine Umsetzungs-Lösungen (wie soll finanziert werden etwa). Das können die Blauen auch sehr gut. Bringen tut es nichts, ebenso wenig wie "Verkrustungen" zu orten, ohne dazu zu sagen, wie diese aufzuweichen wären, und zwar praktisch, nicht theoretisch.
Herr Strolz ist m.E. der falsche Mann an der Spitze, wenn erreicht werden soll, dass Neos überlebt. Aber das Schreiben ist ohnehin unnötig - und gibt nur Einblicke in die Persönlichkeit von Herrn Strolz -, da es in der Partei keine Kandidaten für die Spitze gibt. Herr Strolz darf die Posltion also getrost weiterhin besetzen.
MA2412_Hannes
10.01.2017 21:37
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Werbegag für die NEOS

und die Presse spielt brav mit...
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