Helga Freund: "Strukturen laufend hinterfragen"

08.01.2017 | 14:52 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Porträt. Helga Freund ist Vorständin der Verkehrsbüro Group. Für den Konzern hat sie den Direktvertrieb maßgeblich aufgebaut. Und sie will, dass sich ihre Mitarbeiter „etwas trauen“.

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Helga Freund ist nicht unzufrieden: Gut fünf Prozent mehr Buchungen für diese Wintersaison in Österreich beobachtet sie im Vergleich zum Vorjahr. Auch die ablaufenden Weihnachtsferien seien gut gelaufen, sagt das Vorstandsmitglied der Verkehrsbüro Group. Und das, obwohl Österreich zuletzt ja nicht gerade in Schnee versunken sei. Auch wenn einwöchige Urlaube in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönigstag auf Kosten von zwei- oder dreitägigen an Bedeutung verlieren würden.
Einer von vielen Trends, die Freund beobachtet. Seit Oktober 2015 gehört die 55-Jährige dem Vorstand der Verkehrsbüro Group an und verantwortet die Bereiche Kongressorganisation, Leisure-Touristik und Geschäftsreisen und darüber hinaus auch die IT. Die immer flexibler werdenden Wünsche der Kunden sind auch ein Grund dafür, dass Freund die Strukturen des Unternehmens laufend hinterfragt, um sie entsprechend zu adaptieren.

Zwischen Kitzbühel und Wien

Sie habe die verschiedenen Produktentwicklungen gebündelt, sagt Freund, die zwischen Kitzbühel und Wien pendelt, und gleichzeitig den Einkauf aufgestockt: Der muss mitunter bereits eineinhalb Jahr im Voraus Kontingente für Reiseangebote sichern, manchmal bleiben ihm aber nur wenige Tage dafür.
Unter der Führung der gebürtigen Wildschönauerin wurden auch eine E-Commerce-Abteilung und eine Forschungskooperation mit Statistikern der TU Wien gestartet. Denn auch für Reiseanbieter geht es darum, möglichst viele Daten über (potenzielle) Kunden zu sammeln: „Damit wir Kunden noch besser ansprechen und ihnen die richtigen Produkte anbieten können.“
Und noch eine Einheit hat sie installiert: jene, die Preise vergleicht. Das ist wichtig, wenn sie etwa für Marken wie Hofer oder Tchibo Angebote schnürt. „Wenn wir nicht gewährleisten können, dass die Produkte tatsächlich zum besten Preis angeboten werden, würde das einen Imageschaden nach sich ziehen“, sagt Freund. Der Direktvertrieb liegt ihr am Herzen. Schließlich ist sie es, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Eurotours, das Unternehmen, dem sie nach wie vor als Geschäftsführerin vorsteht, zu einem der größten Direktreiseveranstalter in Mitteleuropa wurde. Auf diese Kompetenz greift seit wenigen Tagen auch die „Bild“-Zeitung mit ihren Reiseangeboten zurück.

Fehler dürfen passieren

Entsprechend will sie auch mit ihrem Führungsstil die Flexibilität der rund 3000 Mitarbeiter fördern. „Mir ist wichtig, dass alles offen angesprochen wird“, sagt Freund, die Erfolge genauso wie Fehler, die passieren und passieren dürfen. Ebenso wichtig ist ihr, dass Mitarbeiter selbstständig Entscheidungen treffen und „sich etwas trauen. Wenn man drei Jahre an einem Projekt tüfteln muss, dann wird das nichts“, sagt sie. So viel Zeit gebe der Markt nicht her. Und man müsse auch hellhörig genug sein zu erkennen, wenn ein Projekt in die falsche Richtung laufe. Oder wenn ein Projekt seiner Zeit voraus sei. So scheiterte die Idee, den Reisebüros Verkaufsberatung per Video zu ermöglichen, vor einiger Zeit an den technischen Möglichkeiten – heute sieht das ganz anders aus.
Freund selbst hat über die Jahre in verschiedenen Bereichen des Konzerns, und sich so an die Spitze gearbeitet. Die Politik, dass Führungskräfte aus den eigenen Reihen kommen, behält sie nicht nur aus diesem Grund bei. „Wir haben mit Quereinsteigern nur wenige gute Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Daher investiert die Verkehrsbüro Group in die Weiterbildung der Mitarbeiter: 700.000 Euro waren es allein im vergangenen Jahr. Das einerseits, um die Mitarbeiter auf dem Laufenden zu halten. Die Reisebüromitarbeiter etwa haben die Möglichkeit, ein Online-Microlearning-Angebot zu nutzen, um sich unter anderem für die Digitalisierung ihrer Tätigkeit vorzubereiten. Andererseits aber auch, um die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Denn gerade im Hotelsektor sei es nicht einfach, an gute Mitarbeiter zu kommen.

Zur Person

Helga Freund (55) gehört seit Oktober 2015 dem Vorstand der Verkehrsbüro Group in Österreich an. Sie verantwortet die Bereiche Kongressorganisation, Leisure-Touristik und Geschäftsreisen.
Daneben ist die gebürtige Wildschönauerin, die zwischen Kitzbühel und Wien pendelt, seit 2012 Geschäftsführerin der Verkehrsbüro-Tochtergesellschaft Eurotours, einer der größten Direktreiseveranstalter Mitteleuropas, der etwa die Produkte für Hofer Reisen schnürt.

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