„Auch Improvisieren muss man trainieren“

08.01.2017 | 14:42 |  Michael Köttritsch (Die Presse)

Training. Was können Führungskräfte von Stand-up-Comedians wie Dan Aykroyd, James und John Belushi oder Bill Murray lernen? Das Improvisieren. Das in Österreich neue Format „The Quest“ soll Kreativprozesse fördern.

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Es gibt einiges, was Führungskräfte von Künstlern lernen können. Zum Beispiel: Künstler können mit Leere und Ungewissheit gut umgehen. „Das ist das tägliche Geschäft in der kreativen Arbeit“, sagt Susanne Pöchacker, Diplomphysikerin, Trainerin, systemischer Coach, Moderatorin und einer breiten Öffentlichkeit seit elf Jahren als Mitglied des ORF-Rateteams bei Oliver Baiers „Was gibt es Neues?“ bekannt.
Künstlerisches Arbeiten sei das beste Training für Führungskräfte und Menschen in der Businesswelt – gerade in einer Zeit, die gern als „vuca“ – volatility, uncertainty, complexity, ambiguity – also als unberechenbar, ungewiss, komplex und ambivalent bezeichnet wird.

Lernen wie John Belushi oder Bill Murray

Deshalb bietet Pöchacker gemeinsam mit Jeanne Lambin im Jänner mit „The Quest“ erstmals in Österreich ein vom Improvisationstheater abgeleitetes Workshop-Format an. „The Quest“ hilft dabei, bewusste und unbewusste Muster zu erkennen, gibt einen neuen Blick auf die eigenen Arbeits- und Denkweisen und erweitert das individuelle Improvisationsrepertoire.
Der eintägige Workshop knüpft an die Improvisationsmethoden des US-amerikanischen Schauspielers Del P. Close an, des Erfinders der Stand-up-Comedy und Coach namhafter US-Schauspieler wie Dan Aykroyd, James und John Belushi oder Bill Murray. Im Mittelpunkt stehen die Konzentration auf die eigenen Wahrnehmungen sowie der Prozess als solches. „Der Prozess ist das Ergebnis“, sagt Pöchacker. Ebenso, sich auf lose Strukturen einzulassen.

Was wird aus „Wald“ und „rot“?

Ausgangspunkt für „The Quest“ sind für jeden Teilnehmer zwei Begriffe, die zufällig ausgewählt werden: etwa „Wald“ und „rot“. Sich drei, vier Stunden mit diesen Begriffen selbstständig und selbstverantwortlich zu beschäftigen und eine Geschichte dazu zu finden, mit anderen Worten, sich auf die Unwägbarkeiten beim Nutzen von Freiräumen einzulassen, trainiere die Improvisationsfähigkeit, sagt Pöchacker. Ebenso stärke diese intensive Auseinandersetzung die Innovationskraft und den Umgang mit dem „inneren Zensor“, der unsere Gedanken reguliert und kontrolliert: „Es braucht Mut, und man muss üben, üben, üben. Denn auch das Improvisieren muss man trainieren“, sagt Pöchacker. „Viele setzen Improvisation ja mit Schlamperei gleich.“ Doch um beispielsweise am Klavier zu improvisieren, müsse man auch erst einmal richtig Klavier spielen können.

Selbstversuch unumgänglich

Noch etwas: Für das Improvisieren, sagt Pöchacker, sei „der Kontakt zum Moment“ wichtig. Der gehe über die viele Planung, die Führungskräfte zu leisten hätten, oft verloren. Auch dieser Kontakt und die Fähigkeit, das für den Moment Notwendige zu tun, werden durch „The Quest“ wieder aufgefrischt. Der Nachteil: Wie das Selbstmanagement müsse man all das selbst erleben, man kann es nicht vom Zuhören oder durch das Lesen lernen.

Auf einen Blick

„The Quest“ – Business Edition für Führungskräfte, Personalentwickler, Berater, Trainer, Coaches (24. Jänner) und „The Quest“ – Creative Workers Edition für Künstler & Kreativ-Dienstleister (26. Jänner), jeweils von 9 bis 18 Uhr in Wien in englischer Sprache.
Infos: www.susannepoechacker.at

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