Gute Aussichten

02.01.2017 | 10:18 |  Maria Pruckner (DiePresse.com)

Management im Kopf: Folge 32. Komplexität meistern. Woher der große Aufschwung kommt.

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In unserer Kolumne „Management im Kopf“ stellt Maria Pruckner versierte Wissenschaftler und anerkannte Experten vor, die über wertvolle Erfahrungen und verlässliches Wissen für den professionellen Umgang mit komplexen Problemen und Systemen verfügen. Aktuell verfasst sie zu den bisherigen Beiträgen und Leserbriefen Follow-ups.

Ein neues Jahr hat begonnen, ein neues Jahr in der neuen Epoche. Der Übergang in die neue Ära brachte viele krisengeschüttelte Jahre mit sich, allgemeine Verunsicherung, Müdigkeit und Erschöpfung. Woher noch Kraft und Zuversicht nehmen? Hier die guten Aussichten.

Lange Konjunktur-Zyklen

Alles im Leben ist ein Sein, Werden und Vergehen. Auch die Wirtschaft verläuft in Zyklen, und nach bestimmten Mustern. Man kennt kürzere Zyklen von etwa drei, etwas längere von rund zehn und lange von zirka 40 bis 60 Jahren. Lange Wellen, sogenannte Kondratieff-Zyklen, entstehen jeweils durch bahnbrechende Erfindungen. Führen sie zu massiven Investitionen in innovative Produktionsformen und Produkte, die sich auf den Märkten durchsetzen, folgt ein Wirtschaftsaufschwung. Hat sich das Neue als Standard durchgesetzt, kommt es zu einem Abschwung. In dieser Zeit entstehen jedoch schon neue paradigmatische Erfindungen als Potenzial für einen neuen Aufschwung. Man findet sie bloß nur selten dort, wo man sie vermutet.

Mache aus Krisenjahren Innovationsjahre

Eine erste lange Welle seit der Industrialisierung zeigt sich mit der Dampfmaschine, eine zweite mit der Eisenbahn, eine dritte mit der Elektrotechnik und Chemie, eine vierte mit Automobilen und der Petrochemie und eine fünfte mit der Informations- und Kommunikationstechnik. Solche Epochen-Übergänge, sagte Joseph Schumpeter, gehen typischerweise mit kreativer Zerstörung einher, oft begleitet von schweren Wirtschaftskrisen. Die Chancen für einen Aufschwung werden dabei umso höher, je mehr bahnbrechende Innovationen während(!) einer Wirtschaftskrise entstehen und genutzt werden.

Veraltetes loslassen, um das Neue zu fassen

Spätestens das vergangene Jahrzehnt steht für einen turbulenten Epochen-Übergang. Wer von solchen Konjunkturzyklen weiß, wird nicht so leicht kopfscheu; er wird seine Antennen vielmehr nach wahrhaft Innovativem ausrichten. Hält man am Überholten krampfhaft fest, hat man für die aktuellen Chancen keine Hände frei. Man muss in jedem Sinn das Veraltete loslassen, um das Neue fassen zu können.

Woraus der nächste Aufschwung entsteht

Wird tatsächlich die Digitale Revolution die sechste Welle bestimmen? Die Digitalisierung, Robotik und Automatisierung haben ihrer Ursprung in der Kybernetik. Sie war die Basisinnovation der fünften langen Konjunkturwelle. Einer der prominentesten Forscher auf dem Gebiet der Kondratieff-Zyklen, Leo A. Nefiodow, antizipiert 1996 in seinem Buch „Der sechste Kondratieff“ seelische, geistige, körperliche, soziale, wirtschaftliche und ökologische Gesundheit als Treiber einer neuen Produktivitätssteigerung, einem nächsten Wirtschaftsaufschwung. Allerdings nur sofern die Vernunft siegt…

Wissenschaft als Wirtschaftsmotor

Seit dem dritten Kondratieff-Zyklus kommen die langen Konjunkturwellen aus dem praktischen Anwenden wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Informatik, Automatisierung und Robotik waren erste Anwendungen der Kybernetik in der Technik. Doch sie bezieht sich nicht nur auf die Technik, sondern noch viel mehr auf die Biologie und Ökologie, Menschen, Gruppen, ihre Organisationen, Gesellschaften und geistigen Regelwerke.

Systemwissenschaften für gesunde Systeme

Wie entsteht Leben, wie entwickelt es sich gesund? Treiber der wichtigsten Einsichten sind auch hier die Kybernetik und verwandten Systemwissenschaften. Sie dienen primär der geistigen Gesundheit, dem klaren Blick auf komplexe Verhältnisse und ihr smartes Design. Hoch wirksame systemwissenschaftlich basierte Psychotherapieformen unterstützen längst die psychosoziale Gesundheit. Für die körperliche Gesundheit ist die informationsbasierte Medizin mit all ihren Anwendungen in der Biotechnologie und Individualmedizin im Vormarsch, ebenfalls auf systemwissenschaftlicher Basis. Auch für die wirtschaftliche Gesundheit und gesunde Gesellschaften fehlt es an nichts mehr, außer am Interesse und am Mut zur Umgestaltung.

Die größten Produktivitätsreserven

Was bringt mehr Gesundheit der Wirtschaft und Gesellschaft? Die Folgen steigender Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit sind zunehmende Überforderung und Unordnung. Beides führt über die Grenzen gesundheitlicher Belastbarkeit. Nefiodow beziffert die daraus folgenden Verluste und Kosten mit 24 Milliarden US-Dollar pro Jahr, einem Drittel des Weltsozialprodukts. 15 Prozent weniger Krankheiten würden seinen Berechnungen nach genügend Produktivitätsreserven für eine neue lange Konjunkturwelle freisetzen.

Mehr Leistung, geringere Kosten

Jeder Erfolg hängt von der Qualität und vom Tempo der geistigen Informationsverarbeitung ab, und nicht, wie man bis etwa 1948 glaubte, vom Umgang mit Energie und Materie. Je schneller relevante Erkenntnisse gewonnen werden, umso höher die Erfolgschancen. Deshalb hängen Produktivitäts-, Wert- und Gewinnsteigerung unmittelbar mit der ganzheitlichen Gesundheit lernender und arbeitender Menschen zusammen. Durch gesundheitliche Mängel gehen die notwendige Lern-, Anpassungs-, Evolutions- und Innovationsfähigkeit rasch verloren, während die Unordnung, und damit die Kosten, rasch ansteigen.

Die Systemrelevanz von Gesundheit

Eine florierende Wirtschaft kann nur noch in Gesellschafts- und Unternehmenskulturen entstehen, die Menschen gesund erhalten und klüger machen. So relevant die Gesundheit der Menschen für die Wirtschaft ist, so relevant ist für(!) die Gesundheit der Menschen, wie Unternehmen und andere Einrichtungen als produktive Systeme gestaltet und geführt werden. Wie diese als komplexe Systeme gesund werden, bleiben und gesunde Arbeitsumgebungen darstellen, haben folgende Pioniere auf systemwissenschaftlicher Basis klar  herausgearbeitet: Stafford Beer mit seiner Managementkybernetik, Hans Ulrich mit der St. Galler Managementlehre, Fredmund Malik mit der Integration sämtlicher bewährter kybernetischer Konzepte vieler Pioniere, sowie Markus Schwaninger mit seinen Beiträgen zur Organisationskybernetik.

Management im Kopf

Exzellente Unternehmensführungslehren wie eben skizziert sind aber noch keine Garantie für Erfolg. Denn die Quelle des Erfolgs steckt letztlich im eigenwilligsten System, das wir kennen: im menschlichen Gehirn, dem größten Illusionskünstler dieser Welt. Kein Mensch hat die Realität je so gesehen, wie sie tatsächlich ist. Das muss man heute nicht mehr glauben. Dank der Neurowissenschaften wissen wir, dass es so ist. Was daher früher, mehr und präziser geführt werden muss als alles andere, ist das Gehirn selbst. Ganz besonders, wenn es um den intelligenten Umgang mit hoher Komplexität und Dynamik an sich geht – um die größte geistige Hürde, die vor jedem Erfolg liegt. Darauf habe ich mich, nach langer Pionierarbeit im Gesundheitswesen, unter dem Titel InForMent spezialisiert.

InForMent

Auch das Gewinnen und intelligente Verarbeiten relevanter Informationen/Erkenntnisse trotz(!) hoher Komplexität und Dynamik löst man am besten durch das Anwenden der systemwissenschaftlichen Denkschule. Primär geschieht das durch das Entwickeln von und sekundär durch das Arbeiten mit Systemmodellen. Mit solchen Denkwerkzeugen überwindet und vermeidet man komplexitätsbedingte blinde Flecken und Hirnblockaden. Auf diesem Weg gewinnt man die besten Erkenntnisse im höchsten Tempo mit höchster Sicherheit, verschwinden auf schnellstem Weg die bekannten Stressreaktionen mit daraus folgender Irrationalität.

Gesundheit als Super-Indikator

Krankheit kann man bis zu einem gewissen Grad verleugnen, vor allem vor sich selbst. Versagen Geist und Psyche komplexitätsbedingt, erkennen das andere viel früher als man selbst. Verleugnen enthält also nur das Potenzial für Blamagen. Weit ergiebiger als Selbst- und Fremdausbeutung ist es, Gesundheit in jeder Hinsicht als wichtigsten Faktor und Indikator für Erfolg zu nutzen. Wie gesund ein Unternehmen im Sinne seiner Langlebigkeit ist, erkennt jeder an folgenden Merkmalen: Es entstehen rasch und laufend die besten Erkenntnisse sowie die erforderliche Kooperation für Lösungen, die dann auch nachhaltig passen. Das geht. Das geht sogar ganz leicht, auch bei schwierigsten Anforderungen, durch das Anwenden der innovativen Systemwissenschaften für gesunde Menschen und Systeme.

In diesem Sinne wünschen die Systemwissenschaften und ich allen Menschen, Unternehmen, Institutionen und Gesellschaften das Beste für ihre Gesundheit im Neuen Jahr, und in der neuen Zeit.  


 

Maria Pruckner entwickelt seit 1992 verlässliche kybernetische System-Modelle und Denkwerkzeuge für den professionellen Umgang mit hoher Komplexität und Dynamik. Als Beraterin, Trainerin und Coach auf diesem Gebiet gehört sie weltweit zu den am längsten dienenden Problemlösern in der Praxis. Sie arbeitet stark vernetzt mit international führenden Experten aus Wissenschaft und Praxis. Im Rahmen ihres Unternehmens in Wien stattet und bildet sie Führungskräfte sowie interne und externe Experten aus, die in Unternehmen und Institutionen komplexe Situationen professionell meistern müssen.

Wie geht es Ihnen mit dem Meistern von Komplexität?
Schreiben Sie Ihre wichtigste Frage an Maria Pruckner.
Sie wird darauf eingehen.

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