Nie wieder manipuliert werden: Bekämpfen Sie Ihre Denkschwächen

20.12.2016 | 16:12 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Serie 10/11. Denkschwächen sind meist Varianten einseitigen Denkens. Hier lernen Sie die wichtigsten kennen.

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Oft wird das Vergleichsargument strapaziert. Hier werden zwei Themen gleichgesetzt und daraus (falsche) Schlüsse gezogen: „Christian war Brillenträger und Anna hat sich in ihn verliebt. Ich trage auch eine Brille. Also wird Anna sich auch in mich verlieben.“

Solche Analogien sind logisch falsch. Als Metapher in nicht-argumentativer Absicht sind sie aber aber erlaubt. Spiegel-Journalist Jan Fleischmann etwa verglich Donald Trumps Frisur mit der „Landebahn einer Wildente“.

Bei vorschnellen Verallgemeinerungen schließen Sie von Einzelfällen auf eine allgemeine These. Berücksichtigen Sie nur einen einzigen Fall, ist das ein anekdotischer Beleg.

Wenn zwei Ereignisse oft zusammen auftreten, vermuten wir oft einen Zusammenhang (cum hoc, ergo propter hoc), so wie bei „Sport macht gesund“. Doch Achtung, der kann aber auch purer Zufall sein: US-Filmschauspieler Nicolas Cage dreht im Jahr genauso viele Filme wie in den USA Menschen im Swimming Pool ertrinken. Einen Zusammenhang gibt es trotzdem nicht.

Die Sache mit der Wahrscheinlichkeit

Tom ist intelligent und interessiert sich für Philosophie. Was studiert er wohl? Wenn Sie jetzt „Philosophie“ antworten, irren Sie mit großer Wahrscheinlichkeit. Nur 0,5 Prozent der männlichen Deutschen studieren Philosophie, weit mehr etwa BWL. Daher ist es wahrscheinlicher, dass Tom BWL studiert und die Philosophie nur sein Hobby ist. Solche Fehlschlüsse heißen Prävalenzfehler.

Ein falsches Dilemma ist eine entweder-oder-Option, die weitere Optionen ausschließt. So wie George W. Bush’s Entscheidungsfrage nach 9/11 „either you are with us, or you are with the terrorists.“ Was hätte das neutrale Österreich darauf antworten sollen?

Weil ein paar texanische Schützen so betrunken waren, dass sie die Zielscheibe nicht mehr trafen, beschlossen sie einfach, auf die Scheune zu zielen. Nach ihnen heißt diese Art unlauteter Rechtfertigung der Texanische Scharfschütze. Auch Homöopathiebefürworter denken so, wenn sie nur Studien in Betracht ziehen, die die Wirkung bestätigen, und alle anderen vernachlässigen, die sie widerlegen.

 

Nächste Folge (10/11):
Nie wieder manipuliert werden: Übersehen Sie nichts
Alle früheren Folgen finden Sie hier.

Die Anregungen für diese Serie stammen aus dem Buch
Nikil Mukerji: Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstandes, Springer Verlag

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