Nie wieder manipuliert werden: Rattenfänger der Sprache

30.12.2016 | 10:09 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Folge 7/11. Manche Menschen verwenden bewusst Sätze, die so oder so ausgelegt werden können. Ein (harmloses) Beispiel …

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... ist das Schild an einem indischen Restaurant: „Kein Curry ist besser als unser Curry“. Es kann auch so gelesen werden, dass es besser sei, gar kein Curry zu essen als dieses.

Solche mehrdeutigen Sätze heißen Amphibolien. Ist nur ein einziges Wort mehrdeutig, ist das eine Äquivokation: Eine „Theorie“ etwa meint eine lose Vermutung genauso wie ein empirisch bestätigtes Hypothesensystem.

Auch die Betonung einzelner Worte gibt demselben Satz unterschiedliche Bedeutung. „Wir sollten nicht zur Party gehen“ kann nicht zu Fuß zu gehen oder gar nicht gehen meinen. Hinterfragen Sie auch, ob Aussagen positive oder negative Bewertungen enthalten. Das sind dann Euphemismen oder (ein wunderbar lautmalerisches Wort) Kakophemismen. Einfachstes Beispiel ist das berühmte halbvolle oder halbleere Glas.

Spezialfälle sind geladene Fragen, die bereits Vorannahmen beinhalten: „Hast du endlich aufgehört, deine Freundin zu schlagen?“ setzt voraus, dass man es tut.

Manipulieren mit Framing

Sehr wirkungsvoll ist die Technik des Framings. Hier wird der Kontext so dargestellt, dass ein und dieselbe Information ganz anders wirkt. „Mit diesem Medikament können 200 von 600 Menschen gerettet werden“ ruft andere Assoziationen hervor als „400 von 600 Menschen sterben nach diesem Medikament.“

Anlageberater lieben das Gewinn/Verlust-Framing. Hintergrund: Menschen haben mehr Angst davor, etwas wieder zu verlieren, das sie schon einmal besessen haben, als es gar nicht zu bekommen. Darauf baut Ihr Anlageberater, wenn er Ihnen empfiehlt, gestiegene Aktien „jetzt zu verkaufen, bevor sie wieder fallen“. (Dass die Provision für die Wiederveranlagung des Geldes den Gewinn auffrisst, sagt er Ihnen nicht.) Umgekehrt weiß er, dass er viel größere Hürden überwinden müsste, um Sie zu einer Neuinvestition zu überreden.

Was Politiker mögen

Ein beliebter Kniff ist der rhetorische Fallschirm. Hier werden Beispiele so gestrickt, dass man jederzeit die Reißleine ziehen kann, wenn sie entkräftet werden. Sie finden sie oft in der Politik: Wer gegen Ausländer wettert, kann jederzeit „diesen einen Ausländer“ nicht gemeint haben.

Die Politik liebt auch Tugendwörter mit positiver Aura, aber unklarer Bedeutung. So heftete sich US-Präsident Obama „Change“ auf die Fahnen, definierte aber nie, was genau er darunter verstand.


Nächste Folge (8/11):
Nie wieder manipuliert werden: Konzentrieren Sie sich

Die Anregungen für diese Serie stammen aus dem Buch
Nikil Mukerji: Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstandes, Springer Verlag

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