Die Quadratur des Kreises, leicht gemacht

02.07.2016 | 08:00 |  Von Andrea Lehky (Die Presse)

Beruf und Familie. Manche Unternehmen halten sich schon für familienfreundlich, wenn sie Gleitzeit zulassen. Andere lassen sich mehr einfallen. Ein Best-of nützlicher Ideen für Firmen, die Eltern das Leben leichter machen wollen.

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Was hilft Mitarbeitern, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen? Der häufigste (und leider meist unrealistische) Wunsch ist ein Betriebskindergarten. Es gibt aber auch leist- und umsetzbare Ideen, die schon vorgelebt werden.

  • Schenk mir Zeit. Zeitsouveränität heißt, sich den Tag selbst einteilen zu können. Das muss nicht so kompliziert werden wie bei der Allianz Versicherung, die 70 verschiedene Teilzeitvarianten anbietet. Familienfreundlich sind auch Gleitzeit ohne Kernzeit (BKS Bank), Vertrauensarbeitszeit (Bipa), Zeitsparkonten (Spes) und Jobsharing, auch im Management (Ikea). Völlig gratis ist wohlwollendes Mitdenken, etwa Meetings nicht an die heiklen Tagesränder zu legen.
  • Baby an Bord. Vorausblickende Unternehmen haben fertige Wegweiserprogramme in der Lade. Mit diesen nehmen sie schwangeren Mitarbeiterinnen die Unklarheit über ihre berufliche Zukunft. Herzstück ist immer ein „Stay in contact“-Konzept, das die spätere Mama nahe am Unternehmen hält: mit Babyfrühstücken (Baxalta), konsequenten Einladungen zu allen Tagungen (Billa) und unlimitiertem Intranet- und Informationszugang (Österr. Lotterien).

    Die wichtigste Maßnahme ist ganz und gar kostenfrei: den Rückkehrtermin nicht zu verdrängen und einen abgesprochenen Arbeitsplatz für die junge Mutter bereitzuhalten. Hilfreich ist auch ein Buddy für die Wiedereinsteigerin (MAM).

    Noch mehr Loyalitätspunkte bringen eine interne Babysitterbörse (Steiermärkische Sparkasse), Leih-Omis (Scheuch) oder ein Erste-Hilfe-Kurs für Eltern (BRZ).

    Später gibt es dann Kids Days: Einmal im Jahr dürfen die Kinder ihre Eltern zum Arbeitsplatz begleiten, um zu verstehen, was Mami und Papi den ganzen Tag so machen (BIG). Oder gleich die Erlaubnis, die Kids in Notfällen mit in das Büro zu nehmen (IT-Services der Sozialversicherung). An schul-, aber nicht arbeitsfreien Tagen erleichtern Flying Nannies den Eltern das Leben, in den Sommerferien Juniorcamps für bis zu 14-Jährige (Billa).
  • Papa wechselt Windeln. Lang hielt man die Väterkarenz für nicht durchsetzbar. Jetzt boomt sie. Beliebt macht sich, wer zusätzliche Zeit verschenkt: zwei freie Tage nach der Geburt (Bawag PSK) oder zwei Wochen beliebig während des Mutterschutzes (Microsoft).

  • Liebe deine Eltern. Familienfreundlichkeit heißt auch, die Pflege alter und kranker Angehöriger zu ermöglichen. Weil das für die Betroffenen oft ein schambesetztes Tabuthema ist, reichen die Ideen von Sensibilisierung für die Möglichkeit der Pflegekarenz (Bawag PSK) über das Bereitstellen hilfreicher Kontakte und Links (AGES) bis zu Maßnahmen ähnlich jenen für Eltern kleiner Kinder.

  • Dies und das. Einfallsreichtum beweisen Firmen mit Nettigkeiten, die ihren Mitarbeitern das Leben leichter machen: etwa einem Putzereiservice (Baxalta), Firmentransportern für Umzüge (BEST) oder Jahresnetzkarten (BIG). Verbindend wirkt ein „Fest der Kulturen“ von Mitarbeitern für Mitarbeiter (Spar). Das Geld ist meist nur sekundär. Es geht um Verständnis und guten Willen.


[MIBNS]

(Print-Ausgabe, 02.07.2016)

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