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Johann Füller (Mitte) / Bild: (c) Colloquium Obergurgl 

Johann Füller: „Man muss nicht alles selbst lösen“

30.04.2016 | 06:30 |  von Michael Köttritsch (Die Presse)

Open Innovation. Beim Colloquium Obergurgl gab Johann Füller Einblick in eine noch nicht ganz alltägliche Methode, wie Unternehmen zu neuen Ideen kommen.

Es war ein Gedankenaustausch auf höchstem Niveau beim Colloquium Obergurgl vergangene Woche, bei dem Wirtschaft und Politik unter dem Motto „Aufbruch: Gesellschaft neu denken“ diskutierten.

Um eine ganz spezielle Art von Gedankenaustausch ging es im Beitrag von Johann Füller, Professor für Innovation and Entrepreneurship an der Universität Innsbruck: um Open Innovation.

In einem Umfeld von Globalisierung, zunehmendem Wettbewerb und kürzeren Produktlebenszyklen sei das Ziel von Open Innovation, sagt Füller, erfolgreichere Innovation mit weniger Aufwand und weniger Fehlversuchen zustande zu bringen. Open kann in diesem Zusammenhang mehrere Bedeutungen haben: Der Innovationsprozess kann ganz öffentlich stattfinden (etwa in Form eines Wettbewerbs), kann alle Mitarbeiter des Unternehmens einbinden oder sich nach dem Prinzip „invitation only“ an ganz bestimmte Personen richten. „Wichtig ist“, sagt Füller, „jeweils die Personen zu erreichen, die wertvolle Beiträge leisten können. Sie müssen daher über eine gewisse Expertise verfügen.“ Denn ob jemand eine Idee habe, hänge weder von Unternehmens- noch Abteilungszugehörigkeit ab. Und: „Man muss als Unternehmen nicht alles selbst lösen.“

Wenn Wissen im Haus fehlt

Open Innovation als Methode ist vor allem in drei Situationen geeignet, sagt Füller. Erstens, wenn im Haus Wissen über Markt oder Technologien fehlen. Zweitens, wenn der bisherige Innovationsprozess nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht hat oder drittens wenn der Wunsch besteht, Dinge radikal neu zu denken.

Die Organisation aber muss dafür bereit sein, sich auf diesen Prozess einzulassen. Denn damit verbunden sei auch, dass Betriebsgeheimnisse und strategische Überlegungen aufgedeckt werden. Unternehmen sollten sich daher genau überlegen, wann und wie sie Open Innovation einsetzen und wie das zum Kontext und zur Unternehmenskultur passe, sagt Füller. Und noch etwas: Wichtig sei, vorab zu klären, was den Innovatoren als Belohnung winkt und wem die Rechte an der Innovation zustehen. Bei einem Wettbewerb ist das meist ein geldwerter Betrag. Mitarbeiter würden sich auch über Anerkennung, Sichtbarkeit und Feedback freuen oder über eine Bühne, auf der sie sich und ihre Ideen präsentieren können.

ZUR PERSON

Johann Füller, Professor für Innovation and Entrepreneurship an der Uni Innsbruck, war einer der Referenten beim 5. Colloquium Obergurgl unter dem Motto "Aufbruch: Gesellschaft neu denken". Michael Krammer hielt die Hayek-Lecture ("Disruption und neue Geschäftsmodelle bei Rapid und Ventocom"). Außerdem hielten Gottfried Tappeiner, Kurt Matzler (Uni Innsbruck), Bernd Ebersberger (MCI) und Jakob Edler (Uni Manchester) Keynotes. [ Felsch]


[M99WB]

("undefined", Print-Ausgabe, 30.04.2016)

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