Kommunikation: Warum Chefs im Lift üben sollten

05.02.2016 | 17:00 |  von Michael Köttritsch (Die Presse)

Führungskräfte nützen die Möglichkeiten, ihre Botschaften ins Unternehmen zu tragen, oft nicht aus. Dazu müssen sie zunächst wissen: Was will ich? Und das verlangt Selbstreflexion.

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Die jungen Entrepreneure sind längst Profis im Elevator Pitching: Sie haben gelernt, ihre Botschaften so knapp und klar zu formulieren, dass jeder den Kern ihrer Geschäftsidee innerhalb weniger Sekunden versteht. In abgewandelter Form haben auch Jobbewerber und Jobeinsteiger das Prinzip verstanden: Sie verpacken das Thema „Warum Sie mich einstellen sollten“ bzw. „Das mache ich beruflich“ in eine kurze Geschichte, die sich problemlos während einer einzigen Fahrt mit einem Aufzug erzählen lässt.

Angst, zu banal zu sein

Führungskräfte hingegen unterschätzten (ganz im Gegensatz zu vielen Vertriebsmitarbeitern) die Macht der Kurzpräsentation oder nutzten ihr Potenzial für die interne Kommunikation nicht, sagt Martin Brandstötter, Gründer von Zielwerk und Anbieter von Leadership-Programmen. Sie würden sich scheuen, ihre Botschaften ständig zu wiederholen, hätten Angst davor, mit einfachen Sätzen banal zu klingen, und würden die Fülle an Kommunikationskanälen bei Weitem nicht ausschöpfen. Brandstötter trainiert mit Führungskräften, wie sie ihre Botschaften platzieren können.

Rollenklarheit gewinnen

Was ist meine Aufgabe als Führungskraft? Darunter fallen: Orientierung geben, Ziele setzen, sichtbar vorangehen, und wenn es Bedenken und Widerstände gibt, integrativ wirken. „Wer führen will, muss wissen, wohin. Dann braucht es die Einbindung der Mitarbeiter, damit sie diesen Weg aktiv mitbauen.“ Und Führungskräfte müssten Beispiele liefern, wie dieser Weg beschritten werden kann, um diese Ziele zu erreichen. „Voraussetzung dafür ist“, so Brandstötter: „Die Führungskraft muss glaubwürdig sein, in dem, was sie sagt und tut.“ Denn eine 100-prozentige Deckungsgleichheit zwischen persönlichen Vorstellungen und Unternehmenszielen liege nur in Ausnahmefällen vor.

„Call to Action“ einbauen

Wer seine Botschaften formuliert, erkennt rasch viele Analogien zum klassischen Elevator Pitching:

● Wichtig ist ein „starker“ Einstieg in Form einer These oder eines interessanten Fakts.

● Das Besondere ganz deutlich herausstreichen.

● Priorisieren und auf das Wesentliche konzentrieren.

● Auf das Gegenüber eingehen und den Wissensstand der Zielgruppe im Auge behalten.

● Die Begeisterung spürbar machen. Auch hier gilt: Es kommt nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie an.

● Das Gegenüber soll nicht einen Monolog ertragen müssen, sondern auch die Gelegenheit haben, reagieren zu können. Zumindest für nonverbale Kommunikation sollte Raum sein.

● Zum Schluss kommen zwei wichtige Punkte: erstens ein „Call to Action“, also die Aufforderung an die Zielgruppe, was jetzt zu tun ist. Und zweitens sollte klar werden, wie man auch künftig einfach in Kontakt bleiben kann. Hier gilt in aller Regel: je barrierefreier, desto besser.

Führungskräften, die ihre Botschaften formuliert haben, empfiehlt Brandstötter, kein Format auszulassen, diese Botschaften zu transportieren. Schließlich gilt die Regel, dass eine Botschaft sechsmal gehört werden muss, ehe der Inhalt verinnerlicht wird. Das heißt für Führungskräfte, nicht nur zum Topmanagement oder den wichtigsten Kunden zu sprechen.

Kurze, effiziente Auftritte

Brandstötter illustriert das mit einem eingängigen Beispiel: Der Chef sollte zu Beginn der Produktschulung bei seinen Mitarbeitern dabei sein. Das sei nichts anderes als eine optimale Plattform, in aller Kürze über seine Ziele und jene des Unternehmens zu sprechen. „Und den Bogen herzustellen, wie dieses Produkt mit den übergeordneten Zielen zusammenhängt“, sagt er. „Ein kurzer Auftritt. Doch der ist höchst effizient.“

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