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Freeters, Yuccies und High Potentials

06.11.2015 | 10:00 |  Eva Reisinger (DiePresse.com)

Junge Menschen haben beim Berufseinstieg völlig andere Voraussetzungen als ihre Eltern.

Es gibt zwei große Schubladen am Arbeitsmarkt, in die man die Generation Y packt: die breite Masse und die High Potentials. Doch selbst letztere darf man nicht alle in einen Topf werfen.

Die echten High Potentials stellen altbewährte Strukturen auf den Kopf. Sie wollen anders arbeiten, anders leben und sich am liebsten in beiden Bereichen selbst verwirklichen. Am besten beschreiben sie die Stichwörter Kreativität und Flexibilität. Sie wollen nicht an einen Bürosessel gefesselt werden und Aufgaben erledigen, bei denen sie sich nicht selbst verwirklichen können. Und ganz nebenbei noch so schön und so cool und so lifestylig wie nur möglich sein.

Dann gibt es die "Freeters", die Abkürzung für "Free Workers". Sie sind ebenfalls hoch qualifiziert, müssen aber mangels arbeitsrechtlicher Bestimmungen ihren Job als so genannte "Freie" machen. Finanziell schauen sie durch die Finger und zahlen bei Vorsorge und Versicherung drauf.

Der sogenannte Yuccie, eine Kreuzung des "Young Urban Creative" und dem Hipster, ist dem "Freien" gar nicht so unähnlich, steht finanziell aber besser da. Der Yuccie fällt durch schräge Outfits auf und scheint so seinen ganz eigenen Lifestyle zu pflegen. Als selbst erklärter Kreativer will er seine Selbstverwirklichungsansprüche geltend machen und seine eigenen Ideen umsetzten. Mindestens genauso wichtig ist ihm aber das Gehalt. Darum macht er zwar auf individuell, ist aber mehr Mainstream als jeder 9to5-Angestellte. Dieser Hipster will Geld verdienen.

Was echte High Potentials, Yuccies und Freeters verbindet:

  • Der Lebensabschnittsarbeitgeber

Ähnlich wie auf der Beziehungsebene will sich die Generation Y auch beruflich nicht festlegen. Lebenslange Zugehörigkeit zu einer Firma gibt es nicht mehr. Auch die Einstellung zu Loyalität hat sich gewandelt. Die Identifikation funktioniert nicht mehr über das Unternehmen selbst, sondern über die Tätigkeit dort. Kommt ein besseres Angebot, wird es geschnappt. Loyalität auf Zeit, und nicht auf's Leben.

  • Pragmatische Einzelkämpfer

Teamwork ist wichtig. Teamwork ist schön. Jedes Unternehmen will Bewerber, die teamfähig sind. Teamwork mutiert zu einer Art Wunderwaffe und durch Crowdsourcing scheint jede Aufgabenstellung bezwingbar. Neben all dem Juhu-Teamwork-Geist geht der Trend gleichzeitig auch zum Einzelkämpfertum. Nicht unbedingt aus Egoismus, sondern aus pragmatischen Gründen: Geht schneller, ist einfacher, logistisch ausführbarer und einfach praktischer.

 

Klar ist aber: Echte High Potentials, Freeters und Yuccies sind nur der geringste Teil der Generation Y. Die große Masse sehnt sich nach einer unselbstständigen Tätigkeit, einem 40 Stunden Job, geregelten Arbeitszeiten und viel Sicherheit in sonst so komplizierten Zeiten.

 

Informationen des Textes stammen aus der Studie "High Potentials, Young Creatives, Normalarbeitsplatznostalgiker - Jugendtrendforschung auf den Spuren der Arbeitswelt von morgen" von Beate Großegger vom Institut für Jugendforschung.

1 Kommentare
Mensor
07.12.2015 09:35
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Interessanter Artikel

Sehr interessanter Artikel! Allerdings sind auch die Grenzen von High Potentials und Yuccie auch fließend. Die Macher von Distorted People (vgl. http://www.distortedpeople.com/ ) haben einen eigenen Kleidungsstil entwickelt, der anders ist, cooler ist, einen eigenen Lifestyle präsentiert und sind finanziell auch sicher nicht schlecht aufgestellt. Das wird sogar von Promis wie Bastian Schweinsteiger honoriert, die nicht immer in den Stores die Klamotten von altbekannten Marken kaufen wollen. Ein wenig Kreativität ist in der Modebranche aber fast schon eine Selbstverständlichkeit!
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