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Bild: Pia Thienen 

Bewerben mal anders

23.03.2015 | 13:07 |  Pia Thienen (DiePresse.com)

Das zweite Modul der „NaturTalente“-Serie stand im Zeichen der Selbstpräsentation und Überzeugung. Seien Sie nicht die Nadel im Heuhaufen und unterscheiden Sie sich durch Schlagfertigkeit und Vorbereitung.

Wie kann ich mich im Bewerbungsprozess durchschlagen? Diese Frage stellten sich 33 Studenten. Allesamt haben sie MINT-Fächer an der Universität Wien belegt. Sie studieren also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik und wollen mehr als nur Fachwissen - sie wollen auch an ihren sozialen und kommunikativen Stärken arbeiten.

Die Studenten und Doktoranden von sechs Fakultäten wurden speziell für das Kompetenzprogramm "NaturTalente" ausgewählt. Das zweite von insgesamt sechs von Uniport organisierten Modulen fand in der Business School der Telecom Austria Group statt. A1 ist einer der Kooperationspartner der Veranstaltungsserie.

Die Nadel im Heuhaufen

Nathalie Strasser (links im Bild), Partnerin beim Trainingscenter Hollenstein und Expertin für Führungskräfteentwicklung und Coaching, navigierte die Teilnehmer einen Nachmittag durch den zukünftigen Einstieg in die Berufswelt. Ihr Credo: Vermeide den Heuhaufen.

Zwei Drittel aller Jobs werden durch unternehmensinterne Ausschreibungen oder persönliche Kontakte vergeben. Lediglich 30 Prozent werden formell und klassisch ausgeschrieben. Auf diesem im Verhältnis geringen Prozent liegt der Fokus aller Bewerber. Man hat mit enormer Konkurrenz auf die ausgeschriebene Stelle zu rechnen. Daher rät die Expertin, die Jobsuche am verdeckten Arbeitsmarkt zu beginnen. Schlagen Sie den informellen, aber nicht verbotenen Weg ein.

Weak Ties und Strong Ties

„Starke Krawatten“ sind damit nicht gemeint. Es geht um starke Bindungen und Kontakte, wie etwa Ihre Familie und enge Freunde. Überlegen Sie in einem Selbstversuch, welche möglichen weiteren Kontakte sich daraus ergeben können (sogenannte Weak Ties). Fragen Sie Ihre Strong Ties nach Weak Ties, die Sie beruflich voranbringen können. Nathalie Strasser rät zu einem soliden Netzwerk, um die Bewerbungslotterie weniger glücksabhängig zu machen.

Die perfekte Bewerbung

Die perfekte Bewerbung ist in erster Linie eines: zeitaufwendig. Wer sich richtig bewirbt, schreibt nicht an 50 Unternehmen ein einheitliches Schreiben, sondern bereitet sich auf jedes einzelne Unternehmen akribisch vor.

  • Selbstkenntnis. Die richtige Bewerbung beginnt mit einer Selbstanalyse. Welche Talente und Neigungen haben Sie? Fragen Sie nicht danach, wer Sie will, sondern was Sie wollen. Fragen Sie Ihre Freunde, was Ihnen leicht fällt. „Wo vergesse ich die Zeit am schnellsten?“ - zu dieser Frage rät die Expertin.

  • Recherche. Wenn Sie innere Klarheit über Ihre Talente und Neigungen erlangt haben, folgt in einem weiteren Schritt die Suche nach dem passenden Unternehmen und einer möglichen Funktion. Welche Firma passt zu Ihnen?

  • Greifen Sie zum Hörer. Seien Sie mutig und verlangen Sie einen persönlichen Termin. Bewerben Sie sich nicht mit einem E-Mail. Lassen Sie sich zum Personalchef durchstellen und überzeugen Sie ihn direkt von sich. Natürlich ist es ein harter Brocken, an der wachsamen Sekretärin vorbeizukommen, die den Auftrag hat, niemanden durchzustellen. Aber seien Sie höflich und bestimmt. Merken Sie sich ihren Namen und erklären Sie höflich Ihr Anliegen. Viele werden Sie trotzdem nicht durchstellen, aber einige bestimmt.

  • Vorbereitung. Gute Vorbereitung ist wie so oft die halbe Miete. Bereiten Sie sich auf Ihren Gesprächspartner vor. Wer ist zuständig für Ihre Bewerbung? Was könnten Sie gefragt werden? Üben Sie mögliche Gesprächssituationen. Wie kommen Sie am ehesten zu Ihrem Ziel: einem Termin mit dem zuständigen Chef?

Nathalie Strasser hat innerhalb dieses Workshops den Teilnehmern Mut zugesprochen: Mut zur Selbstpräsentation und zu Selbstbewusstsein. Mut, den verdeckten Weg zu gehen. Mut, seine Kontakte ohne schlechtes Gewissen zu nutzen. Mut zu sich selbst.

Wer seine Stärken und Schwächen kennt und mit einer freundlichen Selbstüberzeugung in den Bewerbungswahnsinn startet, wird einen passenden Job finden, meint sie.

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