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Bei der 9. Auflage der winquadrat in Eisenstadt spannen Studierende ihr Zukunftsnetz.

„Was uns in Österreich fehlt, ist die Mutkultur“

13.06.2014 | 10:39 |   (DiePresse.com)

In Eisenstadt trafen sich 150 Studierende, um bei der winquadrat Werte, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft kritisch zu hinterfragen. Und sich Empfehlungen erfolgreicher Manager zu holen.

Das Motto war zugleich eine Kampfansage: „Morgen entscheiden wir.“ 150 Studierende von 50 Universitäten diskutierten zu Pfingsten im Eisenstädter Schloss Esterházy über Innovation und Unternehmertum. „In Europa folgen heute junge Leute nicht mehr ihren Träumen“, formulierte Kumardev Chatterjee, Gründer und Präsident des European Young Innovators Forum, in seiner Rede bei der 9. winquadrat-Zukunftskonferenz, die vom Uni Management Club organisiert wurde. Chatterjee hat dafür auch einen Grund ausgemacht: Es fehlt die Bereitschaft zu entscheiden und Risiko zu übernehmen. Deshalb habe Europa die Rolle als Innovationsführer verloren.

Es sei in Ordnung zu scheitern, aber es sei nicht okay, es gar nicht zu versuchen, sagte Chatterjee und nannte als Beispiel „Angry Birds“: 53 Versuche hatten die Entwickler benötigt, ehe das Spiel ein Erfolg wurde.

Die winquadrat-Teilnehmer hinterfragten nicht nur in Arbeitsgruppen mit hochrangigen Wirtschaftsvertretern Werte, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, sondern diskutierten auch Entscheidungswege, die zum unternehmerischen Erfolg führen. Business Angel Hansi Hansmann etwa konstatierte: „Was fehlt, sind Entrepreneure, die Kraft haben, eine Idee durchzuziehen sowie genügend Risikokapital – von beiden haben wir in Österreich zu wenig.“ Nur neue Geschäftsmodelle würden die Gesellschaft weiterbringen. Spaß zu haben und sich etwas zu trauen, rät auch Robert Pfarrwaller, Manager des Elektrotechnikunternehmens Rexel: „Was uns in Österreich fehlt, ist die Mutkultur. Wir brauchen mehr innovative Unternehmer als Controller und Manager.“

„Über Politik wird nicht diskutiert“
Auch die politische Dimension des Entscheidens wurde in Eisenstadt debattiert und es wurde der Frage nachgegangen, ob mehr Digitalisierung mehr Demokratie bringe. Die Digitalisierung biete viele Chancen, sagte Außenminister Sebastian Kurz, „Parteien müssen flexibler werden und mehr Möglichkeiten bieten, sich  einzubringen“. Kommunikationsprofi Josef Kalina meinte bei einem weiteren Paneel im Rahmen der winquadrat, die neuen Medien würden „gnadenlos überschätzt“. Social Media funktioniere als ungefilterter Kommunikationskanal, wenn Personen und relevante Themen bewegen. Wahlforscherin Sylvia Kritzinger von der Universität Wien bestätigte das indirekt: „Die Hoffnung der Demokratietheoretiker, direkt mit den Bürgern in Kontakt zu treten, ist nicht eingetroffen. Über politische Inhalte wird nicht diskutiert. Games and Fun sind populärer.“

("Die Presse", Printausgabe, 14.06.2014)

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