Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden
Generation Schnäppchenpreis?

Generation Praktikum: "Es gibt zu viele Weicheier"

29.11.2013 | 12:29 |   (Die Presse)

Bei einer Podiumsdiskussion "Generation zum Schnäppchenpreis" im Uni Management Club forderte „Investment-Punk“ Gerald Hörhan Engagement der Jungen und handelte sich damit jede Menge Kritik ein.

Sie leisten reguläre Arbeit und bekommen – wenn überhaupt - sehr wenig Geld dafür. Praktikanten sind in vielen Fällen nicht mehr als billige Arbeitskräfte. Auf Einladung des Uni Management Club (UNIMC) diskutierte bei der win² Half Anniversary ein hochkarätiges Podium über die „Generation zum Schnäppchenpreis“ in den Räumlichkeiten des management club in der Kärntnerstraße. Der Hintergrund der Diskussion: Immer mehr junge Akademiker absolvieren jahrelang Praktika oder werden in befristete Arbeitsverhältnisse gedrängt, nur um in ihrer Wunschbranche doch einmal Fuß zu fassen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinken die Chancen auf eine Fixanstellung.

Investmentpunk und Autor Gerald Hörhan formulierte seinen Standpunkt sehr pointiert: „Praktika sind eine wichtige Voraussetzung für einen Job. Diese müssen nicht bezahlt sein. Gute Leute arbeiten sowieso nicht unbezahlt. Wichtig ist, dass sie was lernen. Wer neben dem Studium arbeitet, bringt auch später im Leben was weiter. Es krebsen aber leider zu viele Weicheier herum. Den Arbeitgeber zu verklagen, kann nicht das Ziel sein.“

Mit diesen Aussagen legte er sich mit Veronika Kronberger, Vorsitzende und Sprecherin der Plattform „Generation Praktikum”, an. Ihr sind die unbezahlten Praktika ein Dorn im Auge. „Die Flexibilität wird von den Unternehmen missbraucht, um das Arbeitsrecht zu umgehen. Nur wer den familiären Rückhalt hat, kann sich ein unbezahltes Praktikum leisten.“ Im Durchschnitt werden Akademiker mit 27 Jahren fertig, dann dauert es drei Jahre lang, bis sie eine Fixanstellung erhalten. Sie empfiehlt, Praktika schon während des Studiums zu machen.

"Vollzeitkräfte nicht durch Praktikanten ersetzen"

Für Katharina Kucharowits, SPÖ- Abgeordnete zum Nationalrat, gehören die Schlupflöcher geschlossen. „Es kann nicht sein, dass Vollzeitkräfte durch Praktikanten ersetzt werden. Die Leute gehören daher über ihre Rechte aufgeklärt. Nur so kann man auf Augenhöhe verhandeln.“ Nichts hält sie von einem Praktikumsgesetz. „Das führt nur zu einem Arbeitsrecht light.“ Sie schlägt ein Gütesiegel vor, das zeigt, „dass nicht nur Kaffee gekocht wird.“ 

„20 bis 30 Prozent der Akademiker haben einen befristeten Arbeitsvertrag“, berichtet Soziologe Roland Teitzer. Aber: Befristung ist nicht gleich Befristung und muss nicht schlecht bezahlt sein. Teitzer hat sich auch die Studienrichtungen genauer angesehen. Wer glaubt, dass Naturwissenschaftler leichter einen fixen Job finden, irrt. 35 Prozent der Physiker haben nur einen befristen Vertrag, ähnlich hoch wie bei den Politikwissenschaftlern. Teitzer spricht die gesellschaftlichen Folgen an. Wer später ins Erwerbsleben eintritt, sammelt weniger Pensionsjahre.  Auch die Geburtenrate sinkt, weil sich die Geburt eines zweiten Kindes oft nicht mehr ausgeht.

1 Kommentare
navierstokes
01.12.2013 10:32
0 0

hey punk!

wenn dein zitat richtig wiedergegeben wurde, dann gibts dort nur widersprüche:

Gute Leute arbeiten sowieso nicht unbezahlt. Wichtig ist, dass sie was lernen. Wer neben dem Studium arbeitet, bringt auch später im Leben was weiter. Es krebsen aber leider zu viele Weicheier herum. Den Arbeitgeber zu verklagen, kann nicht das Ziel sein.“

1. gute leute in praktika arbeiten eben unter- oder nicht bezahlt
2. ich behaupte: fleiss bringt dich in österreich auch in der privatwirtschaft nur bedingt weiter, hier gelten stützende netzwerke, die man sich mit (parteipolitisch) vernetzten verwandten schneller und effizienter aufbaut als gutes sprungbrett.
3. kläger sind mit sicherheit keine weicheier, sondern nichtklagende speichellecker. hier sit bewiesen, dass in ösistan zivilcourage und politische verantwortung (nennen wir es gemeinheitlichen verantwortungsaltruismus) gegenüber duckmäusertum und kopfeinziehen nach wie vor keine chance haben. in skandinavien wären sie damit schon weg von der bildfläche.

4. weiss nicht, wer bei der presse eine affinität für sie hat, aber ich habe noch nie von ihren provozierenden aussagen profitiert - im sinne von etwas mitgenommen fürs leben.
AnmeldenAnmelden
DiePresse.com