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Erst Nutzen, dann Technologie
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Erst Nutzen, dann Technologie

11.10.2013 | 09:45 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Innovation. Alle Firmen wollen „digital werden“. Doch die entscheidenden Fragen sind nicht die technischen.

Wer innovativ sein will, beißt sich viel zu oft an Fragen zur Technologie fest. Das ist der falsche Weg, meint Michael Schrage, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), der nächste Woche am Austrian Innovation Forum 2013 (17. Oktober, Tech Gate Vienna) zu einem neuen Herangehen an den Innovationsprozess im Unternehmen aufrufen will.

„Die meisten wollen das, was sie machen, einfach weiter in der digitalen Welt betreiben.“ Die richtige Frage lautet aber: „Wie baue ich die Vorzüge der digitalen Welt in mein Geschäft ein?“ Schrage teilt in drei Dimensionen, die sich gegenseitig bedingen und verstärken:

  • Segmentierung: Welche Marktteilnehmer würden welchen Teil meines (digitalen) Nutzenversprechens schätzen und kaufen? Ziel ist, diese Teilnehmer rasch und billig zu identifizieren.
  • Sozialisierung: Wie und über welche Kanäle sollen die Käufer über mein Produkt reden? Gemeint sind YouTube-Videos, die Kunden beim Benutzen zeigen, oder Anwender, die ihre Erfahrungen via Blogs und Apps teilen.
  • Skillification: ein Kunstwort, das ausdrückt, wie die Kunden die Fertigkeiten erwerben, ein Produkt zu nutzen. „Sicher nicht über theoretische Abhandlungen und Sachinformationen“, sagt Schrage. „Wissen wird überbewertet, Skills sind wichtiger.“ Statt zu erklären, wie man ein Auto fahre, solle man es die Nutzer „einfach machen lassen“.


Aus den Antworten auf diese drei Fragen leitet Schrage Innovationen ab: solche, die bestehende Produkte einfacher, leichter verständlich oder besser handhabbar machen – oder gleich frische Ideen für die Produktentwicklung.

 

Zur Person
Michael Schrage ist Ko-Direktor der Media-Lab-E-Market-Initiative am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er berät private und öffentliche Institutionen wie die Deutsche Bank, die Weltbank, Merrill Lynch, General Motors, McKinsey, Microsoft, Accenture, Mars, Hewlett Packard, Procter & Gamble u.?v.?a. Sein Buch „Serious Play“ (2000) behandelt wirtschaftliche und ethische Aspekte des Prototypings. Schrage schreibt regelmäßig für „Fortune“, „CIO Magazine“ und „MIT's Technology Review“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2013)

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