Der Trick mit der Mogelpackung
07.02.2013 | 18:46 | Andrea Lehky (Die Presse)
Traineeship. Warum in Ferienzeiten so viele Angebote aufpoppen. Nicht überall, wo Traineeprogramm draufsteht, ist auch eines drin.
Es hat seine Vorteile, wenn man gleichzeitig für Finanzen, Personal und Organisation verantwortlich ist. So konnte Andreas Prenner in der Industriellenvereinigung (IV) gleich einmal „antizyklische Zeichen setzen“. Also kein konjunkturbedingtes Einsparen von Traineestellen, sondern eine Aufstockung von 17 auf 22. Auch am Inhalt seines Programmes, neben dem der WKO eines der schillerndsten auf dem Markt, musste er nicht sparen. Rekordverdächtige 30 Monate rotieren seine Trainees zwischen IV-Fachbereichen, nationalen und internationalen Unternehmen sowie internationalen Organisationen.
Also alles beim Alten beim Absolvententraum Traineeship? Nicht ganz, meint Prenner nach kurzem Zögern. Viele seiner Kandidaten würden eine ausgezeichnete Grundausbildung und interessante Lebensläufe vorweisen, „deutlich besser als vor zehn Jahren“. Dennoch, eine gewisse Orientierungslosigkeit könne er manchen nicht absprechen: „Zu meiner Zeit war die Ausbildung nicht ganz so gut. Aber man wusste, in welchen Bereich man gehen will.“
Ist denn nicht gerade diese „Lizenz zum Schnuppern“ das hervorstechende Merkmal eines Traineeships? Prenner lacht: „Das schon. Aber als Personaler wünsche ich mir Kandidaten mit Zielvorstellungen.“
Begriffsverwischung
Die IV bekommt tendenziell mehr Bewerbungen von „reifen“ Magistern und Mastern, oft auch Absolventen von Doppelstudien, die ihre ersten Karriereschritte in der Institution setzen wollen. In Industrie und Wirtschaft sieht das anders aus: Dorthin zieht es scharenweise junge Bachelors, die nach sechs Semestern Studium noch wenig Lebenserfahrung mitbringen. Raphaela Schaschl, selbst ein früherer Novomatic-Trainee, ist seit September Obfrau der Interessenplattform Traineenet: „Zu unseren Veranstaltungen kommen sogar schon Maturanten und HAK-Absolventen“, ärgert sie sich. Das korrespondiere jedoch mit den Angeboten im Markt. Denn bei genauerem Hinschauen entpuppen sich die als bessere Ferialjobs: „Oder warum wohl poppen sie alle vor Ferienbeginn auf?“
Eine Programmdauer von zwei bis drei Monaten macht Schaschl jedenfalls stutzig: „Das sind Aushilfsposten!“ – Welche den ursprünglichen Gedanken von Traineeships, nämlich langfristige Ausbildung, Vernetzung und Entwicklung der Nachwuchstalente, kräftig unterwandern.
Diesem Trend folgen auch renommierte Anbieter. A1 etwa benannte sein Programm für Hochschulabsolventen kurzerhand in „Top Talent Competition“ um und adressierte mit seinem „Traineeprogramm“ Maturanten. Eine Mogelpackung, findet Schaschl, denn „nach welchen Begriffen soll man denn jetzt suchen?“
Ihr Appell an Karriereportale: „Bitte vernetzt die Suchbegriffe im Hintergrund und listet alle auf!“ Gibt ein Interessent also „Trainee“ in die Suchmaske ein, sollen ihm auch Angebote etwa für „Nachwuchsführungskräfte“ vorgeschlagen werden. Eine Verknappung anderer Art passiert in den Programmen selbst. Bereits bei der Auswahl werden die Trainees auf ihr künftiges Einsatzgebiet festgelegt, weiß ZBP-Geschäftsführerin Ursula Axmann. In den Unternehmen wird dann nicht mehr zwischen Sales, Marketing, Finance und Produktion herumgehüpft, sondern nur innerhalb des vorab gewählten Einsatzgebietes. Vorteile für das Unternehmen: Der Nachwuchs bringt schneller Leistung, sprich: Er rechnet sich schneller. Nachteil für den Trainee: Ein Umsatteln ist kaum mehr möglich. Ex-Novomatic-Trainee Schaschl hatte noch Glück: Sie kam mit dem Vorsatz ins Unternehmen, sich in Richtung HR zu entwickeln – und entdeckte beim Rotieren ihre Leidenschaft für die Spielerschutzabteilung.
Wie entwickelt sich die Zahl der Angebote? Nominell gleichbleibend, da sind sich die beiden einig. Doch wegen der Zielgruppenüberlappung mit Maturanten darf das nicht eins zu eins verglichen werden. Und: „Gefühlt sind früher mehr Absolventen pro Programm aufgenommen worden“, meint Axmann. „Sechs bis sieben waren keine Seltenheit.“ Heute freut sie sich schon über zwei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2013)













