Netzwerktorlauf neben der Piste
18.01.2013 | 11:25 | Nikolaus Koller (Die Presse)
Ski-Events. Die heimische Management-Elite trifft sich diese Woche in Kitzbühel: Doch was bringen solche Sportgroßereignisse wie das Hahnenkamm-Rennen für Business und Karriere?
Der alpine Skiweltcup gastiert in der kommenden Woche in Kitzbühel: Zehntausende Fans werden zu den Rennen am Ganslernhang und der Streif erwartet. Auch die heimische Manager-Elite trifft sich bei solchen Großereignissen – von denen uns mit der Ski-WM in Schladming in diesem Jahr noch ein zweites ins Haus steht. Natürlich werden in diesem Rahmen auch Geschäfte gemacht, wie Walter Schwarz, Geschäftsführer der Personalberatung Consent aus eigener Erfahrung bestätigt: „Vielleicht kommt man nicht gleich zum Abschluss. Aber man spricht, vertagt und schließt zu Hause ab.“
Die Spitzen des heimischen Managements treffe man allerdings nicht in den großen Fan-Zonen, sondern in abgeschirmten VIP-Bereichen, wie auch Andreas Landgrebe bestätigt. „Invitation only“ ist angesagt, so der heimische Managing Partner des Executive-Search-Unternehmens Boyden. Dabei muss es sich gar nicht um offizielle Veranstaltungen oder große Sponsoren-Events handeln. Persönliche, klein gehaltene Runden gibt es – wie immer im Rahmen solcher Großereignisse – in gewisser Anzahl ebenfalls. Viele Manager und Unternehmer aus Ostösterreich besitzen Häuser und Wohnungen in der Region. Diese werden für kleine Business-Events genützt. Wer über ein entsprechendes Netzwerk verfügt, wird solche „informellen“ Einladungen erhalten.
„Niemand will sich nur über den Rennverlauf austauschen“
Karrieristen, welche in diese kleinen, feinen Kreise eingeladen werden, sollten diese Chancen auch jedenfalls nutzen. „Niemand kommt zu einem solchen Event und investiert zwei Tage oder mehr, um sich ausschließlich über den Rennverlauf auszutauschen. Dies gilt es für den Karrierefreudigen entsprechend zu nutzen und sich als interessanten und kurzweiligen Gesprächspartner einzubringen“, so Landgrebe.
Rein das Geschäftliche in den Mittelpunkt dieser Skitage zu stellen, verbietet allerdings die Event-Etikette. „Wie bei einem gesetzten Abendessen handelt es sich bei den Eingeladenen um eine Gruppe, die der Gastgeber unter den Gesichtspunkten gemeinsamer Interessen und passende persönliche Chemie zusammengestellt hat“, sagt Landgrebe. Ein erstes Kennenlernen sei also angesagt – und ausreichend. Sich auf die Pirsch nach anderen Kontakten zu begeben stellt ein weiteres No-Go bei solchen Events da. Die Runde soll den Hauptbezugspunkt des Eingeladenen darstellen – „Homebase“ nennt das Berater Landgrebe. „In diesem Rahmen wird es dem Karrierestrebenden ermöglicht, tatsächlich neue Kontakte zu schließen und diese maßgeblich zu vertiefen.“
Wer kein Kontakte in „Kitz“ hat, der kann sich auch die Reise dorthin sparen, um welche aufzubauen. „Auf eigene Faust und ohne Einladung sich unter die Besuchermasse zu mischen, in der Hoffnung, ,adabei‘ zu sein, kann ein nettes Ski- und Rennwochenende bescheren, wird zur Pflege und Erweiterung des eigenen Netzwerks allerdings wenig beitragen“, warnt Landgrebe. Schwarz schlägt in dieselbe Kerbe – wer sich teuer in VIP-Zelte eingekauft habe, aber dort niemanden kenne, der werde nur bedingt einen Geschäftserfolg haben. Der Berater empfiehlt, den Streif-Besuch zu wiederholen: Das örtliche Netzwerk – Schwarz: „Bei diesen Großveranstaltungen trifft sich oft dieselbe Gesellschaft“ – müsse über die Jahre Schritt für Schritt aufgebaut werden.
„Cold Calling“ – das Ansprechen „Unbekannter“ ohne entsprechendes Entrée – ist in den Tiroler Alpen genauso unangebracht wie in der Wiener City, sagt Landgrebe. Schwarz ist anderer Meinung: Während des Hahnenkamm-Rennens befinden sich viele Manager wie in einer „Skihüttenatmosphäre“, es sei daher leichter, mit ihnen ins Gespräch und somit auch ins Geschäft zu kommen.
Sponsoren: (Kleine) Einladungen für Geschäftspartner
Viele werden es nicht auf die Einladungslisten der Sponsoren schaffen: „Kitzbühel ist ein Highlight – vor allem mit dem Spektakel um die Rennen. Dieses Jahr ist auch Schladming ein Thema“, bestätigt zwar Tilman Buchner, Marketingleiter Generali Österreich. Der Versicherungskonzern ist einer der Hauptsponsoren des alpinen Rennzirkus. Groß(zügig)e Einladungen werden allerdings kaum ausgesprochen, sagt der Unternehmensvertreter. Ein paar Gäste seien eingeladen worden, sagt Buchner. Auch das Unternehmen selbst sei nur mit einer Handvoll Mitarbeitern vor Ort. A1 – ebenfalls Sponsor des Skiweltcups – legt es etwas größer an: „Eigentümervertreter und wichtige Geschäftspartner“ werden eingeladen, um ihnen einen Eindruck des Sponsorships als Marken-Touchpoint zu vermitteln“, wie es aus dem Unternehmen heißt.
Das Kommunikationsunternehmen lade traditionell versammelte Sport- und Managementgrößen sowie Personen aus dem Showbiz zur „A1 Kitz Night“. Generell betonen beide Unternehmen allerdings den Werbewert ihres Engagements gegenüber der Möglichkeit, Geschäftskontakte zu pflegen. Wer weder über das persönliche Netzwerk oder eine der raren Sponsoreneinladungen verfügt, dessen Karriereschaden hält sich in Grenzen. Denn, so Landgrebe: „Wen man in Kitzbühel daher nicht treffen kann, den kann man beim nächsten Event in Wien auch genauso gut ansteuern. Weil dorthin begeben sich 90 Prozent der Gäste nach dem letzten Rennen auch selber wieder.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)













